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Überwinternder Schmetterling in der Wohnung?

Überwinternder Schmetterling in der Wohnung?

Um diese Zeit gehen wieder vermehrt Nachfragen ein, die Schmetterlinge in der Wohnung oder im Keller betreffen. Jetzt gegen Weihnachten wo alle wieder gut einheizen, kommt es häufig vor, dass ein Falter, der sich ein Überwinterungsversteck im Keller oder gar in der Wohnung gesucht hat, erwacht und wild umher fliegt. Im Herbst suchen sich das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, der Große Fuchs, der Trauermantel und einige andere ein trockenes, kühles Winterversteck. Der Zitronenfalter hingegen überwintert im Freien fast ungeschützt beispielsweise unter Efeu-Blättern. Der Admiral nimmt eine Sonderstellung ein, auf die wir weiter unten noch etwas eingehen werden.

Unser Augenmerk gilt nun jenen, die sich in unsere Wohnungen, Keller, Garagen, Schuppen... einschleichen, weil sie denken, dass dies ein gutes Überwinterungsquartier ist. Das können sie zu diesem Zeitpunkt natürlich nur anhand der aktuell vorherrschenden Bedingungen "einschätzen". Sie wissen nicht, dass Wohnungen später geheizt und auch Keller, wenn beispielsweise der Wäschetrockner auf Hochtouren läuft, zu warm werden kann. Als Grundregel gilt, dass Räume, deren Temperaturen häufiger die 12°C im Winter übersteigen, für die Überwinterung ungeeignet sind. Die Tiere haben begrenzte Reserven, mit denen sie über den Winter kommen müssen, ohne dass sie Nahrung aufnehmen können. Wenn sie nicht in eine Winterruhe mit reduziertem Stoffwechsel fallen und in dieser auch bis zum kommenden Frühjahr verbleiben können, gehen sie bald ein.

Grundsätzlich gilt, dass wenn diese Tiere sich in unseren Räumen befinden und aktiv sind, dann ist das nicht gut für sie, denn es ist in diesem Fall zu warm. Wenn natürlich etwa im Februar die Temperaturen draußen bei Sonne schon deutlich über 12°C steigen und die ersten Blütenpflanzen (Weidenkätzchen) verfügbar sind, dann ist dies was anderes - der Falter erwacht dann aus dem Winterschlaf. Aber sagen wir einmal, es ist November, Dezember, Januar oder gar Februar und es ist noch frostig. Dann ist das Umherfliegen dieser Falter in der Wohnung oder im Keller ein untrügliches Zeichen von verhängnisvollem Irrtum.

Hilfe, ein Schmetterling fliegt in der Wohnung - was sollen wir tun?

Findet man einen solchen Falter, der sich in der Wohnung "verirrt" hat und dort offensichtlich nicht die optimalen Überwinterungsbedingungen vorfindet, was sollen wir dann tun? Zuerst fangen wir den Falter und sperren ihn in einen kleinen Pappkarton (z.B. Schuhschachtel) und bringen diesen sofort in den Kühlschrank, wo sich der gekühlte Champagner befindet (zur Not geht auch Sekt - Hauptsache die Temperatur im Kühlschrank ist deutlich unter 10°C, aber keinesfalls so kalt, dass die Flasche platzt!). Dann wird sich der Falter beruhigen und wir haben etwas Zeit gewonnen. Lassen wir ihn 2 Tage ruhig im Kühlschrank stehen - das schadet ihm nicht. Nun machen wir uns auf die Suche nach einem wirklich geeigneten Überwinterungsquartier. Das ist ein ungeheizter, sehr kühler Kellerraum oder besser eine Garage, ein Schuppen, Dachboden oder Gartenhaus im Freien. Wichtig ist, dass dieser Raum auch die Möglichkeit bietet, dass das Tier im Frühjahr wieder heraus fliegen kann, sonst war all die Mühe umsonst und der Falter stirbt erst im Frühjahr, wenn er sich an der Scheibe ohne Nahrung verausgabt, bis er stirbt. Kommt er aber raus, wird er einen Partner finden und sich reproduzieren können.

Die Idee, dass man die Tiere im Winter füttert, ist gut gemeint, aber kontraproduktiv. Sie würden nicht lange genug leben, um im Frühjahr noch Nachkommen zu zeugen. Daher nehmen die oben aufgeführten Falter eben erst gar keine Nahrung zu sich. Eine Ausnahme stellt der Admiral dar, der erst in jüngerer Zeit überhaupt Versuche unternimmt, in unseren Breiten zu überwintern. Eigentlich überwintert er auch gar nicht - fällt überhaupt nicht in einen tiefen Winterschlaf. Er führt seinen Stoffwechsel zurück und hält auch still - sobald es aber wieder etwas wärmer ist, versucht er wieder Nahrung zu finden. Daher ist es oft der allerletzte Falter im Winter, den wir an Efeu oder an herabgefallenem Obst saugen sehen und nach einem nicht zu harten Winter ist er wieder der erste, der im Frühjahr nach Nahrung sucht. Manchmal sieht man die Tiere sogar um Silvester umherfliegen und in unserem Saarländischen Erstbeobachtungswettbewerb, der jährlich ausgetragen wird, ist er aus diesem Grund nun schon seit ein paar Jahren der erste und meist auch letzte Falter. Dennoch ist es sinnlos, den Admiral im Winter zu füttern. Wenn er frisst, dann fliegt er auch und versucht irgendwo Eier zu legen. Das geht im Keller nicht! Also verfahren wir mit dem Admiral ganz genau so wie mit den zuerst genannten Arten (Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Großer Fuchs, Trauermantel).

Aber wie fange ich den Falter?

Angenommen, der Falter fliegt wild an der Scheibe umher und Sie haben kein professionelles Schmetterlingsnetz zur Hand. Dann nehmen Sie einfach den kleinen Karton und stülpen ihn überden Falter und schieben dann ein Blatt zwischen Scheibe und Karton. Danach machen Sie den Deckel drauf. Das funktioniert auch gut mit einem größeren Glas - das hat den Vorteil, dass Sie den Falter gut sehen. Danach muss er aber umgesiedelt werden in den Karton. Zu diesem Zweck kann auch das Glas im Kühlschrank für eine Weile heruntergekühlt werden, damit er sich beruhigt. Dann wie oben beschrieben den Karton in den Kühlschrank für noch mindestens einen Tag.

Nach dem Winter sieht man den Kleinen Fuchs oft beim Sonnenbad. Er tankt Wärme, saugt Nektar und kommt nach der langen Winterpause wieder zu Kräften, damit er sich fortpflanzen kann.

Der Große Fuchs ist paradoxer Weise im Frühjahr nach der Überwinterung häufiger anzutreffen, als direkt nach dem Schlupf der frischen Falter im Sommer. Das liegt daran, dass die Falter sehr zeitig ihre Winterquartiere aufsuchen, welches sie im Spätsommer und Herbst nur noch sporadisch verlassen, um Nahrung aufzunehmen.

 

Ein Herz für "Brennnesselfalter"
Eine Hecke für Schmetterlinge in unserem Garten

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