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Wir bauen ein Schmetterlingsnetz

Spitzweg_450Ein Schmetterlingsnetz sollte stabil, leicht und wenn möglich billig sein. Beste Schmetterlingsnetze gibt es im einschlägigen Fachhandel wie BioForm und Meyer. Doch diese sind beileibe nicht billig und wenn es kein Klappnetz sein muss, geht es wesentlich leichter. Wie zeigt diese kleine Anleitung.

Wir wollen ein Schmetterlingsnetz bauen, das professionellen ;o) Ansprüchen genügt und es soll leicht sein. Dazu benötigen wir folgendes:

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  • Einen Bambusstock (Baumarkt) von ca. 18mm Durchmesser und Länge nach Wunsch (am Besten zwischen 50-100 cm). Die Verdickungen können ruhig stärker ausgeprägt sein, das erleichtert den späteren Zusammenbau.
  • dünner Edelstahldraht (Baumarkt) von ca. 0,6mm Durchmesser
  • Stahldraht (rostfrei, Edelstahl oder verzinkt) von ca. 3-4mm Durchmesser. Benötigte Länge für einen Netzdurchmesser von 30cm =  ca. 107cm. Bei 40cm Netzen: ca. 138cm.
  • Netzbeutel: entweder fertig gekauft oder selber nähen. Die Beutellänge sollte knapp doppelt so lang sein wie der Netzdurchmesser. Wer selber nähen möchte, benötigt stabilen Tüll und einen Streifen Leintuch (40cm Netz: 9cm x 126cm, 30cm Netz: 9cm x 95cm). Tüll: 90cm x 126cm (40cm Netz), 70cm x 95cm.
  • Borhmaschine mit Bohrer in etwa der Dicke des Stahldrahtes
  • Geeignete Säge für Draht und Bambusstock
  • Bunsenbrenner & Zange (z.B. Wasserrohrzange)

Die folgende Anleitung ist für ein 40cm Netz und muss bei Bedarf entsprechend auf andere Netzdurchmesser angepasst werden. Dieses Netz ist trotz des geringen Gewichtes von nur 300g sehr stabil und steht den gekauften in dieser Beziehung in nichts nach.

Stahldraht rund biegen: Im ersten Arbeitsgang biegt man ihn rund. Dazu wickelt man ihn am Besten um einen runden Gegenstand, der im Durchmesser kleiner ist, als das fertige Netz. Am Besten ist elastischer (schlecht biegsamer) Stahldraht. Ich habe einen im Garten stehenden Baumstumpf verwendet: Ein Loch in den Stamm bohren, den Draht mit ca. 6cm reinstecken und dann um den Stamm wickeln. Mein Stamm hatte ca. 27cm Durchmesser. Danach biegt man den Draht wieder etwas auf, bis er etwa den Enddurchmesser des Netzes beschreibt. 

Enden des Stahldrahtes für die Befestigung biegen: Man biegt die Enden wie in der Abbildung dargestellt. Dazu sollte man den Draht mit dem Bunsenbrenner erhitzen, damit er sich ohne Kraftanstrengung biegen lässt. Ich verwende zum Biegen ein dünnes Rohr, in das ich ein Ende hineinstecke. Dann kann man mit der einen Hand den Draht und mit der anderen Hand das Rohr führen. Einfacher geht es natürlich mit einem Schraubstock. Die Enden werden unterschiedlich lang ausgeführt. Eines mache ich 5, das andere nur 4 cm lang.

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So werden die Enden des Stahldrahtes gebogen. Man beginnt jeweils mit der inneren Biegung. Die äußeren fertigt man wegen des Hebels zunächst mit einem längeren Ende, das man danach abschneidet. Das rechte Netzbügelende im Bild ist 5cm lang, das linge nur 4cm. Dies ist damit die Löcher im Bambusstock später leicht versetzt sind. Der Stock bleibt dann im Ganzen stabiler.

Bambusstock zuschneiden: Der Stock wird auf Wunschlänge gebracht. Man achte dabei aber darauf, dass man immer knapp hinter (von der Stockmitte her gesehen) den jeweiligen Verdickungen schneidet. Wenn die Verdickungen gut ausgeprägt sind, umso besser für die Stabilität der Halterung. Das dickere Ende (sofern es eines gibt) sollte man für den Griff und das dünnere für die Halterung verwenden.
Bambusstock für Halterung vorbereiten: Auf beiden Seiten des Bambusstocks wird jeweils ein Loch gebohrt und zwar in einem Abstand (4 bzw. 5cm), dass später der Bügel symmetrisch aufliegt. Die Löcher sind daher ca. 1cm versetzt und befinden sich demnach in 4 bzw. 5cm Enfernung von der Stockspitze. Wichtig ist aber, dass man das auf den gebogenen Stahldraht abstimmt. Danach wird an der Stockspitze auf beiden Seiten eine Rinne geschnitten wie im folgenden Bild illustriert:

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Auf beiden Seiten wird ein Loch gebohrt und eine Rinne über die Verdickung geschnitten. Die Rinne wird später den Stahldraht "festhalten". Das kann sie um so besser, je stärker die Verdickung ausgeprägt ist. Die Rinne kann man gut mit einer Feinsäge herstellen, eine Metallsäge tut es aber auch.

Edelstahldraht befestigen: Draht durch die Löcher ziehen, einmal rumwickeln und dann verzwirbeln wie im folgenden Bild:

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Das Verzwirbeln muss so geschehen, dass später keine spitzen Drahtenden mehr vorstehen.

Netzbeutel nähen: Eigentlich kein Hexenwerk, wenn man einen kennt, der es einem macht Cool. Der Tüll wird im Leinenstreifen angenäht. Danach legt man das Ganze doppelt und schneidet das ganze in die gewünschte Form (natürlich nicht den Leinenstreifen!) - im Ganzen sollte es am Ende spitz zulaufen etwa wie im folgenden Bild:

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Ist der Tüll in etwa auf diese Form geschnitten, wird er genäht. Als Faustregel gilt, dass die fertige Netzlänge in etwa dem doppelten Durchmesser entsprechen sollte. Gut eignen sich grün, schwarz und weiß für den Tüll. Er sollte feinmaschig, weich und trotzdem stabil und gut luftdurchlässig sein. Je gröber das Material ist, desto schlechter für kleine Tiere. Ein gutes Schmetterlingsnetz eignet sich nicht zum Fischen oder sonstige Aktivitäten im Wasser!!

Die Naht sollte doppelt und nach allen Seiten möglichst glatt ausgeführt sein. Lange Überstände sind später störend. Am Ende wird der Leinenstreifen zu einem Schlauch genäht. Mit diesem Schlauch wird es auf den Netzbügel gezogen.

Binden: Nun der letzte und entscheidende Schritt - der Bügel wird (mit dem aufgezogenen Netztüll!) am Stock besfestigt. Dazu wickelt man zunächst den Bindedraht einige Male um den Stock und danach in nicht zu engen Serpentinen fest um den Stahldraht bis in den Bogen des Stahldrahtes. Von dort beginnt man in gleichmässigen und engen Wicklungen zurück zu wickeln. Wichtig ist, dass man sehr fest wickelt! Man kann dazu gut den Draht an etwas festbinden und das Netz drehen.

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Der Stahldraht darf keinerlei Spiel haben. Mit jeder Umdrehung der Wicklung wird er fester an den Stock gebunden. Die Rinnen halten den Bügel in Position. Ist man beim Wickeln wieder unten angekommen (wie im Bild), dann legt man eine Schleife um die letzten Windungen und schiebt den Draht nach oben unter der Wicklung entlang dem Bügel durch, wo man ihn in einigen Wicklungen um den Bügel endgültig befestigen kann. Spitze Drahtenden sollten nirgendwo hervorstehen. Wem die Wicklung so nicht gefällt, der kann Isolierband herumwickeln oder auch Wolle.

Das Netz ist fertig! Habt ihr gut gearbeitet, werdet ihr erstaunt sein, wie stabil und dennoch leicht das Netz ist. Ein 30cm Netz mit 50cm Stock kann man auf 200g bringen! Zusammenklappen kann man es leider nicht, doch ist es sehr wartungsfreundlich - die Wicklung kann man leicht wieder öffnen, den Stock austauschen und auch den Beutel zu wechseln ist kein Problem. Das teuerste ist der Edelstahldraht - ich habe knappe 5€ für 15m bezahlt. Davon kann man aber schon recht viele Netze machen...

Also los! Bis auf die Sache mit dem Bunsenbrenner ist das kinderleicht. Und wegen der Gardinen erst die Mami fragen gell...

 

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