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Kettensäge, Umwelt- und Artenschutz

Kettensäge, Umwelt- und Artenschutz

Der Aufschrei ist meist groß, wenn Bäume den Kettensägen zum Opfer fallen. So sind insbesondere  Maßnahmen zur Verkehrssicherung, bei denen Streifen bis zu 40m links und rechts der Verkehrswege auf den Stock gesetzt werden, in den Medien meist sehr beklagt. In Leserbriefen wird beklagt, dass gesunde Bäume der "Profitgier" (Holz) zum Opfer fallen und Vögel ihre Brutplätze verlieren. Aus Umwelt- und vor allem Artenschutzperspektive ist dies aber keinesfalls so und im Gegenteil: es handelt sich um höchst sinnvolle Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt! Um das zu verstehen, müssen wir einige Sachverhalte genauer betrachten.

Ein vom Mensch überhaupt nicht beeinflusster Wald wäre zunächst einmal viel größer als die Wälder, die wir in Mitteleuropa kennen. Der Wald würde die Merkmale eines Urwaldes zeigen. So gäbe es häufig Baumriesen und alte Bäume, einige Bäume würden ihr biologisches Maximalalter erreichen. Es gäbe in großem Umfang stehendes und liegendes Totholz in unterschiedlichen Zersetzungsstadien. Der Bestandsaufbau wäre heterogen und unterschiedliche Entwicklungsphasen wechselten mosaikartig ab. Alle Entwicklungsphasen inklusive der Zerfallsphasen kämen vor und überlappten sich. Natürliche dynamische Prozesse würden nicht durch den Menschen gedämpft. Dazu gehören: Schädlingskalamitäten, Sturm, Feuer, das Wirken großer Pflanzenfresser, Bieber, Reiherkolonien in den Kronendächern und vieles andere mehr. Diese Prozesse schaffen auch lichte Strukturen im Wald. Viele dieser natürlichen dynamischen Prozesse werden heute jedoch durch den Menschen stark gedämpft und die Wälder sind zudem vergleichsweise klein. Hinzu kommt ein Aspekt der "naturnahen" Waldwirtschaft. Diese sieht u.a. vor, dass nur noch Einzelstämme entnommen werden und dass auch kleinste Lücken im Wald sofort wieder geschlossen werden. Unsere einst intensiv bewirtschafteten Wälder sind überdies meist Altersklassenforste und durch die gezielte Entnahme nur einzelner Stämme verbleiben diese Flächen in einem künstlichen Dauerzustand mit einem geschlossenen Kronendach. Unsere Wälder werden so immer dunkler und strukturärmer. Arten, welche an lichte Strukturen im Wald und am Waldsaum angewiesen sind, geraten in einen Aussterbestrudel.

Dieser Zusammenhang ist längst erkannt und auch der SaarForst hat in seiner Biodiversitätsstrategie  den Schutz von Arten berücksichtigt, die an lichte Strukturen gebunden sind. Hierzu werden sogenannte Sonderstandorte/Ersatzlebensräume besonders behandelt. Dazu gehören Standorte entlang von Wegen und Straßen, Waldwiesen, Jagdschneisen, Versorgungstrassen, Abbau- und Aufschüttungsflächen etc. Das in den letzten Jahren häufig beobachtete streifenweise "auf den Stock setzen" entlang von Straßen ist in zweierlei Hinsicht sehr positiv zu bewerten. Es werden mit der Maßnahme mittelfristig Waldrandstrukturen geschaffen, die heute kaum noch existieren! Wir alle kennen noch den Schichtaufbau gesunder Waldränder aus unseren Schulbüchern - aber schauen Sie sich unsere heutigen Waldränder einmal genauer an. Meist grenzt der Hochwald direkt an die Straße und direkt an den Acker - kein Quadratmeter wird "verschenkt". Arten, die auf Waldrandstrukturen angewiesen sind - darunter auch viele Schmetterlinge und Vögel - finden kaum noch geeignete Lebensräume. Durch die geschilderte Maßnahme werden wieder Waldränder gebildet, wie sie sein sollten! Zweiter Pluspunkt des Vorgehens: es ist kostengünstiger als die bisher übliche Verkehrssicherung. Der Vernetzungseffekt der Lebensräume untereinander ist ein weiterer Pluspunkt dieses Vorgehens.

Die mit am stärksten gefährdeten Tagfalter Deutschlands können zu den sogenannten Lichtwaldfaltern gerechnet werden. Lichtwald = lichter Wald. Es handelt sich um Schmetterlinge, die an Wald gebunden sind, dort aber lichte Strukturen zum Überleben brauchen. Zwei Vertreter dieser Lichtwaldfalter, der Silberfleck-Perlmuttfalter und der Braune Eichenzipfelfalter kommen im Saarland nur noch im Warndt vor und auf Bundesebene sind sie stark gefährdet – das Saarland hat eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser beiden Arten. Die Schaffung und der Erhalt sogenannter Ersatzlebensräume ist überall dort erforderlich, wo durch das Wirken des Menschen die natürlich dynamischen Prozesse so weit zurückgedrängt sind, dass sie natürlich nicht mehr in ausreichendem Maße entstehen würden.

Der SaarForst informiert in seiner Broschüre zur Biodiversitätsstrategie auch über die Maßnahmen für Lichtwaldarten. Jüngst wurde eine Lichtwaldinitiative gegründet, die in Zusammenarbeit mit dem Saarforst Maßnahmen diskutiert und umsetzt. Eine wesentliche Aufgabe dieser Initiative ist die Information und Aufklärung der Öffentlichkeit. Daher werden an dieser Stelle und in anderen Medien immer wieder gute Beispiele zum Schutz der Lichtwaldarten beschrieben werden.

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