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Euphydryas cynthia - Raupenüberwinterung und Zucht

Euphydryas cynthia - Raupenüberwinterung und Zucht

Im Juli 2012 besuchten wir den l'Authion bei La Bollène-Vésubie in der Hoffnung, dort noch den wunderschönen "Veilchen-Scheckenfalter" Euphydryas cynthia beobachten zu können. Dies gelang uns tatsächlich, obschon die Flugzeit schon fast zu Ende war. Es flogen noch einige müde ♂ und ♀ herum und einige ließen sich auch fotografieren. Ganz tolle Bilder konnten uns nicht gelingen, da die Falter schon recht abgeflogen waren und überdies wenig gewillt waren, uns bei unserer Arbeit zu unterstützen. 

Umso mehr freuen wir uns über das erste Raupennest, das wir finden - es wird gleich ausgiebig fotografiert. Dabei fällt uns bald auf, dass wir bei eben jener Tätigkeit beinahe versehentlich mit den Knien weitere Nester platt gedrückt hätten. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass pro Quadratmeter an den besten Stellen oft mehr als 4 Nester zu finden sind. Wenn man das auf die Fläche hochrechnen würde, käme man sicher auf eine Nesteranzahl im 5- oder gar 6-stelligen Bereich. Das wollen wir heute aber nicht untersuchen. Sicher wird es unter den Raupen große Ausfälle geben, sonst hätten die Falter später kaum noch Platz in der Luft. Daher beschliessen wir auch, einige Nester für die Zucht mitzunehmen - der Population hier wird es kaum schaden und vielleicht gewinnen wir weitere Erkenntnisse.

Gemäß Literaturangaben überwintern die Raupen dieser schönen Art bis zu 4 mal. Das können wir uns für die Mercantour-Populationen schwer vorstellen und hoffen darauf, dass es evtl. mit 2 oder gar nur einer Überwinterung gehen könnte. Tatsächlich - einige Raupen fressen sich vor der Überwinterung schon durch bis ins 3. Kleid und erreichen schon eine ansehnliche Größe von ca. 1cm. Die meisten bleiben jedoch kleiner (5mm). Wir füttern Plantago lanceolata und dazu graben wir jeweils ganze Rosetten aus, da diese sich länger frisch halten als Schnittfutter. Mitte August ist es dann so weit - die Raupen stellten alle gemeinsam wie von einem Uhrwerk gesteuert, das Fressen ein. Sie sitzen nun nur noch in ihrem Gespinst beisammen und warten scheinbar, dass es endlich kälter werden würde. Also geben wir die Raupen in Gläser, die mit Toilettenpapier vollgestopft werden. Dieses wird etwas befeuchtet, ein paar Löcher kommen in den Deckel und ab in den Kühlschrank damit. Dort bleiben die Raupen bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt bis es im Frühjahr genügend Futter gibt. Einen Blumenkübel bepflanzen wir mit Wegerich und stellen ihn ins Warme unter eine starke LED-Pflanzenlampe, damit die ersten beiden Nester schon Mitte März (...) ans Futter gebracht werden können.

Ein Nest mit Eiraupen. Es waren meist um die 200 Raupen pro NestEin Nest mit Eiraupen. Es waren meist um die 200 Raupen pro Nest. Der Alpenwegerich bildete in der beweideten kurzrasigen Fläche dichte Bestände aus - ideale Bedingungen für die Entwicklung der Raupen.

In der Zucht zeigte sich, dass die Raupen recht genügsam sind. Sonneneinstrahlung war nicht notwendig, um die Raupen vital zu halten und die Überwinterung war nahezu verlustlos. Nach einer Woche bei natürlicher Tageslänge (Mitte März) beginnen die Raupen unter der Pflanzenlampe (LED) zu fressen. Die Raupen beider Nester verbinden sich zu einer Gruppe und legen ein Nest über einer größeren Pflanze an.

Eiräupchen im ersten Kleid.Eiräupchen im ersten Kleid. Erst im zweiten Kleid sind die Raupen schwarz und tragen die typischen gelben Segmentstreifen.

Raupen nach der Überwinterung (Mai 2013) in der Zucht, Plantago lanceolata wird auch gerne angenommen.Raupen nach der Überwinterung (Ende März 2013) in der Zucht, Plantago lanceolata wird auch gerne angenommen. Diese Raupen befinden sich nun unmittelbar vor der 3. Häutung - die neuen, größeren Kopfkapseln sind schon zu erkennen. Sicher wird nach der Häutung der Apetit sehr groß sein und es wird allerhöchste Zeit, dass im Freiland endlich die Vegetation in die Gänge kommt.

Diese kurzrasige Matte ist das Larvalhabitat. Die Raupennester fanden sich an Alpenwegerich (Plantago alpina)Fort de La Forca (2 078 m): Diese kurzrasige Matte ist das Larvalhabitat. Die Raupennester fanden sich an Alpenwegerich (Plantago alpina)

Blick in das Larvalhabitat. 3-4 Nester pro Quadratmeter!Blick in das Larvalhabitat. 3-4 Nester finden sich hier pro Quadratmeter! Neben Euphydryas cynthia nutzen vor allem auch Colias phicomone und Argynnis niobe diesen Bereich als Larvalhabitat.

Ein altes ♀. Die leuchtenden Farben fehlen schon.Ein altes ♀. Die leuchtenden Farben fehlen schon. Dass die Flugzeit eigentlich schon vorbei ist, verraten uns tausende von Raupennestern. Melitaea varia fliegt an der Stelle nun in großer Zahl und dessen ♀♀ sind noch ganz frisch und noch nicht so sehr mit der Eiablage beschäftigt. Bei der Dichte von Faltern und Raupennestern kann man durchaus vermuten, dass es eine starke Nahrungskonkurrenz zwischen den Arten gibt. 

Das doch recht schnelle Wachstum Ende März direkt nach der Überwinterung lässt vermuten, dass es mit einer Überwinterung getan ist. Die Zucht erfolgt bei recht kühlen Temperaturen ca. 10-15°C und natürlicher Tageslänge. Von Freilandbedingungen können wir natürlich nicht sprechen. Ein Indiz dafür, dass die Art im Mercantour tatsächlich nur eine Überwinterung macht, ist es aber schon. Zudem konnten wir an der Fundstelle überhaupt keine älteren Raupen finden - es fanden sich ausschließlich Eiraupen im ersten Kleid. Alle Raupen (!) häuteten sich bis zur Überwinterung zwei mal und stellten Mitte August zeitgleich das Fressen ein!

13.04.2013: Die allermeisten Raupen befinden sich nun im letzten Kleid. Der Wegerich ist leider schon aufgebraucht und ich muss Wegerich-Rosetten im Freien suchen, während die Vegetation noch nicht richtig aus dem Winter erwacht ist. Bis zur letzten Häutung sitzen die Raupen gesellig auf einem Gespinstpolster und tanken Licht und Wärme. Nach der letzten Häutung verteilen sich die Raupen.

IMG_4905.jpgHier nun einige schon im letzten Kleid. Wer genau hinsieht, entdeckt noch eine Raupe, die hier nicht hingehört. Es ist eine Raupe von Melitaea athalia - sie fühlt sich aber nicht unwohl in der ungewohnten Gesellschaft an der Sonne.

Da die Raupen einen entsetzlichen Hunger entwickelt haben, ist der eingetopfte Wegerich nun aufgebraucht. Ich besorge Rosetten von Mittlerem Wegerich und Veilchen, welche auch ganz gerne gefressen werden. Die Veilchen finde ich leider nicht im Warndt, weshalb ich zum Kreuzberg musste, um dort eine genügend große Menge zu ernten. Ab dem 20. April setzen sich die ersten Raupen zur Verpuppung fest. Die Puppen sind nur recht lose an der Unterlage befestigt und fallen sehr leicht herunter. Am 30. April schlüpfen dann schon die ersten Falter. Männchen und Weibchen scheinen synchron zu schlüpfen.

b2ap3_thumbnail_IMG_6170-Bearbeitet.jpg

Leider schaffe ich es nur, dieses Foto auf einem Stein zu schießen. In der Vegetation verkriechen sich die Tiere schnell im Gras und wenn es warm genug geworden ist, fliegen sie umher und es scheint, als würden sie am ersten Tag überhaupt nicht fressen und nur fliegen.

Naturbeobachtung.de
Nachlese zum 15. UFZ-Tagfalterworkshop

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