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Brief aus dem Warndt (per Kraftpost)

Langsam aber sicher geht es voran mit der Tourismusregion Warndt... Solcherlei hört oder liest man gerne, kommt man aus dem Warndt. Man lauscht, man liest, man sucht, stöbert und forscht - man liest es nicht, man hört es nicht, man erahnt es kaum. Dabei gibt man sich doch jede nur erdenkliche Mühe!

Eine Draisinenbahn hat man eingerichtet - leider umsonst und sie ist auch schon wieder weg. Das Jagdschloss in Karlsbrunn - verlassen! Selbst vom Fortst! Verlassen! Hmm... Man bildet sich so ja allerhand Vorurteile und wird man sich dessen bewusst, denkt man auch gleich schon wieder - na ja so schlimm ist es ja auch wieder nicht (im Warndt). Nun hat R aber einen gänzlich unfreiwilligen Selbstversuch unternommen, der direkt einen Kernaspekt der Tourismusförderung im Warndt berührt. Es geht um das Hinkommen. Ja genau um das HIN-kommen. Wie kommt man überhaupt da hin? In den Warndt? Zugegeben, moderne Navigationsgeräte in unseren Kraftfahrzeugen finden den Weg auch in den hinterlegensten Ecken des Warndts (Anm. des Autors: Emmersweiler). Aber was wenn mal kein Auto zur Verfügung steht? Was wenn das Auto kaputt ist??? Was wenn man gar eine Radtour dort machen möchte (im Warndt), jedoch aber nicht die ganze Anreise mit dem Rad durchstehen würde? Wie sieht es dann aus? Eine spannende Frage, der R an einem regnerischen Dezembertag nachgehen will. Das Thema "Emmersweiler finden" stellt für ihn zwar nicht die große Herausforderung dar, doch kann er sich im Ansatz durchaus in die Rolle von Außerwarndtlern in dieser Hinsicht hineinversetzen.

Kraftpost 1aIm Warndt kam diese Kraftpost nie an. Dennoch fahren auch heute noch Busse in den Warndt! Grafik aus einer Kraftpost-Werbung im Amtl. Fernsprechbuch Saarland 1955, S. 18. Vorbild für die Zeichnung war ein Berliet PCR 10 nach "Neunkirchen-Blieskastel".

Die Versuchsanordnung: R stellt seinen Wagen in Völklingen unweit einer Haltestelle der VVB ab und bildet sich glaubhaft ein, dass die Karre einen gerissenen Zahnriemen hat. Das ist eine Sicherheitsvorkehrung, damit er den Versuch nicht vorzeitig abbricht, mittels ÖPNV sicher und schnell nach Emmersweiler zu gelangen. Hier gilt es auch, dem inneren Schweinehund keine Chance zu lassen, vermutet er doch genügend externe Schweinehunde, die sich der Zielerreichung entgegenzustemmen trachten. Phase 1 - R muss herausfinden, wie man nach Emmersweiler gelangt. Gar nicht so schlecht - die Haltestelle "Neues Rathaus" ist schnell gefunden. Ach und es gibt sogar Direktverbindungen nach Emmersweiler - Null Umsteigen, Gesamtfahrzeit nur 22 Minuten! Sauber! Der erste solche Bus fährt an Neujahr in der Früh um 3:28h und dann nochmal um 4:28h. Das ist noch lang hin und R hat nicht genug Geld mit, so lange im Feiermodus durchzuhalten. Also sucht R auch nach Verbindungen mit Umsteigen. Wo aber steigt man denn um? Wo muss man denn hin bzw. wo fahren denn sonst noch Busse nach Emmersweiler? Mit dieser Frage sieht sich R an der Bushaltestelle zunächst alleine gelassen. Ein Smartphone mit Internet hat er extra nicht mitgenommen! Sonst steht auch niemand an der Haltestelle. Also mal zu den Stadtwerken laufen - ist ja zufällig gegenüber - und dort fragen? Hmm... der Bus zum Rotweg kommt ja schon gleich und weil R seine Rolle nicht ganz perfekt ausfüllt, erinnert er sich bzw. kann es nicht ganz verdrängen, zu wissen, dass dort einstmals auch Busse weiter in den Warndt hinein gefahren sind. Also warten, einsteigen zahlen und hinsetzen. Das läuft alles einwandfrei und ohne Zwischenfälle. Auch erhält R bereitwillig Auskunft, dass am Rotweg tatsächlich "mit Anschluss zur rechnen" sei.

Fünf Haltestellen weiter - ein Herr steigt mit Fahrrad hinten ein. Der Bus steht und fährt nicht. Fährt nicht - fährt einfach nicht los. Und plötzlich in die angespannte Stille des Dastehens ein lauter Blaff "Das Fahrrad kommt raus!!!". Kurze Pause und dann ein Ruf von dem Herrn mit Fahrrad "Das Fahrrad bleibt drin!".  "DAS FAHRRAD KOMMT RAUS!!!" ... "BLEIBT DRIN" ... "... RAUS!!!!!" ... "NEIN DAS FAHRRAD BLEIBT DRIN!!!". Es scheint dies ewig so weiter zu gehen - die Stimmen, vor allem die des Busfahrers, werden lauter. Die Kabel an den Hälsen der beiden Kontrahenten sind deutlich zu sehen. Die Gesichtsfarbe des Busfahrers hat inzwischen auf ein bedrohliches Dunkelrot gewechselt. "RAUS oder ich hole die Polizei!" - darauf der Herr mit Fahrrad nicht weniger bestimmt "Bitte darauf warte ich nur!". "Ein letztes Mal RAUS MIT DEM FAHRRAD oder ich hol die Polizei!!!" - "Nein!". Die Einwände des Herrn mit Fahrrad werden ruhiger aber nicht weniger bestimmt. Der Bus fährt nicht. Der Bus steht. Die Spannung hält noch eine Weile an, wann endlich jemand der beiden zu substanzielleren Schritten übergeht oder gar gewalttätig wird oder eben einfach nur die Polizei ruft oder der Herr mit Fahrrad aussteigt. Aber es passiert nichts dergleichen. Wohl eine Eingebung - oder das parallele Durchlesen der Beförderungsrichtlinien (Fahrradmitnahme kostenlos!) - hat den Busfahrer endlich dazu gebracht, den Bus wieder in Bewegung zu setzen. 10 Minuten hat das Spektakel gedauert, R jedoch fand es unterhaltsam. Das hätte er sicher nicht unterhaltsam gefunden, wüsste er nicht noch (bzw. hätte er es nicht so unzureichend verdrängt für den Selbstversuch), dass am Rotweg immer mit einem längeren Aufenthalt zu rechnen ist, bevor es einen Anschluss nach Emmersweiler gibt. 

Der Rest der Fahrt verläuft arm an Ereignissen. Am Rotweg machen sich die 10 Minuten Verzögerung tatsächlich nicht in der Form bemerkbar, als dass der Anschlussbus schon weg war. Nein - auf diesen wartet R nochmal 10 Minuten. Es ist das nun ein Bus nach Emmersweiler und zwar einer mit Warndtrundreise inbegriffen, der nach eben jenen 10 Minuten an der Haltestelle hält. Man fährt über Großrosseln, Dorf im Warndt, Karlsbrunn, St. Nikolaus und Naßweiler! Nach Emmersweiler! Hier ist der Weg auf der Karte dargestellt - der touristische Zusatznutzen ist entscheidend:

Busfahrtdesgrauens

5 Warndtgemeinden statt 2 zum Preis von einer! Jeder klar denkende, ortskundige und nicht stark gehbehinderte Mensch, würde das letzte Stück von Großrosseln nach Emmersweiler natürlich laufen und wäre vor dem Bus in Emmersweiler. Aber können wir von den Heerscharen von Touristen verlangen, dass sie ortskundig sind und im Apfeltal aussteigen? Möchten wir Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte diskriminieren? Nein! R nimmt seine Mission ernst und nimmt die Strapazen einer Busfahrt duch den Warndt ohne Murren auf sich. 

Rotweg, Geislautern Völklingen   14:56
Velsen Rosseler Str., Ludweiler Völklingen 14:58 14:58
Velsen Grube, Großrosseln 14:59 14:59
Schwelwerk, Großrosseln 15:00 15:00
Schlauchstal, Großrosseln 15:00 15:00
Meisenhübel, Großrosseln 15:01 15:01
Bahnhofstr., Großrosseln 15:02 15:02
Rosseltalhalle, Großrosseln 15:02 15:02
Am Brünnchen, Großrosseln 15:03 15:03
Im Apfeltal, Großrosseln 15:04 15:04
Karlsbrunner Str., Großrosseln 15:06 15:06
Untere Feldstr., Großrosseln 15:07 15:07
In der Trift, Großrosseln 15:08 15:08
An der Kaisereiche, Großrosseln 15:09 15:09
Nelkenstr., Dorf im Warndt Großrosseln 15:10 15:10
Friedhof, Dorf im Warndt Großrosseln 15:11 15:11
Grube Warndt, Karlsbrunn Großrosseln 15:12 15:12
Friedhof, Karlsbrunn Großrosseln 15:13 15:13
Zum Tiefen Graben, Karlsbrunn Großrosseln 15:13 15:13
Forsthaus (Festplatz), Karlsbrunn Großrosseln 15:14 15:14
Merlebacher Str., St.Nikolaus Großrosseln 15:16 15:16
Schulstr., St.Nikolaus Großrosseln 15:17 15:17
Abzweigung, St.Nikolaus Großrosseln 15:18 15:18
Am Hirtengraben, Naßweiler Großrosseln 15:19 15:22
Abzweigung, St.Nikolaus Großrosseln 15:23 15:23
Industriegelände, Naßweiler Großrosseln 15:24 15:24
Friedhof, Emmersweiler Großrosseln 15:25 15:25
Gensbacher Str., Emmersweiler Großrosseln 15:26 15:26
Forbacher Str., Emmersweiler Großrosseln 15:28 15:28

Auf der Strecke gibt es einige für den Warndt bedeutende Sehenswürdigkeiten. Sagen wir das Karlsbrunner Schloss oder das Rondell auf der Emmersweiler Höhe (wir berichteten: Brief aus Emmersweiler!). Man mag sich der Versuchung ausgesetzt sehen, diese zu besichtigen. Ein Aussteigen wird aber vor dem Erreichen der Zieldestination dennoch unter keinen Umständen empfohlen! Es kann mit gastronomischer Verpflegung an keiner Haltestelle gerechnet werden und gerade im Winter ist der nächste Bus ein Versprechen, das ungern aber doch schon mal gebrochen wird. Der Herr mit Rad hatte seine Reise am Rotweg Richtung Ludweiler im Bus fortgesetzt - er musste folglich nicht umsteigen und kam entspannt und ohne Umwege zum Ziel. Aus dem Erlebten folgernd spricht R folgende Empfehlung aus: Eine Erkundung des Warndts aus Völklingen kommend, ist auf alle Fälle über die Direktverbindung nach Ludweiler zu empfehlen - zumal das Mitnehmen von Fahrrädern auf dieser Strecke ausdrücklich erlaubt und kostenlos ist. Bis bald einmal mit Neuigkeiten aus der prosperierenden Tourismusregion Warndt! Ronny (<> R!)

Mein Garten
Bestandserfassung von Limenitis camilla

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