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    Offener Brief an den NABU Saarland

    Sehr geehrte Frau Kraus,

    vielen Dank für die ausführlichen Einlassungen - insbesondere zu den Ameisen. Für Schmetterlinge ist es leider genau anders herum - im Winterhalbjahr würde man genau 100% erwischen (alle Überwinterungsstadien) - aus Faltersicht ist daher der Juni tatsächlich der beste...

    Sehr geehrte Frau Kraus,

    vielen Dank für die ausführlichen Einlassungen - insbesondere zu den Ameisen. Für Schmetterlinge ist es leider genau anders herum - im Winterhalbjahr würde man genau 100% erwischen (alle Überwinterungsstadien) - aus Faltersicht ist daher der Juni tatsächlich der beste Monat. Das trifft insbesondere auf die geschützten und vom Aussterben bedrohten Lichtwaldarten zu. Die Frage ist aber auch, ob im Bereich des Weges und an den Böschungen bei dem ehemals geschlossenen Kronendach überhaupt Ameisen siedelten bzw. welche besonders geschützten Organismen dort vorkommen und durch die Maßnahme gestört, vertrieben oder getötet werden. Haben Sie den Weg gesehen? - der wurde lediglich erneuert und teilweise geöffnet, so dass nun mehr Licht auf den Boden kommt. Die Restvegetation lässt auf die Bedingungen vor der Maßnahme schließen. Anmerkung: es wurde nicht gemulcht.

    Das mit dem "Pranger" sehe ich nicht so. Das trifft wohl eher für den SFL im ursprünglichen Bericht zu. Jeder mag seine Thesen meinetwegen auch mit viel Herzblut im Netz verbreiten - aber im Namen des NABU sollte das in einer solchen Form nicht geschehen, zumal - und darum ging es mir hier - die These durchaus auch unter Naturschutzfachleuten kontrovers gesehen werden. Eine zielgerichtete Diskussion rund um richtig gewählte Mahdzeitpunkte (immer Standortbezogen und auf die Schutzziele gerichtet) oder sonstiger Maßnahmen würde ich begrüßen. Der NABU hat diesbezüglich m.E. die Aufgabe, auf wissenschaftlicher Basis zu informieren und zu agieren.

    In meinem recht großen Garten mache ich seit Jahren selbst Erfahrungen bzgl. Mähzeitpunkten und anderer Pflegemaßnahmen (selbstverständlich mulche ich nicht und setze auf Balkenmäher und Ziege ;-)) auf die Entwicklung der dort vorkommenden Tagfalter und Reptilien. Inzwischen habe ich dort 64 Tagfalterarten nachweisen können und fast in jedem Jahr ist die Zahl derer, für die ich auch Reproduktionsnachweise erbringen konnte, gestiegen. Das wesentliche Ergebnis hier ist: ein Abmähen der gesamten Fläche nach dem Abblühen wäre eine Katastrophe vergleichbar mit einem großflächigen Kahlschlag. Ein sehr kleinflächiges Management - Mähen zu unterschiedlichsten Zeitpunkten im Jahr (Mai, Juni ... Oktober) und Teilflächen als Brachen über den Winter stehen zu lassen, bringt die besten Ergebnisse. Natürlich hätte ich kurzfristig im ersten Jahr die besten Ergebnisse, würde ich gar nicht mähen. Jedoch wäre dann der Lebensraum im nächsten Jahr schon wieder ein ganz anderer und viele Arten würden wieder verschwinden. Mit der Vorgehensweise imitiere ich das "Chaos" unserer früheren noch nicht flurbereinigten extensiven Landwirtschaft, die ein Mosaik von Lebensräumen bot. Ähnlich verhält es sich auch im Wald. Dort ist das Mulchen der Wegränder ohne Nährstoffaustrag leider immer noch Praxis. Aber diese Katastrophe wäre eine noch viel größere, würde man es erreichen, dass alle Wege gleichzeitig nach dem Abblühen im späten September gemulcht würden. Man erreicht damit zwar für einige Organismen einen positiven Effekt, hat aber bei anderen flächendeckend einen "Kahlschlag" organisiert der vielen anderen zum Verhängnis wird. Leider haben teilweise auch Managementmaßnahmen in Naturschutzgebieten schon zur Ausrottung von Arten geführt (teils genau jene die geschützt werden sollten), weil die Maßnahmen entweder falsch definiert oder falsch durchgeführt wurden.

    Insofern sollten wir auch diese Wegesanierung einmal mit etwas Abstand und nicht nur aus der Sicht einzelner Organismengruppen bewerten und schon gar nicht zu einem Waldfrevel aus Gewinnsucht aufblähen.

    Liebe Grüße Ronny Strätling

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    Gast hat den Beitrag Offener Brief an den NABU Saarland kommentiert
    Offener Brief an den NABU Saarland

    Sehr geehrter Herr Strätling, ich bin aktives Mitglied der Deutschen Ameisenschutzwarte. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Ameisenhegerin arbeite ich oft mit Saarforst zusammen, die Kooperation hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Man arbeitet als Verbindungsglied zwischen Natur...

    Sehr geehrter Herr Strätling, ich bin aktives Mitglied der Deutschen Ameisenschutzwarte. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Ameisenhegerin arbeite ich oft mit Saarforst zusammen, die Kooperation hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Man arbeitet als Verbindungsglied zwischen Natur und Wirtschaft und versucht, zwischen menschlichen Interessen und geschützten Arten zu vermitteln und den Tieren ein Überleben zu erleichtern. Meine namentliche Erwähnung veranlasst mich zu dieser Wortmeldung.

    Ich kenne die örtlichen Verhältnisse, um die es hier geht, leider nicht, mein Wirkungsbereich liegt im Ost-Saarland. Nachdem ich den bisherigen Schriftverkehr gelesen habe, ist für mich die Kernfrage der ganzen Geschichte aber nach wie vor nicht ausreichend beantwortet.

    Weshalb wurden die Maßnahmen mitten in der Vegetationsperiode durchgeführt? Ihre Einschätzung, dass dies die beste Zeit des Jahres ist, teile ich nicht. Weder bei den Erdbewegungen, noch bei den Fällungen, so auch diese in der Brutzeit durchgeführt wurden. Man kann von unten definitiv nicht erkennen, ob sich in einer Baumkrone ein Nest befindet und verursacht mit Fällungen innerhalb der Brutzeit vermeidbares Leid. Es mag sein, dass Eidechsen vor einem Bagger weglaufen und Falter wegfliegen können, aber für Ameisen, Käfer, Raupen, Spinnen und allerlei sonstige Kleintiere gilt dies nicht, sie zählen nicht zu den Sprintern im Tierreich und sind für Bagger, Radlader und Mulcher zu langsam. Betrachte ich es im Bezug auf die Waldameisen, hätte sich das Winterhalbjahr als beste Zeit für die Baumaßnahme angeboten. Die Ameisen befinden sich dann tief unter der Erde, Ameisenstrassen sind verlassen und Futterbäume verwaist. Auch der FSC-Waldstandard schreibt zum Thema Wegebau, dass das Mähen der Randstreifen erst nach dem Abblühen des Bewuchses und nach dem Flüggewerden der Bodenbrüter zu erfolgen hat. Und hier wurde ja nicht nur gemäht. Ich persönlich finde auch den FSC-konformen Zeitpunkt noch zu früh, gerade im Sommer findet man an den Pflanzen der Waldwege sehr viele Raupen und Spinnen, für die Instandhaltungsaktivitäten zu dieser Zeit den sicheren Tod bedeuten. Es mag sein, dass die Tiere im Winterhalbjahr aufgrund der Winterruhe nicht fliehen können, aber als möglichen Ruhestandort haben sie den kompletten Waldboden zur Verfügung, während sie sich im Sommer vermehrt an den besonnten Futterpflanzen am Wegesrand aufhalten. Wir haben somit insbesondere im Sommer eine Konzentration auf begrenzter Fläche. Angesichts des Insektensterbens sollte eine generelle Überarbeitung im Bezug auf Mähen, Mulchen und Baumaßnahmen erfolgen. Es wird zu viel gemulcht, in den Wäldern glücklicherweise eher selten aber viel zu oft beim Landesamt für Strassenbau.

    Den rüden Umgangton und fehlende Umgangsformen im Bericht, insbesondere in den Kommentaren, lehne ich ab und sie stimmen mich traurig. Aber genauso lehne ich es ab, einzelne Naturschutzkollegen öffentlich an den Pranger zu stellen. Wir alle kämpfen mit viel Herzblut für die Natur.

    Hier noch einige interessante Informationen zum Thema Mulchmäher, die mir vom Bayrischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zugesandt wurden. Mangels Internetauftritt und durch das vollständige Fehlen einer Kommunikationsabteilung unseres eigenen LUA, beziehe ich viele Informationen vom bayrischen Pendant. Auch hiernach ist der Einsatz im Sommer abzulehnen, ist bei Baumaßnahmen aber üblich. Die negativen Folgen für die Tiere sind die Gleichen.

    Nachstehend einige Informationen zum Thema Mulchmähereinsatz:

    Aus naturschutzfachlicher Sicht ist unbestritten, dass vom großflächigen Einsatz des Mulchens in der Landschaftspflege abgeraten werden muss: So können sich vielfältige Nachteile für den zu pflegenden Lebensraum ergeben (z. B. kein ausreichender Nährstoffentzug aus der Fläche; Bilden einer Streuschicht, die das Aufkommen von Kräutern erschwert). Am gravierendsten ist allerdings der negative Einfluss auf die Wiesenfauna (insbes. Insekten und Spinnen). Während bei einer Mahd das Mähgut vielfach zunächst auf der Fläche liegen bleibt und sich Kleintiere noch daraus zurückziehen können, werden Tiere beim Mulchvorgang unmittelbar in den Boden eingegraben. Aus diesen Gründen ist das Mulchen im Vertragsnaturschutzprogramm bei Grünlandmaßnahmen für den 1. Schnitt generell verboten. Im Folgenden sind einige Arbeiten aufgelistet, die die negativen Folgen des Mulchens auf die Fauna belegen, vom Mulchen in der Landschaftspflege abraten bzw. Alternativen aufzeigen (Stehenlassen von Brachestreifen, Liegenlassen des nicht zerkleinerten Mahdgutes):

    • Auf Streuwiesen ist vom Mulchen abzuraten: „Mulchen ist auf Streuwiesen weder sinnvoll, noch erlaubt. Es führt zu einer Anreicherung von Nährstoffen und schädigt die Tier- und Pflanzenwelt.“, vgl. http://www.lfu.bayern.de/natur/streuwiesen/doc/mb_streuwiesen.pdf (Bayerisches Landesamt für Umwelt - LfU). • Auf nahezu allen (Ausnahme Magerstandorte mit Ertrag 30 dt/ha Trockenmasse) Untersuchungsflächen in einer vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) beauftragten Studie führte ein 1maliges jährliches Mulchen zu einer Abnahme der Biodiversität (insbes. Insektenfauna). Ein großflächiges komplettes Mulchen verhindert also Ansiedlung und Entwicklung einer vielfältigen Insekten- und Spinnenfauna. Allerdings wurden keine Nachteile des Mulchens auf die die meisten Vogelarten beobachtet. Verbesserung für Insekten bringt das Stehenlassen rotierender Brachestreifen (Zunahme von Artenzahlen von Schmetterlingen und Heuschrecken). http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/landwirtschaft/GAP-CC-Agrarpolitik_DE-juli2009.pdf (Ergebnisse eines BfN-Forschungsprojektes zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik). • Auch andere Bundesländer sehen das Mulchen in der naturschutzkonformen Landschaftspflege kritisch: siehe "Hinweise zur Landschaftspflege – Materialien zu Naturschutz- und Landschaftspflege 2005“; Hrsg. Freistaat Sachsen. Dort heißt es: „Aufgrund der überwiegend nachteiligen Wirkungen des Mulchens sollte dieses Verfahren in der Landschaftspflege nur sehr eingeschränkt Anwendung finden. Generell zu verzichten ist auf das Mulchen von Feuchtwiesen, da es hier sehr bald zur Ausbildung einer starken Streuauflage kommt. • Für bayerische Daueruntersuchungsflächen auf artenreichem Dauergrünland (diverse Berichte von B. Quinger im Auftrag des LfU, z. B. „Versuche zur Wiederherstellung und Pflege von Magerrasen und artenreichem Magergrünland im mittleren bayerischen Alpenvorland mit Darstellung des gesamten Versuchszeitraum seit den Startjahren 1989 und 1990 bis zum Jahr 2010“) bewährte sich das Liegenlassen des Schnittgutes (ohne Zerkleinerung) als Alternative zum Mulchen als kostensparende Pflegemaßnahme im Wechsel mit der Mahd, allerdings nur für bestimmte Vegetationstypen.

    Schöne Grüße Ihr Online-Kommunikations-Team

    Mit den besten Grüßen, Sandra Kraus

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  • Zorba52
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    ronny updated a blog post
    Offener Brief an den NABU Saarland
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