Schmetterlingsforum - Blog und Austauschplatform

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Brief aus St. Nikolaus

„Briefe aus dem Warndt" sollen hier in lockerer Folge von den Leuten, der Landschaft und von den Dingen jenseits der Schmetterlinge im Warndt berichten. Der Warndt fristet touristisch wie auch sonst ein Schattendasein (teils sogar im Wortsinn) - da kann ein wenig Spaß nicht schaden. Dabei ist das nun Folgende bitte nicht im Wortsinne zu lesen und zu verstehen. Es werden Wahrheiten wiedergegeben, die aber nicht sofort erkennbar sind und dann sind da auch Dinge geschrieben, die so ganz und gar nicht stimmen können. Auf der Liste der Wahrheitsergänzungsmittel stehen u.a. Sarkasmus und provokante Lügen. Das muss ein jeder selbst für sich rausfinden. Auch sei davor gewarnt: Die Texte sind für Nicht-Warndt-Insider kaum auf Anhieb zu verstehen und richten sich hauptsächlich an die Eingeborenen.

StNikolausPostkarteDer Ort St. Nikolaus ist sehr idyllisch im waldreichen Warndt gelegen. Neben seinem St. Nikolaus-Postamt ist es vor allem durch die Bergbautradition in der Region geprägt. Viele sehr schöne Wanderwege (u.a. Warndt-Wald-Weg) kreuzen hier und gegen eine Einkehr im Blockhaus kann der Wanderer nichts einwenden. Der malerisch gelegene St. Nikolaus-Weiher als Ökosystem hat leider mit einer großen Nährstofffracht aus der Kläranlage zu kämpfen.

Die Reihe "Briefe aus dem Warndt" möchte ich mit einem Streifzug durch St. Nikolaus beginnen. Es gibt da allerhand interessantes und geheimnisvolles, was sich dem Durchreisenden nicht auf Anhieb erschließt.

Die Geschichte von St. Nikolaus beginnt schon im Jahre 1270. Die im Warndtwald jagenden (was sonst?) Grafen von Nassau-Saarbrücken bauen im Warndt eine Kapelle, die dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der ... äh ... da muss man weiter ausholen.

Nikolaus ist unter anderem (!!!) der Schutzpatron von Völkern wie Russen, Kroaten und Serben, von Regionen wie Süditalien (Bari) und Lothringen, von Berufen wie Seefahrer, Kaufmann und Bäcker, aber auch der Schüler, Ministranten (sic!) und Kinder. Wegen seines Patronats der Seefahrer und Händler wurde er von der Deutschen Hanse und vielen darin organisierten Städten als Schutzheiliger gewählt. Die zahlreichen Legenden führten dazu, dass der heilige Nikolaus von vielen weiteren Gruppen als Schutzheiliger auserwählt wurde, so von Studenten, Getreidehändlern, Pfandleihern, Juristen, Apothekern, Schneidern, Küfern, Fuhrleuten, Salzsiedern, Gefängniswärtern, Dreschern, Henkern... Selbst die Metzger machten den Heiligen – wegen der Scholaren im Pökelfass – zu ihrem Patron. Aus dem Schutzpatronat der Kinder leitet sich das heutige Brauchtum ab. Die Nassauer indes sahen in ihm eher den Schutzpatron der Jäger, der Familien der Jäger, der Jagd selbst und überhaupt. Der im Brauchtum meist beigestellte „Knecht Ruprecht" war in diesem Sinne seither im Warndt so was wie ein Jagdgehilfe mit adäquat ungehobelten Manieren. Zumindest kann ich wegen meinen Kindheitserinnerungen und später geknüpften Kontakten in Dunstkreise der Jägerschaft den Anfangsverdacht dieses Zusammenhanges nicht ganz ablegen. Wie die um 1270 gebaute Kapelle danach zum Wallfahrtsziel geworden ist, wird nicht überliefert – die Jagd jedenfalls war bereits seinerzeit besitzständig und wurde nur ungern geteilt. Bestimmt hat es mit der verhängnisvollen Wahl des Schutzpatrons zu tun.

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Die alljährliche Anreise des Nikolaus erfolgt natürlich mit der Draisine! Da die Schienen aber nicht nach St. Nikolaus, sondern Karlsbrunn führen, muss unser Schutzpatron noch ein Stückchen zu Fuß laufen.

Die weitere Entwicklung des Örtchens St. Nikolaus, das mit der Kapelle seine Keimzelle gefunden hatte, konnten die Nassauer Grafen natürlich nicht vorhersehen. Die Schutzpatronatswahl sorgt bis in heutige Zeit für gleichbleibend hohen Absatz an Stempelkissen, falschen Bärten und Post-Playmobil Spielsachen mitsamt den ganzen Sonderbriefmarken. Auch das völlig sinnentleerte Abstempeln sonst nie geschriebener Briefe und Postkarten wird in gleichbleibender Konsequenz und Intensität weiter betrieben. Ich selbst drucke meine Briefmarken inzwischen aus – das ist dann ein hübscher Barcode zum selber ausschneiden und aufkleben. Man kann inzwischen auch eigene Bilder in diese Briefmarken mit einbauen (Helmut Kohl, Fragezeichen, Nikoläuse, Jäger, Osterhasen oder Playmates sind nur einige Ideen).

NikolausBlindfoldedNikolaus bei der Arbeit. Noch 3784 mal Stempeln, heissa dann ist Feierabend.

An Originalität wird man aber auch damit nicht an die handgestempelten Nikolaus-Postkarten aus St. Nikolaus heranreichen. Eine vorweihnachtliche Pilgerfahrt zum bärtigen Herren in Violett ist also eine lohnende, zumal ganz nebenbei Naturschönheiten von St. Nikolaus bewundert werden können – und hier beginnt nun der eigentliche Brief aus St. Nikolaus.

Unsere Wanderschaft beginnen wir am Ortsausgang Karlsbrunn in Richtung St. Nikolaus. Dort kann man gut parken und am dortigen Tierpark kann man schon mal ein Bier ziehen, sofern die Schlange nicht zu lange ist. Hier befindet sich – wie wir noch lernen werden – die St. Nikolaus lebensspendende Kläranlage, welche in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts sicher einmal als sehr modern gegolten hätte. Sie wurde aber später erst gebaut und inzwischen hat sie ihre vorgesehene Nutzungsdauer deutlich überschritten. Heute ist sie zudem der einzige Zufluss zum sonst längst versiegten Nikolausbach mit etwas Wasser und vielen Nährstoffen. Der weiter bachabwärts gelegene St. Nikolausweiher in St. Nikolaus wird ausschließlich von diesem Bächlein versorgt und seine Existenz ist somit natürlich völlig von der Kläranlage abhängig. Die baldige Stilllegung der anthropogenen Bachquelle versetzte die Region bereits in helle Aufregung. Ein Silberstreif am Horizont ist derweil die Stilllegung der Bergwerke und das damit einhergehende Abschalten der Pumpen. Durch den Anstieg des Grundwassers im Warndt könnte der Nikolausbach wieder Wasser bekommen. Zusätzlich bedarf es wohl Entlastungsbrunnen im Ortskern von Karlsbrunn, die den Bach mit 5 Liter Wasser pro Sekunde versorgen sollen. Folgen wir aber zunächst dem heutigen Lauf des lebensspendenden (weil so nährstoffreichen) Nikolausbaches. Am Wegesrand parallel zum Bach findet sich gleich zu Beginn eine bemerkenswert alte Fichte (Stammdurchmesser knapp 1,5 m).

Die beste Zeit für eine Wanderung durch das Tal ist der Winter, der Frühfrühling oder der Spätspätherbst. Im Sommer teilt man sich den Weg mit einer Heerschaar blutsaugender Insekten und muss sich überdies mit einer gewissen Beleidigung des Geruchssinnes abfinden. Andererseits kann man nur im Sommer die herrliche Algenblüte auf dem Nikolausweiher bewundern. An einem sonnenreichen Tag ist das quitschgrüne Wasser ein majestätischer Farbtupfer vor einem ansonsten weitgehend naturnahen Waldpanorama – es ist das Bild, welches man auf zahlreichen Postkarten des Ortes bewundern kann. Doch – wir sind ja zum Briefmarkenstempeln da und es ist Winter! Also vorher die Sommerpostkarten vom grünen See kaufen und dann vom Nikolaus abstempeln lassen.

Wir folgen dem Bachlauf und bevor wir den Nikolausweiher erspähen, sehen wir eine Staffellage natürlich wirkender Sickerbecken, in denen zur Vegetationsperiode das Ergebnis des über die Maßen lebensspendenden Nährstoffeintrages zu bewundern ist.

IMG_6699Zwei der drei Sinkbecken, die im Sommer vielen Stechmücken ein nährstoffreiches Paradies bieten.

Angeblich sollen hier die größten Faulschlammablagerungen und somit Methanvorräte südlich des Polarkreises und außerhalb der Meere lagern. Das stimmt aber nicht, denn diese sind weiter unten im Nikolausweiher selbst zu finden. Als Kinder schon wussten wir, dass wir kein Feuerzeug an einen gefangenen Karpfen oder eine Karausche halten dürfen. Dass mein Schulfreund das trotzdem tat und mir die explodierenden Fische gezeigt hat, kann ich ihm heute endlich verzeihen. Die Idee, seine Experimente könnten Extremisten zu Selbstmordanschlägen mit Sprengstoffgürteln animiert haben, habe ich schließlich auch verworfen.

Auf etwa der gleichen Höhe der Sinkbecken finden wir ein kurioses Vogelhäuschen.

IMG_6706Deutlich sind noch die Symbole der Vergangenheit zu erkennen. Die christliche Absicht des Erbauers und die Zeichen der Umnutzung durch die Vögel (wir sehen ein Leuchtherz am Eingang!). Das Etablissement ist inzwischen geschlossen. Es befindet sich noch eine kleine Nikolaus(?)-Statue darinnen...

Es sollten wohl nur christliche bzw. katholische Vögel dort einziehen – zumindest lässt das angebrachte Kreuz diese Absicht des Erbauers erahnen. Das scheint aber nicht ganz funktioniert zu haben und man kann mutmaßen, dass die Vögel dort ein gänzlich unchristliches Treiben offenbart haben. Wohl deshalb wurde das Haus mit einem Drahtgitter verschlossen. Ein aus Draht hergestelltes Herz am Eingang mitsamt einem kleinen Kerzenständer ist verwitterter Zeuge eines einst lustvolleren Treibens in diesem Hause, das von der Sitte in den 1960er Jahre geschlossen wurde. Da Vögeln in den Folgejahren wieder gesellschaftsfähig wurde und die katholische Kirche inoffiziell etwas weltoffener wurde, war weiter kein Bedarf mehr, das doch eher versteckt liegende Häuschen in späteren Jahren neu zu beleben. Das Vögelhäuschen (sic!) ist also ein Zeitzeugnis, das sich dem flüchtigen Wanderer ohne weitere Erläuterung leider nicht unmittelbar erschließt und wie sie der Warndt in großer Zahl verbirgt.

Schließlich erreichen wir die Ufer des Nikolausweihers, der von reichen Schilf- und Rohrkolbenbeständen umgeben ist – zumindest dort wo „Unser Dorf soll schöner werden" nichts dagegen hat.

IMG_6710Dies ist der Blick vom Weg auf den Weiher. Eine Weile wird man noch Wasser sehen, bis die vor einigen Jahren direkt am Gewässerrand gepflanzten Erlen groß genug sind. Vielleicht vorher schon muss man aber den Weg verlassen, denn dort...

IMG_6707... hat man den nächsten Sichtriegel gepflanzt. Nachdem man lange Zeit durch einen sehr dunklen Wald gelaufen ist, ist zu viel Licht auch gar nicht gesund... Als ich dieses Foto schoss, wurde ich zunächst von drei vielleicht dreizehnjährigen "aufgefordert", ein Foto von ihnen zu machen. Da ich diesem Ansinnen nicht nachkam und auch weiter keinen Kommentar verlor, hat man mich dann mehrfach als Wichser beschimpft. Mädels Mädels... so überfressene (!) frühreife Östrogenfässer wie ihr es seid, seid mal lieb froh, dass ich KEINE Fotos gemacht habe, sonst wären die nun hier veröffentlicht...

Um einen unverbauten Blick zum Wasser zu haben, gibt es einen flach angelegten „Strand", der mit Gras bewachsen ist, welches natürlich regelmäßig gemäht werden muss. Letztmalig 1830 muss es noch Hochwassersituationen am Weiher gegeben haben, über welche sich Graskarpfen freuen konnten. Heute freuen sich über den nun reichlich anfallenden Grasschnitt (wer mäht das eigentlich?) die Unser-Dorf-Soll-Schöner-Werden-Bäumchen, welche damit gemulcht werden. Die Bäumchen unterschiedlicher Herkunft (...) finden sich inzwischen in einem mehr oder weniger dichten Hindernisparcour links und rechts des Weges. Das tun sie bestimmt und zumindest so lange, bis sie den Blick auf das Wasser (völlig unvorhergesehener Weise) wieder versperren. Da es im Warndt kaum Bäume gibt (...) und allerorts ein weiter Blick in die umgebende Landschaft möglich ist (oder etwa nicht?), ist der Drang, Bäumchen zu pflanzen, auch durchaus verständlich. Was ich aber schon nicht mehr verstehe, ist, wie wird in diesem Hindernisparcour denn nun das Gras effizient gemäht? Ich beschloss daher, den Dorfverschönerern in St. Nikolaus auf die Spur zu kommen und erinnere mich an eine eigentlich notwendige, aber nicht installierte Straßensperre wegen einer Pflegeaktion an einer Böschung am Ortseingang von St. Nikolaus... Obwohl am unmittelbaren Straßenrand im Beschleunigungsbereich am Ortsausgang gelegen (viele Einheimische haben hier schon so um die 90 kmh drauf), kam es trotz der fehlenden Sicherheitsvorkehrung (wie etwa Warndreieck) zu keinen tödlichen Unfällen.

IMG_6714Pflegemaßnahmen an dieser Böschung sind lebensgefährlich, wenn das Hinterteil auf die Straße ragt. Ehrlich! Beim nächsten Mal bitte mindestens ein Warndreieck aufstellen - nicht jeder fährt wie ich hier nur 50 km/h. Im Vergleich zum Emmersweiler Rondell ist die Installation aber durchaus gelungen und beleidigt nicht so sehr das Auge.

Zwar sieht man der Böschung nach einem harten Winter die Pflegebemühungen nicht mehr wirklich an, doch ist das kalksteinerne Nikolausmonument untrüglicher Zeuge von viel Schweiß und Herzblut. Einige wenige Rhododendren kamen mit der schattigen Lage und dem rauhen Klima klar und zieren zusammen mit anderen leider nicht mehr erkennbaren Pflänzchen die Umgebung des "Ortseingangs-Nikolausis".

Aber bevor wir uns im Einzelnen mit diesem Ortsverschönerungs-Trupp beschäftigen, setzen wir unsere Wanderung fort. Auf der rechten Seite ziehen wir am „Blockhaus" vorbei (vorbei!). Das Blockhaus war und ist die kulinarische Hochburg im Westen von St. Nikolaus. Heute bekommt man dort die viel geschätzten XXXL-Burger und XXXL-Schnitzel (siehe hierzu auch die Klima-Bilanz des Schnitzels), welche aus mehreren Fleischlappen in einem aufwändigen Verfahren zusammengefügt werden. Vorbei ziehen wir, weil wir unsere Wanderung ja erst vor ca. 1 km an der Kläranlage begonnen haben, was geruchssensorisch noch in Erinnerung sein dürfte. Wer im Blockhaus einkehren möchte, um beispielsweise einen XXXL-Burger zu vertilgen, sollte die Wanderung doch eher in Metz beginnen, um einen entsprechenden Appetit aufzubauen. Ein Bier geht natürlich schon nach 1 km, sofern man nicht schon im Tierpark zugeschlagen hat – das ist eh klar, weil Bier immer geht und weniger Kalorien hat als Wein. Evtl. sollte man auch 2-10 Bier hier trinken, denn die weitere Wanderung führt uns dem Nikolausbach folgend nach Emmersweiler und dort in Emmersweiler sucht man vergeblich nach Bier, Wein und dergleichen; evtl. kann aber nach Voranmeldung bei mir zu Hause ein Bier genossen werden. Alternativ kann man die Wanderung natürlich auch in Emmersweiler beginnen, um das Bier schon getrunken zu haben, bevor man sich auf den Weg zur Kläranlage macht. Wir aber bleiben im Plan, ziehen am Blockhaus vorbei Richtung Emmersweiler. Vom Nikolausbach müssen wir uns leider vorübergehend verabschieden, denn aus einst zwingend logisch erscheinenden Gründen hat man den Bach in ein Rohr verlegt. Wir werfen einen letzten Blick auf den Weiher und erspähen ein kleines Rohr in der Mitte – dieses spritzt im Sommer, wenn die farbenprächtige Algenblüte das Bild verzaubert, kleinere Mengen Wasser in die Luft. Dadurch verbindet sich etwas Sauerstoff mit dem Wasser, was den Karpfen das Überleben ermöglichen soll. Da diese aber längst einen Methan-basierten Stoffwechsel haben, ist die Maßnahme vermutlich heute nicht mehr nötig. Trotzdem ist es natürlich schön anzusehen und ich fühle mich entfernt an den Genfer See erinnert...

Es geht nun an der ehemaligen Mühle vorbei – im vorletzten Jahrhundert, bevor der Bergbau an Einfluss gewann, musste das Getreide noch in der Region angebaut und auch dort gemahlen werden. Auch war noch genügend Wasser im Nikolausbach und ganz ohne zusätzliche Fäkalieneinleitungen ließ sich das Mühlrad antreiben. Hinter der ehemaligen Mühle erinnern auf einer Anhöhe stehend zwei Kreuze aus der Mitte des vorvorherigen (sic!) Jahrhunderts an ehemalige St. Nikolauser Bürger – Georges Bläse und Margaretha Mäyer. Nicht, dass deren Gebeine dort begraben wären – nein diese sind mitsamt ihren Besitzern noch zu Lebzeiten nach Amerika ausgewandert. Das Schild, welches auf die Kreuze aufmerksam macht, reflektiert die letzte Jahrhundertwende insofern nicht, weil es vorher aufgestellt wurde.

IMG_6712Kreuze zur Ehre Gottes in St. Nikolaus. Man wird den Verdacht nicht los, die beiden Amerika-Auswanderer haben die Kreuze auch als sichtbares Zeichen ihrer Absicht, nie wieder nach St. Nikolaus zurückzukehren, hier aufrichten lassen.

IMG_6711Weshalb Auswanderer zu Ehren Gottes vor dem Auswandern Kreuze aufstellen, ist nicht ganz leicht eingängig. Verlässt ein Katholik die Kirche, so werden die Totenglocken geläutet.

Die weiteren Abschnitte der Wanderung werden wir in den folgenden Briefen aus dem Warndt kennen lernen. Wenden wir uns noch einmal dem Dorfschönermachern zu. Meine Recherchen ergeben, dass es sich um den Verkehrs- und Verschönerungsverein St. Nikolaus handelt, den es schon seit 1969 gibt. Was mich fasziniert, ist die Tatsache, dass sich (nicht nur in St. Nikolaus) die Energie der Verschönerungsvereine fast ausschließlich auf Blumenkübel und Bäumchenpflanzungen neben diversen kleinstgärtnerischen Pflegemaßnahmen beispielsweise an Straßenböschungen oder rund um Grabsteine konzentriert. All das passiert überdies völlig losgelöst von Landschaftspflegeplänen und –konzepten. Ich erahne, dass diese Vereine Nachwuchssorgen haben müssen – wird doch vor den Lohn des befriedigenden Bäumchenpflanzens das weit weniger befriedigende, dafür umso mühsamere Ausreißen und Entfernen vorhandener Vegetation gesetzt.

Während Landschaftspflegevereine mit aufwändigen Beweidungsprojekten und ähnlichem der Landschaft im Warndt ein abwechslungsreicheres und attraktives Gewand verpassen wollen, wird im unmittelbaren Einflussbereich der Verschönerungsvereine alle Energie fokussiert und es werden Bäume zum Verbau der Sicht gepflanzt. Man schafft sich Pflegeflächen, die in kleingärtnerischer Manier mit Koniferen, Stauden, Blümchen, Palmen oder gar Steinbrechgewächsen aus allen Teilen der Welt bepflanzt werden. Der eigene Garten bietet selten Platz genug, um alle Ideen zu realisieren. Die öffentlichen Flächen, die sich vielfach „verwahrlost" präsentieren, bieten hier wohl ein lohnendes Expansionsziel und den meisten gefällt auch das Ergebnis der Pflegebemühungen. Den Schmetterlingen, so viel sei an dieser Stelle verraten, ist das alles ein Graus!

An dieser Stelle endet nun die erste Etappe – wir nehmen den Weg im zweiten Teil wieder auf; er wird uns nach Emmersweiler führen. Dort finden wir wieder viel kurioses und machen Bekanntschaft mit den Rondellierern (sic!) aus Emmersweiler, gegen die die Dorfverschönerer aus St. Nikolaus nur blaß aussehen können. Und mehr noch wir lernen moderne Konzepte zur Aufdüngung des Nikolausbach-Unterlaufs kennen.

Es mag der Eindruck entstehen, dass der Autor sich mit diesem Artikel deutlich von den Arbeiten unserer Dorfverschönerungsvereine distanziert und an den teils aus öffentlicher Hand finanzierten Ergebnissen kaum ein gutes Haar lassen will. Diesen Eindruck haben Sie zu unrecht gewonnen, denn der Artikel bezieht sich ja lediglich auf einen kleinen Ausschnitt der Arbeit bei der Dorfverschönerung. Gerne beteilige ich mich selbst auch an naturschutzmäßig sinnvollen Arbeitseinsätzen und trage so zur Dorfverschönerung bei.

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