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Cacyreus marshalli in der Provence

Cacyreus marshalli in der Provence

Bei meinem letzten Provence-Aufenthalt Anfang Oktober 2014 sind mir die kleinen Bläulinge in jedem Ort aufgefallen. Sie flogen meist in mehreren Dutzend Exemplaren um die Pelargonien herum. An einem Ort waren es mehr, an dem anderen weniger und manchmal waren echte Massen zu finden und in diesen Fällen hat man die Anwesenheit des Bläulings schon an den Pelargonien überdeutlich erkennen können. Ich Courthezon beispielsweise bei Domaine la Janasse fand ich eine bedauernswerte Pelargonie, die einst imposant gewesen sein musste. Als ich sie im Hof der Domaine fand, war sie jedoch fast schon blattlos. Zumindest gab es kaum noch ein Blatt, welches nicht komplett durchlöchert war. Und tatsächlich wird Cacyreus marshalli hier und da schon als Schädling geführt. Hier zum Beispiel: http://www.cabi.org/isc/datasheet/10683 

Die Vermutung liegt ja nahe, dass sich die Art mitsamt der Wirtspflanze (Pelargonium zonale, Pelargonium peltatum hybr., Pelargonium spec.) verbreitet und dass dabei Gärtnereien einen Anteil haben. Weiters, wenn wir vermuten, dass Cacyreus marshalli frostempfindlich ist, sollte es eine Rolle spielen, ob und wie die Pflanzen überwintert werden. Ob und in welchem Maß die Art Frost verträgt, weiß ich nicht und ich konnte dazu nichts heraus finden. Dass unsere Balkonpflanzen-Pelargonien frostempfindlich sind und im Winter eingehen, das wissen wir aber sicher und da heute kaum einer mehr seine Pelargonien im Keller überwintert, sollte das auch das Ende einer ggf. eingeschleppten kleinen Population in unseren Breiten sein. Dem ist in der Provence sicher nicht so - denn erstens gibt es dort selten Frost und die Pelargonien gehen selbst im Freien nicht ein und zweitens warum soll die Art denn nur Balkonpflanzen-Pelargonien fressen? 

Diese letzte Frage beschäftigt mich zunächst nicht, denn ich hatte mir vorgenommen, einige Gärtnereien zu besuchen um dort nach der Art zu schauen. Nicht sehr überraschend - ich fand die Art ohne große Mühe in zwei Gärtnereien in der Gegend von Chateauneuf Du Pâpe. Zwar hatten sie natürlich um diese Zeit keine Setzlinge mehr, jedoch standen noch einige Kübel mit ein paar mickrigen Pflanzenresten rum, die man vergessen hatte, zu entsorgen, würde ich sagen. Tatsächlich genügte das aber auch, dass ein paar Falter umherflogen und man kann sich vorstellen, wie es zur Zeit ist, wenn viele Setzlinge in Stiegen umherstehen und frische Wirtspflanzen zu Hauf zur Verfügung stehen.

Um aber auf die Frage zurück zu kommen - bei einer meiner Weinexkursionen hat mich mein Weg wieder durch den Luberon geführt und in diesem schönen Gebirgszug mache ich gerne einen Zwischenstopp, um nach Faltern zu schauen. Hier finden sich natürlich keine Pelargonien und die Flora und Fauna sind noch typisch und wenig verfälscht. Ich staune aber nicht schlecht, als ich zwischen all den sehr häufigen kleinen Wanderbläulingen (Leptotes pirithous) zunächst einen einzelnen Cacyreus marshalli entdecke. Das nächste Dorf ist sicher 5 km Luftlinie entfernt und Balkonpflanzen suche ich in dem natürlichen Habitat vergebens. Ok - er ist auf der Durchreise - dachte ich; jedoch erst einmal dafür sensibilisiert entdecke ich noch mehr und ich zähle in dem einen Habitat 4 Exemplare. Später finde ich an anderen Stellen sporadisch weitere einzelne Exemplare. Sollte die Art es nicht vielleicht geschafft haben, auf die autochthon vorkommenden Geranium auszuweichen und so viel effektivere Mechanismen zu haben, sich zu verbreiten, als über Gärtnereien? Ein wenig googlen bringt Gewissheit. Lest einmal diesen Artikel! Und da kommen mir wieder einige Erinnerungen aus dem Mercantour ins Gedächtnis. Dort fand man das Tier auch in jedem Dorf, wenn man nur intensiver suchte. Es gab jedoch viel weniger - aber wie war die Verbreitung dort zu erklären? Müssen wir uns demnächst Sorgen um die Populationen von Aricia nicias machen, dass er verdrängt wird? (Spaß am Rande). Wie der genannte Artikel aber ausführt, ist das Belegen von autochthonen Geranium-Arten mit Eiern in der freien Natur durchaus anzunehmen. Da diese Arten im Winter auch nicht eingehen bzw. im Frühjahr wieder neu austreiben, stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen die Tiere einen Winter (als Falter) noch überleben können. Eine Diapause jedenfalls kennt Cacyreus marshalli nicht und einen langen oder harten Winter überlebt der kleine Bläuling sicher nicht. Aber wo ist wohl die Grenze? Ein wenig übertrieben ist vermutlich diese Aussage aus dem Artikel: "... Even apart from this, as suggested by Trematerra and Parenzan (2003), the adaptation of this lycaenid to autochthonous plants may favour its spread and establishment not only in Italy and in Mediterranean areas, but also deep into mainland continental Europe, causing serious economic and environmental losses." 

IMG_1034Pelargonien braucht es nicht viele, um eine kleine Kolonie des Bläulings zu beherbergen. Auf dieser hier flogen an die Dutzend Exemplare umher, saugten, legten Eier und verkrochen sich auch einmal darin.

IMG_1037Genug für eine ganze Population! 2-3 Pflanzen wie diese genügen sicher!

IMG_0974Die Eier findet man einfach auf der Blattoberseite und in großer Anzahl.

IMG_0949Puppen findet man auch rund ums Jahr. Ende September ist aber sicher der Höhepunkt der Populationen in der Provence, denn im Frühjahr fand ich nie annähernd so viele Falter und Präimaginalstadien. Das werte ich einmal als Zeichen dafür, dass die Populationen im Winter durchaus dezimiert werden.

IMG_0948Das dürfte das einzige Bild sein, welches ich abseits der Ortschaften machen konnte. Ein Germanium, um das herum viele Falter flogen, wie in den Dörfern und Städten, konnte ich jedenfalls nicht entdecken. Dennoch liegt der Schluss nahe, dass tatsächlich autochthone Germanium als Wirtspflanze angenommen werden und so die Verbreitung begünstigt wird.

Ort (Karte)

Châteauneuf-du-Pape, Frankreich
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