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Ende August im Garten - Braunaugenzeit!

Ich habe heute noch einiges zu tun für meinen Job und eigentlich kann ich es mir gar nicht leisten - doch die Sonne scheint so schön und die Luft ist so frisch und es fliegen Schmetterlinge. Ich sage mir, dass ich den Rest später erledige oder sowieso am Sonntag. Eine Stunde muss doch drin sein! Also schnappe ich mir die Kamera und mache mich auf in den Garten. Schließlich habe ich viel Energie reingesteckt, dass er nun so ist, wie er ist. Fertig ist er zwar noch lange nicht, aber es sind schon viele Schmetterlingsarten hinzugekommen, die es vorher auf dem gemähten Rasen nicht ausgehalten haben.

b2ap3_thumbnail_IMG_9673_20130831-070048_1.jpg8 auf einen Streich. Die Eier werden einzeln abgelegt! Das bedeutet, dass hier 8 Weibchen oder einige mehrmals an diesem Halm nicht vorbei konnten, ohne dort abzulegen!

Marvin hat ja schon berichtet, dass es für das Braunauge (Lasiommata maera) in unserem Garten ausgezeichnete Larvalhabitate gibt. Dass er sich ausgerechnet aber auf den übriggebliebenen Schutthaufen (sollte alles schon weggebaggert werden!) am wohlsten fühlt, ist beinahe schon enttäuschend. Doch die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Dem Braunauge genügt eine vom Sonnenlicht gut erwärmte Stelle, an der "Gras" wächst und die vor Regen geschützt ist. Welches Gras da wächst ist ihm dabei womöglich fast egal - hauptsache warm und schön trocken. Hier ein Beispiel:

b2ap3_thumbnail_PP8A3020.jpgUnachtsam weggeworfen zur späteren Entsorgung! Diese Betonpflanzsteine bilden nun ein hervorragendes Larvalhabitat für das Braunauge. Hier herinnen fanden und finden sich in den letzen Wochen 5 Puppen, etliche Raupen und rezent noch ca. 30 Eier. 2 Weibchen fliegen fast den ganzen Tag um die Steine - manchmal sind es mehr!

Das Braunauge macht sich in den Saarländischen Gärten sowieso seit einigen Jahren verstärkt breit - das ist umso erstaunlicher, weil er, wie ich kürzlich las, auf weiten Strecken an Mosel und Nahe schon längere Zeit nicht mehr gefunden wurde. In Rheinland-Pfalz ist es halt doch nicht soooo schön wie im Saarland - das muss auch mal gesagt werden, aber das ist sowieso klar und einleuchtend.

Ich beginne, um die Steine herum und in den Steinen an Grashalmen nach Eiern zu suchen - bei 30 gezählten Eiern stelle ich meine Bemühungen aber ein und mache ein paar weitere Fotos. Schaut euch das Titelbild an - 8 Eier an einer Grasspitze! Hier müssen die Bedingunen wirklich ideal sein! Sicher ist auch der trockene Sommer ein positiver Faktor für die - man muss es schon so nennen - Bestandsexplosion des Braunauges in meinem Garten. Ich schätze, dass derzeit etwa 20 Imagines auf dem Grundstück herumfliegen. Natürlich fliegen die auch mal zum Nachbar, doch hier gefällt es ihnen einfach besser, denn der Rasen ist nicht kurzgeschoren und es befinden sich leckere Nektarpflanzen dazwischen. Gegen den Sommerflieder hat das Braunauge auch nichts einzuwenden an dem noch nicht mal 80cm hohen Busch weiden sich teilweise bis zu 4 Braunaugen gleichzeitig.

b2ap3_thumbnail_PP8A3021.jpgSo sieht er nun aus der Idealstandort für die Eiablage! Vorn scheint die Sonne rein und drinnen ist es trocken. Marvin fand da einige Raupen. Ich finde heute nur Eier - davon aber genügend. Diese Kleinstnische kann als "besetzt" gelten, denn darin finden sich über 10 Eier, eine kleine Raupe und eine Puppe.

Natürlich möchte ich wissen, wo im Garten noch Braunaugen"spuren" zu finden sind. Da die Kalkschuttbeete noch viel zu spärlich bewachsen sind, spare ich diese bei der Suche aus. Nächste Station ist die Sandsteinmauer. Natürlich werde ich auch dort fündig. Eine Puppe und zwei Eier habe ich nach kurzer Zeit entdeckt. Ganz so beliebt wie die Pflanzsteine scheint der Lebensraum aber nicht zu sein.

b2ap3_thumbnail_PP8A3022.jpgUnter den Überhängen dieser Brocken reicht findet das Braunauge auch Plätze für die Eiablage. Wohl wegen der schlechteren Exposition finde ich hier jedoch nicht sehr viele. Eine Puppe befindet sich aufgehängt unter einem Stein.

Wer will, macht sich mal die Mühe und schaut sich die klassischen Lebensräume des Braunauges auf dem Lepiforum an. Ein kleiner Exkurs: Das Braunauge gilt beispielsweise in Baden Württemberg als Bewohner montaner, waldnaher Magerrasen, Felshänge, Alpenmatten in der Waldzone, Kahlschläge, Wald-Binnensäume und gelegentlich Steinbrüche (auch im Tiefland) (pyrgus.de, abgerufen 31.08.2013). Erstaunlich auch, dass die Art inzwischen im Saarland nicht mehr als gefährdet (aktuell eingestuft als "stark gefährdet") gelten kann. Die Ausbreitung auf Kahlschlägen und vor allem in Gärten zumindest im südlichen Teil des Saarlandes geben Anlass, diese Einschätzung zu überdenken. Weiters gehören m.E. inzwischen unsere Gärten zu den wichtigsten Lebensräumen, da diese eine hervorragende Vernetzungsfunktion erfüllen. Fast in jedem Garten gibt es irgendwo eine Stelle, wo "Gras" regengeschützt und einigermaßen besonnt wachsen kann. Unterlässt man an solchen Stellen übertriebene Pflege mit Kantenschneidern und dergleichen, dann ist das wohl schon ausreichend, dass sich ein paar Falter entwickeln können. Im Saarland sind Poa annua (Einjähriges Rispengras), Agrostis capillaris (Rotes Straußgras) und Elymus repens (Quecke) als Eiablagepflanzen nachgewiesen. In meinem Garten (besser in den meisten Gärten) kommen diese Arten vor und die meisten Eier finde ich am Roten Straußgras - dieses ist in fast jeder Rasenmischung enthalten sein... Von einer Bevorzugung gewisser Grasarten würde ich aber gar nicht ausgehen; wesentlich wichtiger erscheint der Standort. Also packt eure Pflanzsteine aus!

b2ap3_thumbnail_PP8A3023.jpgUnter diesem Stein befand sich eine Puppe und auf den Grasstängeln davor ein Ei.

Die nächste ungeplante Baustelle ist dann schon wieder ergiebiger. Auch hier habe ich es versäumt, die Arbeit zu Ende zu bringen und habe das Zeugs noch nicht entsorgt. Man hat ja schließlich nur zwei Hände und die Zeit ist auch knapp. Das Braunauge findet auch das gut! Unter diesen Elementen eines ehemaligen Kompostsilos ist die Grundvoraussetzung Besonnung und Regenschutz ebensogut gegeben wie unter den Pflanzsteinen.

b2ap3_thumbnail_PP8A3025.jpgJetzt traue ich mich schon nicht mehr, das Zeugs endlich wegzuräumen und wegzuschmeißen. Manjana!

Marvin hat letzte Woche schon ein neues Ensemble von Pflanzsteinen aufgestellt. Jetz wird nichts mehr dem Zufall überlassen. Als nächstes macht er vermutlich Experimente, in welcher Exposition diese Pflanzsteine ein optimales Ergebnis erzielen. Auch bin ich gespannt, ob auch Lasiommata megera, der Mauerfuchs (in meinem Garten noch nicht sehr häufig, aber vorhanden) von solchen Ablagestellen profitieren kann.

b2ap3_thumbnail_PP8A3026.jpgHier fanden sich nach einer Woche schon die ersten Eier. Die Schafe kommen nicht an die unteren Halme ran - insofern haben die Raupen auch eine Chance. Bin gespannt, ob es noch zu einer weiteren Generation reicht dieses Jahr - genügend Beobachtungsmaterial ist jedenfalls direkt vor der Haustür vorhanden!

b2ap3_thumbnail_IMG_9672.jpgDie meisten Puppen finden sich direkt an der Decke oder den schrägen Wänden der Pflanzsteine. Normalerweise überwintern die Raupen im dritten Kleid. Aus dieser Puppe wird also sicher noch ein Falter schlüpfen.

b2ap3_thumbnail_IMG_9712.jpgAls Saugpflanzen werden im Garten gerne die Wiesenflockenblumen genutzt. Der Sommerflieder jedoch hat eine besondere Anziehungskraft wie es scheint. Ich sah bis zu 4 Falter gleichzeitig an dem kleinen, nur ca. 80cm hohen Busch.

b2ap3_thumbnail_IMG_9690.jpgDie ♂♂ sehen aus wie Braunaugen überall sonst auch. ♀♀ konnte ich leider noch nicht fotografieren, da die zu sehr mit der Ablage beschäftigt sind. Die ♀♀ jedenfalls sind alle zu f. adrasta zu zählen. Was der taxonomische Status des adrasta-Stammes ist, ist sicher noch eine spannende Frage.

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Kommentare

Alexander Caspari am Samstag, 31. August 2013 11:44

sehr schön !
bei uns im Garten tummeln sich vorallem die Bläulinge z. B. Icarus und argiadis aber auch ein phleas ist mal dabei.... und heute hatte ich noch einen sehr abgeflogenen megera

sehr schön :) ! bei uns im Garten tummeln sich vorallem die Bläulinge z. B. Icarus und argiadis aber auch ein phleas ist mal dabei.... und heute hatte ich noch einen sehr abgeflogenen megera :D
Steffen Potel am Samstag, 31. August 2013 20:53

Schöne Beobachtungen!
Der Aufschwung im Saarland bei L. maera ging, wenn ich mich richtig erinnere, im Jahr 2006 los. d
Damals tauchte der Falter quasi aus dem nichts hier auf einem Parkplatz in Dudweiler auf (Der Parkplatz hat auch eine Mauerkante, die in der Struktur den Grundmauern der Ruinen in Reinheim ähnelt!). Seitdem ist er eigendlich jetzt jedes Jahr präsent. Zur Zeit, bei Sonnenschein, kann man ihn gezielt am Sommerflieder suchen gehen, meist am violetten, kaum am weißen. In Dudweiler Süd fliegt er auch rum. Ich geh fest davon aus, dass maera sich als Gartenfalter hier im südlichen Saarland etabliert hat. Einen Augenmerk, im Zusammenhang mit dieser Art, sollte man vielleicht auch den Gärten schenken, wo die Besitzer durch Schotter über Fließ versuchen den Pflanzenwuchs zu unterbinden. Bei L. maera würde es sich vielleicht auch mal lohnen, die Daten der letzten Jahre mal mit den Aufblühzeiten in Verbindung zu setzen. Möglicherweise zeichnet sich da ein ähnliches Bild ab wie bei der Blauen Holzbiene, die nur dort fliegt, wo die Apfelblühte bis zum 20.4. beginnt, und nicht später.

Schöne Beobachtungen! :) Der Aufschwung im Saarland bei L. maera ging, wenn ich mich richtig erinnere, im Jahr 2006 los. d Damals tauchte der Falter quasi aus dem nichts hier auf einem Parkplatz in Dudweiler auf (Der Parkplatz hat auch eine Mauerkante, die in der Struktur den Grundmauern der Ruinen in Reinheim ähnelt!). Seitdem ist er eigendlich jetzt jedes Jahr präsent. Zur Zeit, bei Sonnenschein, kann man ihn gezielt am Sommerflieder suchen gehen, meist am violetten, kaum am weißen. In Dudweiler Süd fliegt er auch rum. Ich geh fest davon aus, dass maera sich als Gartenfalter hier im südlichen Saarland etabliert hat. Einen Augenmerk, im Zusammenhang mit dieser Art, sollte man vielleicht auch den Gärten schenken, wo die Besitzer durch Schotter über Fließ versuchen den Pflanzenwuchs zu unterbinden. Bei L. maera würde es sich vielleicht auch mal lohnen, die Daten der letzten Jahre mal mit den Aufblühzeiten in Verbindung zu setzen. Möglicherweise zeichnet sich da ein ähnliches Bild ab wie bei der Blauen Holzbiene, die nur dort fliegt, wo die Apfelblühte bis zum 20.4. beginnt, und nicht später.
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