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Bestandsmonitoring von Boloria euphrosyne

Bestandsmonitoring von Boloria euphrosyne (Linnaeus, 1758), Silberfleck-Perlmuttfalter (Lepidoptera: Nymphalidae), mittels Fang-/Wiederfang im deutschen Teil des Warndts (Saarland). Die Publikation wird gerade erst erstellt. Diese Online-Vorabversion ist noch als Draft zu sehen. Feedback ist sehr willkommen.

Der Silberfleck-Perlmuttfalter Boloria euphrosyne kommt von Nordportugal, Irland und Norwegen durch fast ganz Europa bis zum Nordkap und durch Sibirien bis zum Pazifischen Ozean vor. In Südeuropa fehlt er - von Sizilien einmal abgesehen - auf den Mittelmeerinseln. Im Süden und Osten der Iberischen Halbinsel und im Osten Italiens fehlt er ebenso. Auch in der Türkei fliegt die Art nur im Norden.

Der Silberfleck-Perlmuttfalter meidet allzu heiße Gebiete. Daher kann man sie im Mittelmeerraum nur noch im Gebirge antreffen (Lepiforum 2012). Aus dem Luberon (Frankreich) sind den Autoren jedoch auch Standorte um 250m bekannt (beispielsweise 43°46'47''N 5°21'11''E), an denen große Abundanzen beobachtet werden können.

Der Silberfleck-Perlmuttfalter gilt im Saarland und Deutschlandweit als stark gefährdet. In der Pfalz wird er seit 1970er Jahren nicht mehr nachgewiesen (Schulte, Eller, Niehuis, Rennwald, 2007). In Frankreich befindet sich die Art ebenfalls in starkem Rückgang – besonders im Norden, Nordwesten und im Burgund (Lafranchis 2000). Im Département Bas Rhin wurde die Art nach 1980 nicht mehr nachgewiesen. Im Département Moselle sowie in Luxembourg finden sich noch einige kleinere Populationen. Perrette (2009) nennt für den Naturpark Nordvogesen noch die Hänge der Citadelle de Bitche sowie Brachen am Falkensteinerbach bei Philippsbourg/Eguelshardt. Die nächste mir bekannte starke Population findet sich in den Wäldern in der Gegend um Toul, die auch der Gelbringfalter (Lopinga achine) als ausgeprägte Lichtwaldart noch in hoher Zahl besiedelt. Man kann davon ausgehen, dass die noch existierenden Populationen in der Region Saar-Lor-Lux und Rheinland-Pfalz inzwischen voneinander isoliert sind, d. h. es findet kein genetischer Austausch mehr statt. In Baden Württemberg ist der Silberfleck-Perlmuttfalter ebenfalls in sehr starkem Rückgang begriffen (Landesdatenbank Schmetterlinge Baden-Württembergs 2012).

Silberfleck-Perlmuttfalter ♀ beim Sonnenbad. So bekommt man die Tiere nur sehr selten zu Gesicht. Wenn sie nicht gerade am Saugen oder bei der Eiablage sind, sind sie nervöse Flieger und scheu.

markiertes ♂

Der Silberfleck-Perlmuttfalter ist eine Art, die „an lichte Wälder oder ausgedehnte Buschstrecken gebunden scheint. Hier fliegt sie auf besonnten, grasigen Waldwegen, Waldblößen und Kahlschlägen.'' (De Lattin et al. 1957). Seine Habitatbindung hängt in erster Linie mit der Verfügbarkeit entsprechender Wirtspflanzen für seine Raupen zusammen. „Weibchen wählen nur Veilchen zur Eiablage aus, die auch bei völliger Belaubung des Waldes mindestens 4 h Sonne pro Tag erhalten (besser mehr, bis zu 8 h). Zusätzlich müssen die Veilchen frei stehen, vorzugsweise über offener bis lockerer Bodenbedeckung. Die Veilchenart ist dabei nebensächlich.'' (Ulrich & Caspari 2007). Veilchen in krautigem, stärker bewachsenem Milieu oder gar weitgehend beschattete Standorte werden gemieden. Solcherlei Bedingungen sind an einem Standort niemals stabil – es bedarf also in einem größeren Lebensraumverbund ständiger Störungen. In der montanen und subalpinen Stufe können diese durchaus und überwiegend natürlichen Ursprungs sein – in der Hügellandstufe ist es die Waldwirtschaft des Menschen. Im Naturzustand war unsere Landschaft nach der Eiszeit nahezu völlig von Wald bedeckt. Dieser war allerdings durch das Wirken großer Huftiere (Auerochse, Wisent, Wildpferd, Rothirsch) an vielen Stellen keineswegs dicht, sondern wies mosaikartig offene Strukturen auf (nach der Megaherbivorentheorie). Nach der Dezimierung durch den Menschen imitierte die traditionelle Waldwirtschaft (Niederwald, Brennholzgewinnung, Waldweide) diesen Zustand. Der Wechsel zur kahlschlagfreien Hochwaldwirtschaft ist mit großer Sicherheit der Hauptgrund für das Zusammenbrechen der Populationen des Silberfleck-Perlmuttfalters.

Durch die Stürme Vivian und Wiebke im Jahr 1990 gab es im Warndtwald starke Windwurfschäden vor allem in den Fichtenforsten. Einige kleinere Stürme sorgten immer wieder für kleinflächige Windwürfe und im März 2010 gab es erneut einen starken Windwurf v.a. rund um den Warndtweiher zu Lauterbach durch das Sturmtief Xynthia. Wieder waren vor allem die restlichen Fichtenforste betroffen. Über Satellitenbilder und Luftaufnahmen kann nachvollzogen werden, dass der Bereich um den Warndtweiher (Weiherschwänze) über viele Jahrzehnte dank diverser Windwurfereignisse über eine lückige Struktur verfügte. Im Jahre 2009 führten wir erstmals eine Fang-/Wiederfangaktion durch und der Sturm Xynthia bot in den Folgejahren eine ideale Ausgangssituation, das Wirken des Windwurfereignisses auf die dortige Population zu studieren. Aus den Erkenntnissen würden man Maßnahmen zum Schutz der Art ableiten können.

Methoden

Untersuchungsflächen

Der Silberfleck-Perlmuttfalter besitzt im Saarland nur noch im nordöstlichen Teil des Warndts Populationen, die regelmäßig nachgewiesen werden können. Potentielle Populationen in anderen Bereichen des Saarlandes scheiden daher aus. Die im Rahmen des Modellprojektes Die Lichtwaldfalter im Warndt (Ulrich & Caspari 2007) untersuchten Flächen sind inzwischen nicht mehr besiedelt und wurden in vorliegender Arbeit ebenfalls nicht berücksichtigt.

Die Untersuchungsflächen sollten über drei Jahre hinweg mit der unten beschriebenen Fang-/Wiederfangmethode bearbeitet werden. Dadurch bedingt, dass Teile der Metapopulation an einzelnen Standorten im Untersuchungszeitraum bereits verschwunden sind und an anderen Stellen neue Funde hinzukamen, muss die vergleichende Untersuchung (insbesondere die Populationsschätzung) auf ein Kerngebiet mit einer stabilen Population beschränkt werden.

Orange = Lage des saarländischen Teils des Warndts im Süd-Westen des Saarlandes. Blau umrandet = Detailausschnitt mit den Untersuchungsflächen.

Untersuchungsflächen, K = Kerngebiet, V1-V5 = Vergleichsflächen. (Aufnahme 2009, © Google Earth)

Tab. 1: Untersuchungsflächen

Kürzel

Zentralkoord.

Bezeichnung

Bemerkungen

K

49°12'45''N, 6°44'8''E

Lauterbach, Weiherschwänze

Kernuntersuchungsfläche

V1

49°13'19''N, 6°45'25''E

Differten, Bisamschlag

2012 erstmals Funde

V2

49°13'26''N, 6°45'54''E

Differten, Munitionsdepot

Nur in 2011 Einzelfunde

V3

49°13'4''N,6°45'48''E

Lauterbach, Fuchsborn

2012 erstmals Funde

V4

49°12'44''N, 6°45'1''E

Lauterbach, Judengehäu

Bis 2011 vereinzelte Funde

V5

49°11'52''N, 6°45'6''E

Lauterbach, Fischbacher Stellwege

2009 + 2010 noch gut, 2011 Einzelfunde, 2012 keine Funde mehr.

Die Untersuchungsfläche K wurde in den Jahren 2009-2012 zur Flugzeit möglichst täglich begangen. Die Vergleichsflächen V1-V5 wurden in diesen Jahren in je mindestens 3 Begängen untersucht. Zufällige Einzelfunde außerhalb dieser Flächen wurden ebenfalls dokumentiert. Die Populationsschätzung beschränkt sich auf die Fläche K; alle Untersuchungsflächen können einer engräumig strukturierten Metapopulation zugerechnet werden. Es ist kein Austausch zwischen den einzelnen Flächen nachgewiesen worden – insofern ist die Beschränkung der Populationsschätzung auf K methodisch wohl genauer als mit der Einbeziehung der Vergleichsflächen, zumal die Anzahl der Funde in V1-V5 sowie Umgebung recht gering ist.
Bei V1, V4 und V5 handelt es sich um Flächen, die bereits im Modellprojekt Die Lichtwaldfalter im Saarland (Ulrich & Caspari 2007) untersucht wurden. 2007 wurde in dieser Arbeit noch ein gutes Vorkommen nördlich der Sandgrube Merlebach (Karlsbrunn, Hochspannungstrasse/ Katzenweg) dokumentiert; diese ist inzwischen kurz vor dem Erlöschen – ein einzelnes Tier konnte noch 2012 beobachtet werden. Die Fläche wurde daher nicht in die Untersuchung mit einbezogen.

Vom Windwurf durch Sturmtief Xynthia waren die Flächen K, V1 und V3 betroffen. K war über die Jahre konstant besiedelt, während V1 und V3 erst nach dem Windwurf besiedelt wurden.

Die Erfassung der MRR Daten erfolgte in einer Tabelle in Google-Docs, die gleichzeitig von mehreren Personen bearbeitet werden kann. Die Datenhaltung und Aufbereitung erfolgt mit dem biogeographischen Informationssystem Recorder in der Version 6.17. Die Aufbereitung räumlicher Darstellungen in dieser Arbeit wurde mit Google Earth vorgenommen. Diejenige unter Verwendung von aktuellen Luftbildaufnahmen erfolge in Quantum GIS (Version 1.8). Der Austausch von Daten zwischen diesen beiden Anwendungen und mit der Recorder Software erfolgt recht reibungslos über KML-Files.

Datenerhebung durch Fang und Wiederfang

Die Flugzeit erstreckt sich je nach Jahr von Ende April bis Mitte Juni über eine Dauer von 4 bis 5 Wochen. In dieser Zeit wurde Fläche K möglichst täglich begangen. Witterungsbedingt ungeeignete Tage wurden ausgelassen, wobei sichergestellt war, dass mindestens 3 Begänge pro Woche in der Kernflugzeit durchgeführt wurden.

Die Tiere wurden gefangen und mit einem wasserfesten schwarzen Finelinerstift auf der Unterseite des Hinterflügels markiert. Dabei verwendeten die verschiedenen Bearbeiter je ein Präfix (T, R, S, ...) und eine je Bearbeiter fortlaufende Nummer. Die Markierung erfolgte im Regelfall beidseitig, um bei sitzenden Tieren unnötige physische Wiederfänge zu vermeiden. Am gleichen Tag wiedergefangene Tiere wurden nicht als Wiederfang gewertet und in der Populationsschätzung nicht berücksichtigt, sehr wohl aber wurden die Bewegungen innerhalb der Untersuchungsflächen an einem Tag und über größere Zeitspannen dokumentiert. Pro Fang wurden Datum und Uhrzeit, Geschlecht sowie die genauen Koordinaten mittels GPS festgehalten. Weiter wurden – sofern beobachtet – zusätzliche Angaben wie Nektaraufnahme, Eiablage, Kopula etc. festgehalten.

Die Populationsschätzung basierend auf den Fang-/Wiederfangergebnissen wurde nach der Methode von Jolly Seber in der POPAN-Parametrisierung und mit Hilfe des Programms MARK erstellt. Als Basis für die Parametrisierung des Modells wurde die Anleitung zu POPAN (nach Cooch & White 2011, S. 477ff mit Beispiel) befolgt.

Da die Populationsgrößen in den Untersuchungsjahren teils recht klein waren, konnte für 2009 und 2010 bei getrennter Betrachtung der Geschlechter keine Modell-Konvergenz erreicht werden. Aus diesem Grund sind die Populationsschätzungen für 2010 „unisex'' erstellt, um zumindest eine Näherung zu erreichen. Für 2009 wurde überhaupt keine Populationsschätzung mit den hier genannten Methoden erstellt. Es wird lediglich vergleichend die Zahl der Funde dargestellt.

Nachweis der Ei- und Larvalstadien

Zur Flugzeit wurde in den Jahren 2011 und 2012 das Eiablageverhalten untersucht. Es gelang sowohl Eiablagen nachzuweisen, als auch Eier an geeigneten Stellen zu finden. Das Schema zum Suchen der Eier lässt sich recht eng fassen, jedoch ist der Nachweis der Falter dennoch wahrscheinlicher bzw. mit größerer Sicherheit zu erbringen, als derjenige durch Eier oder Raupenfunde. Zumindest in Jahren, in denen große Windwurfflächen für viele potentielle Ablagestellen sorgen, verteilt sich die Ablage vermutlich auch entsprechend großflächig. Muss sich eine Population auf wenige geeignete Standorte konzentrieren, ist das Auffinden von Eiern sehr viel wahrscheinlicher und somit sicherer zum Nachweis geeignet.

Die Suche beschränkt sich auf offene, möglichst vegetationsfreie Stellen mit entsprechendem Veilchenbestand. An solchen Stellen findet man vor allem auch Veilchen-Keimlinge, die noch sehr klein gerne für die Ablage genutzt werden. Man sucht die Veilchen selbst vor allem auf den Blattunterseiten ab und im nahen Umfeld kleinere Ästchen und trockenes Material, auf dem die Eier oft besser zu erkennen sind. Wichtigstes Merkmal geeigneter Stellen ist die oft starke Besonnung. Ulrich & Caspari (2007) nennen 4h tägliche Besonnung bei voller Belaubung des Waldes als Minimum. Die nachgewiesenen Funde zeigen eine deutliche Präferenz für Standorte, die deutlich länger beschienen sind und praktisch überhaupt keine Bodendeckung aufweisen. Eifunde wurden fotografisch festgehalten und die Bodendeckung grob (nicht nach Arten getrennt) dokumentiert.

Um das Suchschema zu illustrieren sind nachfolgend typische Ablagestellen dargestellt:

Typische Eiablagestelle mit geringer Bodendeckung. Im weiteren Umfeld stehen kaum noch Bäume und die Besonnung ist täglich deutlich > 4h. Das Veilchen im Bild ist schon ein vergleichsweise großes Exemplar. Aufgrund der freiliegenden Spreu erwärmt sich bei Sonneneinstrahlung der Boden hier recht stark. Da die Sukzession normalerweise recht schnell von statten geht, sind Standorte wie dieser in der Regel nur über ein Jahr lang für die Eiablage attraktiv.

Typische Ablagepflanze – Keimlinge wie dieser werden bei der Ablage gerne angenommen. Ebenso findet die Ablage auch an den trockenen Ästchen in der Umgebung statt!

Beobachtung im Luberon (Frankreich) – Die Weibchen betrillern zunächst intensiv den Boden, kriechen dabei teils unter Steine und Astwerk, legen danach an Stellen ab, an denen zum Zeitpunkt der Ablage oft überhaupt keine Veilchen stehen bzw. auf visuelle Art und Weise zu finden sind.

Die Ablage findet oft auch an Stellen statt, an denen überhaupt noch keine Veilchen zu finden sind. Später erscheinen dort jedoch Veilchen-Keimlinge. Wir können davon ausgehen, dass ähnlich dem Schwarzen Apollo (Parnassius mnemosyne) auch der Silberfleck-Perlmuttfalter in der Lage ist, seine Wirtspflanzen geruchssensorisch zu orten (eigene Beobachtungen im Luberon sowie im Mercantour). Das intensive betrillern der Eiablageumgebung mit den Fühlern deutet darauf hin.

Ergebnisse

Populationsentwicklung und –bewertung

 Zunächst sei einmal die zusammenfassende Populationsschätzung der vier Untersuchungs-jahre behandelt und die Anknüpfungspunkte der verschiedenen Einflussgrößen, die bei der Populationsentwicklung eine Rolle gespielt haben könnten.

Tab. 2: Populationsschätzung für die Jahre 2009 bis 2010 mit Angabe eines 95% Konfidenzintervalls und der Standardabweichung. E = Schätzung der Populationsgröße, SA = Standardabweichung, LCI = Unteres Konfidenzintervall, ULI = Oberes Konfidenzintervall.

Jahr

E

SA

LCI

UCI

Bemerkungen

2009

~50*

 

 

 

*) Methodisch nicht wie Folgejahre erfasst. Population leicht größer als 2010.

2010

32,3

3,6

29,0

46,2

Unmittelbar nach dem Sturmereignis Xynthia war die Population auf einem Tiefpunkt.

2011

160,3

 

135,6

220,3

Durch den Windwurf waren in 2010 wieder viele geeignete Eiablagestellen vorhanden.

2011 ♂

114,8

11,4

99,7

146,7

 

2011 ♀

45,5

8,6

35,9

73,5

 

2012

98,6

 

75,5

181,6

Aufgrund der verfügbaren Eiablagehabitate in 2011 war eine „Bestandsexplosion“ erwartet worden. Die klimatischen Einflüsse jedoch ließen 2012 für die meisten Arten zum schlechtesten Falterjahr der letzten Dekaden werden.

2012 ♂

82,5

18,1

62,1

140,8

 

2012 ♀

16,1

4,9

13,4

40,8

 

Basierend auf der Annahme, dass Weibchen in gleicher Zahl schlüpfen wie Männchen und dass deren Nachweis aufgrund ihres Verhaltens schwieriger zu erbringen ist, kann die Populationsschätzung basierend auf derjenigen der Männchen evtl. folgendermaßen präzisiert bzw. auch vereinfacht werden:

Tab. 2: Populationsschätzung für die Jahre 2010 bis 2012 basierend auf Nachweisen von Männchen. Zusätzlich ist hier die Zahl der Begänge des jeweiligen Jahres angegeben. Die Zahl der Begänge weicht in den Jahren hauptsächlich witterungsbedingt ab. Die Methode POPAN berücksichtigt die unterschiedliche Periodenlänge zwischen den einzelnen Begängen.

Jahr

Begänge

Erster Begang

Letzter Begang

S

S (2x ♂)

2010

12

8.5.

10.6.

23

9

32

46

2011

25

20.4.

26.5.

115

45

160

230

2012

19

7.5.

30.5.

83

16

99

165

Vergleichend wurde das Modell für die Jahre 2010 bis 2012 auch „unisex'' gerechnet. In der Größenordnung bestätigen die Ergebnisse obige Zahlen in beiden Varianten. Die Zahlen der Populationsschätzung betrachten wir nicht zuletzt wegen der hohen Wiederfangquote als belastbar.

 

Man kann die Zahlen nun so interpretieren, dass zum einen die Population nach dem Windwurf 2010 deutlich zugenommen hat. Die günstigen Bedingungen, die die Population 2011 zum Zeitpunkt der Eiablage vorfand, wurden höchstwahrscheinlich durch die klimatischen Einflüsse im Winter 2011/2012 überkompensiert, so dass die Population 2012 etwas kleiner war. Dies ist die Analogie zur Bestandsentwicklung bei anderen Tagfalterarten im Jahr 2012.

Verteilung der Anzahl der Wiederfänge in den Jahren 2011 und 2012 je Individuum. Es gibt einen signifikant höheren Anteil an Wiederfängen in 2011, welches das populationsstärkere Jahr war. Als Ursache kommen die ungünstigen Wetterbedingungen in Frage und weiter besteht die Vermutung, dass die Tiere stärker als in 2011 den Lebensraum verlassen haben.

 

Die durch den Wiederfang belegte minimale Lebensdauer bzw. Verweilzeit im Lebensraum weicht ebenfalls signifikant ab. Die Tiere aus 2011 lebten entweder länger oder haben sich länger im Untersuchungsgebiet aufgehalten. Wieder kommen Wettereinflüsse oder das Verlassen des Lebensraumes als Erklärung in Frage.

Kann man die Populationsentwicklung als Beleg für einen sehr positiven Einfluss des Windwurfes werten, so ist der Unterschied zwischen 2011 und 2012 bzgl. Lebensdauer bzw. Verweilzeit im Lebensraum und bei der Anzahl der Wiederfänge schwerer zu erklären. Zu akzeptieren, dass dies einzig die Wetterbedingungen waren, fällt aufgrund von Beobachtungen in der Vergangenheit schwer. Neben der Verfügbarkeit von geeigneten Eiablagestrukturen scheint für den Silberfleck-Perlmuttfalter die Verfügbarkeit von geeigneten Nektarpflanzen von Bedeutung zu sein. Zum einen ist sein Nektarpflanzenspektrum recht beschränkt und weiter sind diese im Warndt auch nicht sehr reichlich vorhanden. An den Fischbacher Stellwegen wurde 2011 beobachtet, dass die gesamte Population von einem Tag auf den anderen das Gebiet verlassen hatte, nachdem der Weg geschoben wurde und der Kriechende Günsel am Wegrand verschwunden war. Ähnliches ist 2012 an den Weiherschwänzen (Fläche K) am sogenannten Hugenottenweg passiert, wo die meisten Nektarpflanzen wuchsen. Da es um die Weiherschwänze herum jedoch alternative Plätze für die Nahrungsaufnahme gibt, ist die Population nicht vollständig ausgewichen. Auffallend war jedoch die sehr viel geringere Verweilzeit insbesondere von frisch geschlüpften Tieren. Dass die Tiere nicht nur innerhalb der Weiherschwänze umgezogen sind, kann ebenfalls als unwahrscheinlich betrachtet werden, denn die Zahl der Wiederfänge war ebenso deutlich geringer. Im Kapitel 3.2 werden weitere Indizien behandelt, die auf einen Fluchtreflex schließen lassen.

Verhalten und Bewegungsmuster, Aufenthaltsorte

Die nachfolgend beschriebenen Verhaltensweisen konnten über den Untersuchungszeitraum im Untersuchungsgebiet beobachtet und basierend auf den Fang-/Wiederfangaufzeichnungen bestätigt werden.

Die Männchen patrouillieren, sofern sie nicht gerade mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind, gerne entlang den Wegstrukturen auf der Suche nach Weibchen und geeigneten Nektarpflanzen. Vielfach verlassen sie auch die Weg- und Saumstrukturen und fliegen direkt durch dichtere Gehölzstrukturen hindurch auf benachbarte Kahlschlagflächen. Oftmals kehren dieselben Tiere dann Minuten später auf demselben Weg zurück. Durch die hohen Wiederfangquoten konnte eine extreme Standorttreue belegt werden. Zwischen den Untersuchungsflächen gibt es nur einen einzigen Beleg eines Austausches zwischen K und der benachbarten Fläche V4 im Jahr 2010. In den populationsstärkeren Jahren 2011 und 2012 konnte kein Austausch belegt werden. Innerhalb der Fläche K bewegen sich die Tiere in einem größeren Radius, jedoch scheint jedes Tier seine Heimat bzw. sein Revier zu kennen, zu dem es immer wieder zurückkehrt. Die Häufung der Wiederfänge an immer wieder den gleichen Stellen je Tier innerhalb der Fläche K ist überaus signifikant. Mit dem Tagesverlauf (Sonnenstand) werden jedoch wie es scheint regelrecht Runden gedreht, bevor das Tier am nächsten Tag wieder mit hoher Wahrscheinlichkeit am selben Ort wie am Tag zuvor und zu ähnlicher Tageszeit erneut beobachtet wird.

 T01 ♂ Wiederfänge 7x links oben, 1x rechts unten - Abstand 200m

 T15 ♂ Wiederfänge = 2x links oben und 5x rechts unten - Abstand 500m. Bei T18 war es genau anders herum. (Aufnahme 2009, © Google Earth)

N02 ♂ hatte seine ''Heimat'' (4 Wiederfänge) oben links. Um die Mittagszeit und kurz danach gab es zwei Wiederfänge (rechte Bildseite) – am späteren Nachmittag wurde er zweimal im linken Bildbereich beobachtet. In seiner Heimat wurde er nur morgens beobachtet. Der maximale Abstand zwischen den Punkten beträgt 600m. Bei R04 ♂ war das Muster ganz ähnlich, der max. Abstand beträgt 850m. Es finden sich viele weitere Beispiele in 2011 und 2012, wenngleich nicht viele Individuen 6 oder mehr Wiederfänge haben.

T21 ♀ - Auch ♀♀ haben bevorzugte Aufenthaltsorte. Die Zahl der Wiederfänge bei Weibchen ist geringer, die dokumentierten Wiederfänge lassen jedoch keinen signifikanten Unterschied zum Patrouillierverhalten der Männchen erkennen.

Eindruck von der Gesamtverteilung aller Fänge in 2010 (magenta) 2011 (blau) und 2012 (gelb). Die Linien sind die jeweiligen Nachweishüllen eines Tieres. 2010 vor dem Windwurf, der in dieser Luftbildaufnahme gut sichtbar ist, konzentrierten sich alle Funde entlang des Weges (magenta Punkte und Nachweishüllen) – in den Jahren 2011 und 2012 wurden die Windwurfflächen und die angrenzenden Wege häufiger frequentiert. Alle Fänge eines Tieres werden konvexe Hüllen, d.h. Polygone erzeugt, die alle Fanglokationen umschließen. In einem solchen Polygon befindliche Funde werden nicht mit einer Linie verbunden. Tiere, die nicht wiedergefangen wurden, haben naturgemäß keine solchen Nachweishüllen. Die benachbarten Flächen außerhalb des Hauptuntersuchungsgebietes sind nur noch sporadisch besetzt. (Luftbildaufnahme Januar 2012)

Wie bereits ausgeführt, konnte bis auf einen einzigen Fall kein Austausch zwischen den Flächen nachgewiesen werden. Dass es dennoch zur Besiedlung von V3 kam (Entfernung 2200m), ist jedoch ein Hinweis darauf, dass es ihn geben muss. In Anbetracht der Ortstreue der meisten Falter und der hohen Quote von Wiederfängen, kann man mutmaßen, dass das Verlassen eines Habitats nicht ohne einen Impuls erfolgt. Solch einen Impuls könnte z.B. beim Beispiel der Fischbacher Stellwege das Schottern des Weges und die damit verbundene Zerstörung von Nektarquellen gewesen sein. Dass Weibchen durchweg weniger oft gefangen werden und deren Verweilzeit in der Fläche ebenfalls sehr viel geringer zu sein scheint, kann ein Indiz dafür sein, dass diese ihren Lebensraum eher verlassen, um nach anderen Lebensräumen zu suchen.

Blütenbesuch

Die meisten Nachweise (Fänge und Wiederfänge) wurden naturgemäß in der Nähe der bevorzugten Saugpflanzen gemacht. Die im Warndt Art-typische Saugpflanze des Silberfleck-Perlmuttfalters ist deutlich der Kriechende Günsel (Ajuga reptans). Reich mit Kriechendem Günsel bestandene Wegsäume werden zu regelrechten Treffpunkten – nicht selten streiten sich einzelne Exemplare um Blüten mit dem Gelbwürfeligen Dickkopffalter (Carterocephalus palaemon), der im Untersuchungsgebiet sehr häufig ist und ebenfalls eine deutliche Vorliebe für diese Saugpflanze hat. Existieren solcherlei Günselbestände nicht mehr in ausreichendem Maße oder werden sie gar während der Flugzeit zerstört, reagiert der Silberfleck-Perlmuttfalter empfindlich und die Individuen verlassen das Gebiet. Alternative Nektarpflanzen werden nur sporadisch besucht – an zweiter Stelle sei der Wald-Hahnenfuß (Ranunculus nemorosus) genannt. Vereinzelt wurden auch Blütenbesuche auf Taraxacum beobachtet. Caspari und Ulrich (2012 unpubliziert) nennen weiter Centaurea sect. jacea/vulgaris - (Gew.) Wiesen-Flockenblume, Cirsium arvense - Acker-Kratzdistel, Lathyrus sylvestris/ latifolius – Gew. Wald-Platterbse/ Breitblättrige Platterbse, Lotus corniculatus - Gew. Hornklee und Ranunculus bulbosus - Knolliger Hahnenfuß.

Eiablage

Eiablagen konnten wir im Kerngebiet während der Jahre 2010 bis 2012 beobachten. Überdies konnten Eier entsprechend dem oben kurz umrissenen Suchschemas gefunden werden. In 2011 war die nachfolgend abgebildete Geländesenke bei der Eiablage sehr beliebt:

In dieser Senke liegt einer der beiden Wasserrinnen, die den Warndtweiher speisen. Normalerweise führen diese kein Wasser. Im trockenen Jahr 2011 war diese von allen Seiten sehr windgeschützte Stelle zur Eiablage sehr beliebt. Es sind Veilchen direkt an der Wasserrinne (grasiger Bereich) belegt worden als auch (klassisch) Veilchen, die über Streu (im vorderen Bereich des Bildes) stehen. Allen Fundstellen gemeinsam sind die sehr geringe Bodendeckung und die fast durchgängige Besonnung. Diese Stelle findet sich direkt angrenzend am Hugenottenweg, der 2011 noch reich mit Kriechendem Günsel bewachsen war.

Die Eifundstellen sind flächenmäßig recht deckungsgleich mit den bevorzugten Falterflugstellen (Männchen und Weibchen). Direkt in den größeren Windwurfflächen fanden wir kein Ei und konnten auch keine Eiablage beobachten. Eine gewisse Bevorzugung von Randstrukturen kann daher vermutet werden. Allen Eiablagestellen gemeinsam ist die relative Kurzlebigkeit des Charakters der Standorte. Es sind da vor allem die Standorte auf Windwurfflächen (insbesondere deren Ränder), die entsprechend der Sukzession unterliegen, zu nennen. Weiter sind typisch Wegesränder und Buchten, wo sich durch besondere Bedingungen, die sich nur kurzzeitig einstellen, gute Larvalhabitate entwickeln. Fallen etwa größere Bäume, so werden Stellen stark besonnt, die bisher kaum Vegetation aufwiesen.

Nur von kurzer Lebensdauer sind solche Larvalhabitate z.B. entlang von Wegen, die beispielsweise durch das Fallen schattenspendender Bäume entstehen. Schon im Folgejahr ist die Vegetation dort meist so stark, dass entsprechend geeignete Veilchen (mit ausreichender Besonnung) hier nicht mehr zu finden sind.

Es schien fast, als sei der Adlerfarn abgestorben (Aufnahme 8. Mai 2011). Die noch nicht entrollten Triebe sind größtenteils abgestorben (vertrocknet). Erst spät im Jahr hatte sich der Adlerfarn hier erholt und bildete mit frischen Wedeln etwas Bodendeckung aus, bevor er 2012 wieder wie üblich wucherte.

Auch klimatische Einflüsse spielen bei der Eignung von Larvalhabitaten eine entscheidende Rolle. In 2011 beispielsweise waren die Monate März bis Mai ausgesprochen trocken und die Vegetation an vielen Stellen sehr lückig, wo sonst starke Bodendeckung zu beobachten war. Möglicherweise ist dies auch eine Falle für die Art, wenn die Wetterbedingungen von Jahr zu Jahr extrem schwanken. Wir konnten in einigen Fällen beobachten, dass Weibchen ihre Eier 2011 in Adlerfarndominanzbeständen (Pteridium aquilinum) ablegten. In einer solchen Fläche waren keine oder kaum noch Triebe zu finden und die trockenen Wedel des Vorjahres verliehen bei starker Sonnenbestrahlung dem Standort ein scheinbar optimales Mikroklima und tatsächlich hatten es einige Veilchen dazwischen geschafft zu überleben. In der Folge wurde diese Fläche als Eiablagehabitat genutzt. Im Laufe des Sommers und im nachfolgenden Frühjahr war die Situation jedoch eine völlig andere – der Adlerfarn bedeckte die Fläche abermals und nahm den Veilchen die Sonne.

Für die Besiedlung neuer – von der Exposition her geeigneter Stellen – hängt maßgeblich von der vorhergehenden Besiedlung dieser Stellen mit Veilchen ab. Wegen der aufgrund Sukzessionsprozessen recht kurzen Dauer, in welcher die Stellen geeignet erscheinen, muss diese Besiedlung schnell erfolgen. Die Samen der Veilchen werden nur etwas von der Pflanze selbst weggeschleudert – diese Ausbreitungsform genügt dafür nicht. Es ist also zwingend erforderlich, dass entsprechend Ameisen – v.a. die Rote Waldameise (Formica rufa) im Habitat in ausreichender Abundanz vorkommt. Denn sowohl die als Wirtspflanze in Frage kommenden Veilchen als auch die Haupt-Nektarpflanze des Silberfleck-Perlmuttfalters, der Kriechende Günsel, nutzen zur Ausbreitung ihrer Samen die Hilfe der Ameisen. Ein nährstoffreiches Anhängsel, ein Elaiosom, dient dabei als Lock- und Nährkörper. Die Ameisen zwicken dieses auf dem Wege zum, vor oder im Bau ab. Der Samen selbst verbleibt dort und durch Abfressen des Elaiosoms wird er überdies meist verletzt und damit die Keimung erleichtert. Das Vorkommen der Roten Waldameise indes ist wiederum besiedeln besonnte Randstrukturen von Laub- und Nadelwäldern – das sind Waldränder, breite lichte Wege und rund um Lichtungen. Durch diesen Zusammenhang wird klar, dass eine Windwurffläche inmitten eines dichten lichtarmen Waldbestandes kaum schon über diese Voraussetzungen verfügen dürfte. Die Besiedlung solcher Flächen ist also auf eine enge Vernetzung mit anderen Flächen angewiesen – erst kommen die Ameisen, mit ihnen die Veilchen und der Kriechende Günsel und erst danach kann der Silberfleck-Perlmuttfalter dort einen Lebensraum finden. Die meisten untersuchten Windwurfflächen im Warndt (nach Xynthia) sind überhaupt nicht oder auffallend wenig von Veilchen besiedelt. Eine Ausnahme bilden die Flächen rund um das Hauptuntersuchungsgebiet – dort gibt es eine große Dichte an Ameisenkolonien und Veilchen findet man ebenso wie Günsel in recht guten Beständen.

Zusammenfassend trifft für alle nachgewiesenen Eiablagen zu, dass der jeweilige Standort kleinräumig nur kurze Zeit einen stabilen und geeigneten Zustand aufweisen dürfte. Das größter Reservoir geeigneter Eiablagestellen dürften die Windwurfflächen selbst bieten, da diese erst noch von Veilchen besiedelt werden müssen und zudem dort viele Standorte noch zu extrem exponiert sein dürften – es seihen beispielsweise die aufgerichteten und gut exponierten Wurzelscheiben zu nennen. Weiters sind mangels Vegetation viele Stellen dort noch nicht windgeschützt. Ob dies ein entscheidender Faktor bei der Standortwahl für die Eiablage ist, konnte nicht überprüft werden. Gewiss ist aber, dass alle nachgewiesenen Eiablagen im Untersuchungsgebiet einen recht guten Windschutz aufwiesen.

Eiablagestellen im Hauptuntersuchungsgebiet dargestellt durch die grünen Rauten. Obschon auf den freien Windwurfflächen nach Eiern gesucht wurde, konnte dort kein Nachweis erbracht werden. Die geschützteren Lagen (vor allem in der oben beschriebenen „Senke“, Abb. 16) waren eindeutig bevorzugt. (Luftbildaufnahme Januar 2012)

Die Angaben von Ulrich & Caspari (2007), wonach eine tägliche Besonnung von mindestens vier Stunden erforderlich ist, werden in allen Fällen bestätigt. Insgesamt wurden mit Schwerpunkt im Jahr 2011 31 Eier gefunden und 12-mal konnte eine Eiablage bzw. der Versuch einer Eiablage beobachtet werden. In den allermeisten Fällen war die Bodendeckung zum Zeitpunkt der Ablage, abgesehen von den Veilchen selbst, nahe dem Wert Null. Die tägliche Sonneneintrahldauer lag an sonnigen Tagen in allen hier nachgewiesenen Fällen sehr deutlich über 4h. Es wird erwartet, dass sich ähnliche Bedingungen nun sukzessive auch auf den Windwurfflächen einstellen und die verfügbaren Larvalhabitate im Umfang bzw. der Verfügbarkeit im Kernuntersuchungs¬gebiet zunehmen. Im Jahr 2012 konnten kaum noch Einachweise erbracht werden (insgesamt nur 3). Die deutliche Veränderung gegenüber 2011 lässt sich nur unzureichend mit der geringeren Abundanz der Falter erklären. Eine gewisse Verteilung in der Fläche kann bei der Wahl der Eiablagestellen vermutet aber nicht bestätigt werden, da dies methodisch nicht ausreichend untersucht wurde.

Die Eiablage selbst erfolgte überwiegend auf der Blattunterseite von Veilchen, in geringerem Umfange (ca. 1/3) auf der Blattoberseite und in einigen Fällen an trockenem Material in der Umgebung von Veilchenkeimlingen.

Ei an Blattunterseite: knapp 2/3 aller Eier fanden sich dort.

Ei an Blattoberseite: knapp 1/3 aller Eier wurden auf der Oberseite abgelegt. In einem Anteil kleiner 5% fanden sich die Eier an trockenem Material in der Umgebung. In einem Falle wurde ein Ei an einem frischen Grashalm abgelegt. Bei Beobachtungen im Luberon war der Anteil der an trockenem Material abgelegten Eiern sehr hoch (> 90%).

Bei der Eiablage gehen die Weibchen allem Anschein nach recht unterschiedlich vor. In vielen Fällen wird die Umgebung intensiv untersucht: Das Weibchen läuft über den Boden, betrillert mit den Fühlern den Boden und die Pflanzen dort, bevor es sich zur Ablage eines Eies „entscheidet''. Es sind aber auch Ablagen beobachtet worden, bei denen das Weibchen einen bestimmten Punkt direkt anflog, dort nur ganz kurz verweilte und sofort ein Ei ablegte. Dass mehrere Eier an einer Stelle vom gleichen Weibchen abgelegt werden, konnte nicht beobachtet werden.

Diskussion und Maßnahmen zum Schutz im Warndt 

Die Ergebnisse der Untersuchung lassen den Schluss zu, dass die Restpopulation des Silberfleck-Perlmuttfalters im Warndt vom Aussterben bedroht ist. Zwar kann in 2011 eine Populationszunahme dokumentiert werden, doch ist dies sicher im Zusammenhang mit den jüngsten Windwurfereignissen zu sehen. Eine Ausbreitung in benachbarte Gebiete fand nicht statt. Im Jahre 2012 ist die Population vermutlich aufgrund witterungsbedingter Einflüsse nicht weiter gewachsen und fiel gegenüber der des Vorjahres zurück. Sollten keine weiteren, (extrem) negativen Einflüsse wirksam werden, so wird sich die Population vermutlich noch einige weitere Jahre halten können, denn es sind noch Larvalhabitate in ausreichendem Maße vorhanden. Da aber weitere Windwürfe wie in bisherigem Umfang nicht mehr zu erwarten sind, ist mittelfristig das Überleben der Population mehr als fraglich. Zwar fehlt es nicht an genügend Fichtenforsten, doch ist fraglich inwiefern diese für erneute Windwürfe anfällig sind. Xynthia hat im Warndt gemäß einer Luftbildauswertung eine Gesamtfläche von ca. 54ha freigestellt – davon wird ca. die Hälfte der Fläche von 8 Flächen > 2ha gebildet. Die größte Windwurffläche ist mit 5,8ha das Gebiet östlich Wolfschneis, welches ca. 2km vom Kernuntersuchungsgebiet entfernt ist.

Verteilung der Windwurfflächen (rot) nach Xynthia im Warndt. Die jüngsten Windwurflächen sind gut verteilt und bieten grundsätzlich eine gute Basis für die Wiederausbreitung des Silberfleck-Perlmuttfalters. Jedoch sind die Flächen voneinander teils durch dichte Altersklassenforste und Straßen getrennt. Das rund 2,5km von K entfernt liegende Untersuchungsgebiet V3 ist über einen breiten Weg zu erreichen. Ähnliches gilt beispielsweise nicht für die größte Windwurffläche östlich Wolfschneis.

Fichtenforste spielen bei der Bestandserhaltung des Silberfleck-Perlmuttfalters im Warndt seit vielen Jahrzehnten eine wichtige Rolle. Waren es zumindest bis in die 80er Jahre hauptsächlich die Kahlschläge in jenen Fichtenforsten, die der Art als Lebensraum dienten, so waren es nach Einstellung des Kahlschlagregimes die Windwürfe die ebenfalls in erster Linie Fichtenforste betrafen. Dieses Muster wird in einigen älteren Vorkommen dokumentiert. Es seien hier exemplarisch einige genannt. Eine Fläche westlich des Petersweihers in Emmersweiler (49°11'15''N 6°50'21''E, ca. 16ha) ist heute dicht mit Fichten bestanden, welche ab Mitte der 60er Jahre nach Kahlschlag der Fläche dort angepflanzt wurden. Dort hielt sich eine Population bis ca. 1973. An der Kräm in Ludweiler (49°11'50''N 6°47'33''E, ca. 30ha) stehen heute noch Reste eines Fichtenforstes, der 2011 teilweise einem Windwurf zum Opfer fiel. Dort muss Ende der 70er Jahre ebenfalls ein Kahlschlag wieder aufgeforstet worden sein. Bis ca. 1984 hielt sich dort eine recht starke Population. Nach Aufforstung konnten die Tiere noch einige Jahre häufig innerhalb der Fichtenschonung beobachtet werden, in der auch reichlich kriechender Günsel wuchs. Eine einzige Population ist mir aus dem Warndt bekannt, die nicht in direkten Zusammenhang mit einem Fichtenforst gebracht werden kann. Es handelt sich um ein Vorkommen, das Anfang der 1980er Jahre im Grohbruchbachtal (49°11'0''N 6°49'48''E) erloschen ist. Diese Stelle bildete gegen Süden zum Grohbruchbachtal einen lichten Waldrand aus, der durch Allee-artig stehende alte Eichen am Wegesrand geprägt ist. Dieser Wegesrand ist auch heute noch relativ blütenreich. Es lässt sich leicht ein Zusammenhang zwischen dem Ende des Kahlschlagregimes und dem Verschwinden des Silberfleck-Perlmuttfalters herstellen. Durch das Ausbleiben von Kahlschlagereignissen und den großen Abständen zwischen den großen Windwürfen wurde seine Population auf immer mehr Flächen zurückgedrängt.

In 2.3 sind die Larvalhabitate bzw. die Ansprüche des Silberfleck-Perlmuttfalters grob beschrieben. Kleinräumig finden sich durch entsprechende Störungen immer wieder geeignete Stellen im gesamten Warndt. Kritisch ist jedoch deren Vernetzung bzw. überhaupt die Dichte geeigneter Ablagestellen in den einzelnen Teilen des Warndts. Da wie es scheint die gesamte Restpopulation im Warndt nun auf die Fläche rund um den Warndtweiher zurückgedrängt ist, während genügend Windwurfflächen in übrigen Teilen des Warndts potenziell geeignete Larvalhabitate in ausreichender Größe darstellen, stellt sich die Frage, ob sich die Population entsprechend wieder ausbreiten kann und langfristig überlebensfähig ist. Der nicht oder kaum vorhandene Austausch zwischen den verschiedenen Untersuchungsflächen zeigt, dass gegenwärtig nicht mit einer Neubesiedlung von Flächen in größerem Umfang auszugehen ist. Somit ist die vermutlich letzte Population des Silberfleck-Perlmuttfalters im Saarland akut gefährdet. Maßnahmen zum Schutz dieser Population und das Ermöglichen einer Wiederausbreitung im Warndt erscheinen dringend geboten.
Grundsätzlich kann man festhalten, dass geeignete Larvalhabitate im Warndt hauptsächlich durch Windwürfe entstanden sind bzw. erhalten wurden. Zusätzlich sind im Zuge der Holzgewinnung teils breitere Wegstrukturen entstanden, wo einerseits entsprechende Veilchen bei ausreichender Besonnung gedeihen und andererseits größere Bestände der Hauptsaugpflanze dem Kriechenden Günsel zu finden sind. Insbesondere die ehemaligen Lagerplätze für geerntete Stämme, die buchtig am Wegesrand gelegen für kurze Zeit dort Lichtinseln schaffen, sind als wichtige Trittsteine bei der Vernetzung der potenziell besiedelbaren Flächen geeignet.

Das Gebiet um den Warndtweiher zeichnet sich durch seinen großen Strukturreichtum aus, der durch wiederholte Windwurfereignisse entstanden ist.

Gebiet um den Warndtweiher – deutlich ist der lückige Waldaufbau, der durch mehrere Windwurfereignisse entstanden ist. Der Wald dort ist stark von einer abwechslungsreichen Altersstruktur der Bäume geprägt. Ehemals dort eingelagerte Fichtenforste sind wie verheilende Wunden (der Windwürfe) aus der Luftbildperspektive zu erkennen – einzelne ältere und teils sehr alte Überhälter (v.a. Eichen) verleihen dem Wald hier einen schönen Schichtaufbau. Störstellen waren über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich vorhanden.

 

Typische Waldstrukturen in anderen Bereichen des Warndts. Es handelt sich in den meisten Fällen um mosaikartig angeordnete Bestände jeweils einer Altersklasse. Eine Strukturierung ist nicht innerhalb der einzelnen Baumbestände, sondern eher zwischen den einzelnen Parzellen erkennbar. Windwurfflächen sind eher kleinflächig und meist sind die Flächen weit voneinander entfernt. Geeignete Larvalhabitate sind dort nicht in ausreichender Dichte und Konstanz zu finden, als dass der Silberfleck-Perlmuttfalter dort stabile Populationen aufbauen könnte. Waldrandstrukturen im Warndt sind in der Regel schwach ausgeprägt – Felder grenzen unmittelbar an hohe Baumbestände und Saumstrukturen sind kaum vorhanden. (Aufnahmen jeweils 2009)

Da nunmehr fast alle größeren Fichtenforste den Windwürfen zum Opfer gefallen sind und andere Störregime, die vergleichbare Strukturen schaffen, nicht existieren, ist die (Über-) Lebensdauer des Standortes rund um den Warndtweiher eng begrenzt. Im folgenden Beispiel ist eine Teilpopulation vermutlich ausgestorben, wahrscheinlich aufgrund der fortschreitenden Sukzession und dem damit verbundenen Verschwinden geeigneter Larvalhabitate.

Gebiet nördlich der Sandgrube Merlebach (49,168N; 6,765E, Google Earth, Aufnahme 2009) – ehemals auch sehr reich strukturiert und von Störungen geprägt war diese Fläche bis 2009 noch vom Silberfleck-Perlmuttfalter gut besiedelt. Inzwischen ist die Population dort höchstwahrscheinlich bereits erloschen (ein einzelner Nachweis aus 2012 ). Das Störungsregime hier war ebenfalls von Windwürfen geprägt und von einer Hochspannungstrasse, die unregelmäßig freigestellt wird. Der Sturm Xynthia hat hier keine weiteren Windwürfe verursacht. Dass der Silberfleck-Perlmuttfalter in diesem Gebiet einen direkten Populationsaustausch zu der Fläche beim Warndtweiher haben könnte, erscheint ausgeschlossen. In der Luftlinie sind 5,6 km zu überbrücken und dazwischen teilt die L165 mit den Ortschaften Lauterbach und Ludweiler den Warndtwald.

Durch das Streifenmuster der Rückegassen (Abb. 16) ist noch deutlich zu erkennen, wo die Windwurfflächen sich befanden. Da durch den letzten Orkan Xynthia dort keine weiteren Flächen geschaffen wurden und zusätzlich die Hochspannungstrasse einer längeren Phase der Sukzession preisgegeben war, sind beinahe alle geeigneten Larvalhabitate verschwunden. Besonders dramatisch ist für den Silberfleck-Perlmuttfalter dabei, dass es die letzte Fläche südlich der L165 ist, die den Warndt in Ost-West-Richtung teilt.

Maßnahmen zum Schutz des Silberfleck-Perlmuttfalters im Warndt sind dringend erforderlich, da die Überlebensfähigkeit einer solch kleinen Population (~ 200 Falter) auf einer solch begrenzten Fläche kaum gegeben sein dürfte. Ohne weitere Kahlschläge wäre ein neuer Orkan (der auch Laubbäume wirft...) wohl die einzige Chance, um den endgültigen Zusammenbruch der nunmehr letzten Population des Silberfleck-Perlmuttfalters im Warndt und damit im Saarland zu vermeiden. Ein verantwortungsbewusster Wald-Naturschutz kann es bei einer solch bedrohten Art, für die das Saarland eine besondere Verantwortung hat, aber nicht dem Zufall überlassen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, wenn diese letzte Population in den nächsten 10 Jahren nicht aussterben soll. Hierzu kommen grundsätzlich alle Maßnahmen in Frage, geeignete Larvalhabitate in ausreichender Dichte und Vernetzung zu schaffen. Das können beispielsweise die verschiedenen Formen der Nieder- und Mittelwaldwirtschaft sein, mosaikartige (kleinflächigere) Kahlschläge oder auch das Verbreitern von Wegen, Kreuzungen und Saumstrukturen. Kahlschläge oder Windwürfe stellen für einen relativ kurzen Zeitraum vergleichsweise große Flächen zur Verfügung, die als Larvalhabitat in Frage kommen. Genauso schnell, wie sich eine Population dort vergrößern kann, kann sie dort auch wieder zusammenbrechen oder ganz verschwinden, da die fortschreitende Sukzession die Lebensbedingungen schnell wieder verschlechtert. Es muss daher in erster Linie darum gehen, ein Nutzungsregime zu fördern, welches kontinuierlich entsprechende Standorte schafft, erhält und miteinander vernetzt. Es liegt daher nahe, das Wegenetz in die Betrachtung möglicher Maßnahmen mit einzubeziehen.

An den Fischbacher Stellwegen beispielsweise haben über Jahre hinweg die Auswirkungen einer früheren Verlegung einer Gasleitung einer kleinen Population das Überleben ermöglicht. Durch die Verlegung der Gasleitung wurde der Weg bzw. die von der Sonne beschienene Schneise deutlich verbreitert. Direkt am Wegesrand und teilweise auch auf dem Weg fanden sich daher geeignete Veilchenbestände mit ausreichender Besonnung. Zusätzlich hat sich der Kriechende Günsel dort gut ausbreiten können. Die Population ist im Zuge der fortschreitenden Sukzession immer schwächer geworden und 2010 ist sie von einem Tag auf den anderen scheinbar komplett verschwunden, nachdem der Weg geschoben und neu geschottert wurde. Der wenn auch noch so schmale Streifen von geeigneten Wirtspflanzen entlang des Weges und die Hauptsaugpflanze waren von einem Tag auf den anderen verschwunden. Eine Wiederbesiedlung der Fischbacher Stellwege fand in den Jahren 2011 und 2012 nicht statt. Ein ähnliches Beispiel konnte direkt am Warndtweiher beobachtet werden – dort ist der sogenannte Hugenottenweg neu geschottert und verbreitert worden. Der Silberfleck-Perlmuttfalter mied daraufhin große Teile des Weges, denn es waren kaum noch Saugpflanzen und Eiablagestrukturen vorhanden. Dies wird sich jedoch in den Folgejahren ins Gegenteil kehren, wenn der Günsel dort nachgewachsen ist und die Verbreiterung des Weges (inkl. Entfernung von Bäumen am Rand) neue Bereiche für die Larvalentwicklung geschaffen hat.

Die Implementierung eines entsprechend Störregimes entlang eines Wegenetzes im Warndt erscheint recht sinnvoll und hätte durch den zusätzlichen Effekt der Vernetzung mit sowieso vorhandenen potenziellen Larvalhabitaten einen entsprechend positiven Einfluss. Bei diesen Überlegungen sollten weitere Zielarten – in diesem Falle Lichtwaldarten – berücksichtigt werden. Bei den Schmetterlingen sind in erster Linie der ebenfalls stark gefährdete Braune Eichenzipfelfalter (Satyrium ilicis) zu nennen. Der Braune Eichenzipfelfalter bildet im Saarland nur noch eine stabile Metapopulation im Warndt mit Schwerpunkt um den Warndtweiher aus, während er in allen anderen Gebieten des Saarlandes verschwunden zu sein scheint. Ein ähnliches Larvalhabitat wie der Silberfleck-Perlmuttfalter nutzt auch der Feurige Perlmuttfalter (Argynnis adippe), welcher ebenfalls als Lichtwaldart betrachtet werden muss. Auch einige schöne Nachtfalter sind an Schlagfluren bzw. lichte Waldstrukturen gebunden – hier seien der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria) – eine FFH-Art – der Wegerichbär (Parasemia plantaginis) und der Schönbär (Callimorpha dominula) exemparisch genannt. Alle diese Arten kommen rund um den Warndtweiher noch in guter Abundanz vor und profitieren wie der reichen Struktur und den lichten Stellen des Waldes dort. Die Verbreiterung solcher Wege sollte so geschehen, dass sonnenbeschienene Saumstrukturen entstehen – eine Nutzung zur Zwischenlagerung von Holzstämmen bietet sich zusätzlich an, denn nach dem Entfernen der Stämme entstehen kurzfristig freie Bodenstellen. Diese sind für einen kurzen Zeitraum sehr gute Larvalhabitate und mittelfristig können sie für eine reiche Versorgung mit Saugpflanzen sorgen. Weiter sind breitere Rückegassen und vereinzelt mosaikartige kleine „Kahlschlagflächen'' sicher hilfreich. Dabei sind Kahlschlagflächen im üblichen Sinn (großflächig) sicher ebenfalls hilfreich für das Überleben einer Population, jedoch auch wenig nachhaltig, da sie nur über einen relativ kurzen Zeitraum geeignete Larvalhabitate zur Verfügung stellen. Breite Wege, die noch dazu einem regelmäßigen Störmanagement ausgesetzt sind, bieten über einen längeren Zeitraum geeignete Larvalhabitate, sind aber gleichsam sehr empfindlich da sie direkt auch zu Fallen für eine ganze Population werden können (Schieben und Schottern der letzten geeigneten Larvalhabitate entlang eines Weges, Mulchen, ...).

Dadurch, dass fast das ganze Jahr hindurch sich in den Larvalhabitaten entweder Raupen oder Eier befinden, ist eine Störung in gut besetzten Lebensräumen als sehr kritisch zu bewerten, während die gleiche Maßnahme an Stellen, die nicht besetzt sind, in den Folgejahren die Ausbreitung der Art begünstigen kann.

Einmal verbreiterte Wege tendieren insbesondere bei zu starker Eutrophierung zu rascher Sukzession und geeignete Larvalhabitate sind dort schnell mit Brennnesseln überwachsen. Und auch grundsätzlich stellt sich die Frage, wie solche Wege offen und als Larvalhabitat attraktiv gehalten werden können. Ein möglicher Ansatz wäre eine streifenweise Nutzung als Niederwald entlang des Weges. Die Nutzung könnte vorwiegend – weil direkt am Wege gelegen – für die individuelle Brennholzgewinnung erfolgen. Es würde sich so evtl. ein relativ sanftes Störregime etablieren lassen, das für eine konstante Versorgung mit geeigneten Larvalhabitatpatches sorgt. Der zusätzliche Nährstoffaustrag in diesen Randstrukturen hätte weiter zur Folge, dass sich entsprechend als Saugpflanzen geeignete Blütenpflanzen stärker etablieren könnten. An der Gasleitung an den Fischbacher Stellwegen ist eine regelmäßige Freistellung sowieso erforderlich – dies könnte Abschnittsweise und häufiger geschehen, um regelmäßiger geeignete Larvalhabitate zur Verfügung zu stellen.

Ausgehend vom Kernuntersuchungsgebiet könnte ein Netz verbreiterter Wege mit einem entsprechenden Störregime das Aussterben der Population wahrscheinlich verhindern. Es würden neben den neu geschaffenen Larvalhabitaten auch neue bereits bestehende geeignete Flächen erschlossen, die bisher nicht besiedelt waren. Es handelt sich dabei hauptsächlich um die neu entstandenen Windwurfflächen.

 

Ausgehend vom Kernuntersuchungsgebiet (rechte Bildhälfte) könnte eine gute Vernetzung der geeigneten Flächen (eingezeichnete Windwurfflächen rot) durch verbreiterte Wegtrassen (weiß) erreicht werden. Gegenwärtig noch besiedelte und ehemals besiedelte Flächen wären zu einem Verbund zusammengefasst. Der Braune Eichenzipfelfalter und andere Lichtwaldarten könnten ebenfalls von einem solchen Netz lichter Wegränder profitieren. Der Hugenottenweg sowie der Weg nördlich des Warndtweihers könnten hier ausgespart werden, das sie bereits jetzt den Ansprüchen genügen und weitere Störungen im Bereich der wichtigsten Saugpflanzenvorkommen vermieden werden sollten.

Als weitere Maßnahme zur Unterstützung der Population im Warndt kommt auch eine Wiederansiedlung auf benachbarten Kahlschlagflächen in Frage. Da die Größe der Population am Warndtweiher entsprechend notwendige Entnahmen kaum gut verkraften würde, müssten die Tier von anderen Standorten entnommen werden. Daher ist eine entsprechende Vernetzung der geeigneten Standorte durch Offenhaltung der Wege dazwischen sicher nachhaltiger.

Kahlschläge kommen grundsätzlich ebenfalls als wirkungsvolle Maßnahme in Frage. Solche temporären Blößen sind der Lebensraum vieler licht- und wärmebedürftiger Waldarten wie beispielsweise der Braune Eichenzipfelfalter (Satyrium ilicis), die Waldeidechse (Zootoca vivipara), Baumpieper (Anthus trivialis), Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) und die Arten der Schlagflora. Das Zulassen der Entnahme von kleinen Baumgruppen, zum Beispiel in der Form von Femelhieben, ist aus diesen Gründen je nach den örtlichen Gegebenheiten positiv zu werten. Die Flächen sollten aber nicht Größen erreichen, bei denen die bekannten Probleme der Veränderung von Kleinklima und Boden bedeutsam werden (Güthler, Market, Häusler, Dolek 2003). Im Falle des Blauschillernden Eisvogels (Limenitis reducta) werden minimale Kahlschlagflächen von mindestens 2-3 Hektar angegeben (Hermann 2012). Immer eine entsprechende Vernetzung vorausgesetzt, dürfte diese Flächengröße beim Silberfleck-Perlmuttfalter geringer ausfallen. Schon bei Freistellungsflächen von 30-40m ergeben sich ohne weiteres geeignete Eiablagehabitate. Wälder, die durch Femelschlagverfahren zur Schaffung von Naturwaldbiotopen entstehen, entsprechen wohl dem Ursprungstyp der Wälder am ehesten, da zeitbegrenzt Waldlichtungen mit ihrer besonderen Artenvielfalt entstehen (Heydmann 1982 zitiert in Güthler, Market, Häusler, Dolek 2003). Breitere Rückegassen (> 5m) können bei entsprechender Exposition und abhängig von der Wuchshöhe des angrenzenden Bestandes ebenfalls ausreichend sein. Der im Warndt einstmals vorkommende Ziegenmelker bewohnt „Lichtungen, Schneisen, Kahlschläge und Wege mit sandig-steinigem und mehr oder weniger kurz bewachsenem Boden in Wald- und Buschbeständen trockener und sonniger Gegenden.'' Glutz von Boltzheim (1962). Solche Bedingungen fand der Ziegenmelker im Warndt im Zuge der intensiven Nutzung der Wälder (u.a. Kahlschläge durch Glashütten) auf ärmsten Böden. In der Handlungsempfehlung Vertragsnaturschutz im Wald heißt es „Die Einschränkung von Kahlschlägen (Saarland) oder auch nur der Hiebsart (Bayern) als Maßnahme für den Vertragsnaturschutz im Wald kann nicht empfohlen werden. Gegen eine Aufnahme in Vertragsnaturschutzprogramme spricht bereits die aktuelle Rechtslage.'' (Güthler, Market, Häusler, Dolek 2003). Genauso wenig werden aber Kahlschläge als solches und als aktive Maßnahme für den Naturschutz wegen der bekannten negativen Auswirkungen in dieser Arbeit empfohlen. Kleinflächige Kahlschläge jedoch – zumal für den Silberfleck-Perlmuttfalter und viele weitere unsere sogenannten Lichtwaldarten ausreichend – stellen einen guten Kompromiss dar, für den man in der Öffentlichkeit allerdings um Akzeptanz werben müsste. Die Schönheit, reich strukturierter und in Altersstruktur abwechslungsreicher Wälder ist hier jedoch ein starkes Argument. Kleinflächige Kahlschläge sind im Wesen nicht unähnlich dem Zustand, den Megaherbivoren und Bieber in unseren Wäldern einst geschaffen haben – man kann daher zur Diskussion stellen, ob diese Art der Bewirtschaftung in Teilen nicht gar naturnäher ist, als die im Saarländischen Waldkodex so kategorisch geforderten Grundsätze „Kahlschlag vermeiden'' und „Wald vor Wild''. Sind doch inzwischen sowohl die großen Pflanzenfresser als auch die Bieber weitgehend zurückgedrängt. Es sind jedoch gerade diese Störeinflüsse, die eine große Biodiversität im Wald fördern. Ein weiterer Grundsatz im Saarländischen Waldkodex „Für ungehinderten Zugang des Waldes durch Pflege und Instandsetzen der Waldwege sorgen'' kann sowohl der Biodiversität sehr förderlich sein, indem breite lichte Wege geschaffen werden, die die Lebensräume der Lichtwaldarten bilden und verbinden. Es kann jedoch auch in der Auslegung der „Verkehrssicherungspflicht'' dazu führen, dass wertvolles Altholz und Totholz vernichtet wird oder auch wichtige Nahrungspflanzen zur Unzeit weggemulcht werden. Während zur Brutzeit kein einziger Baum gefällt werden darf, gibt es für die Behandlung der Lebensräume gefährdeter Schmetterlinge kaum eine Regel. Es bedarf daher immer einer kritischen Betrachtung der jeweiligen Situation. Das mähen/mulchen von Wegsäumen im Mai oder auch das Schieben und Schottern der Wege um diese Zeit hätte für den Silberfleck-Perlmuttfalter beispielsweise fatale Folgen.

Literatur

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Weidemann, H. J. (1995): Tagfalter: Beobachten, bestimmen. 2. Aufl. – Naturbuch-Verlag, Augsburg.

Aktuelle Karte

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Rot umrandete Flächen: Untersuchungsgebiete K, V1..V5 sowie die aktuellen Windwurfflächen.

Blau umrandete Flächen: Fichtenforste

Gelbe Punkte: Nachweise 2012

Blaue Punkte: Nachweise 2011

Magenta Punkte: Nachweise 2010

Rote Rauten: Eiablage/Eifund

Weiße Linien: erforderliches Netzwerk von Wegen, die offen gehalten werden müssten (als Sofortmaßnahme)

Bestandserfassung von Satyrium ilicis
Boloria euphrosyne MRR 2012

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