Schmetterlingsforum - Blog und Austauschplatform

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Offener Brief an den NABU Saarland

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Immer wieder stolpere ich über unausgewogene Berichte aus den Naturschutzverbänden, wie den folgenden. Hier werden ohne viel Nachdenken und Recherche Dinge ungespitzt und mit harschen Formulierungen in die Massenmedien gedroschen. Ich frage mich: Wem nutzt dieses Gepolter? Dass man sich mit der komplexen Thematik dynamischer Prozesse und deren Notwendigkeit für das Überleben ganzer Organismengruppen kritisch auseinandersetzt, wird vermutlich ein unerfüllter Wunsch bleiben. 

Ulrich Leyhe publizierte auf NABU Saarlouis/Dillingen folgenden Text: 

Der dem Umweltministerium unterstehende Saarforst Landesbetrieb scheint von allen guten Geistern verlassen. Der hemmungslose Eingriff in den Saarwellinger Forst ist praktizierter Waldfrevel

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Unsere NABU Mitglieder und Informanten sind wie sich aktuell wieder zeigt, gut vernetzt und das ist auch dringend nötig. Nicht nur für den Windkraftausbau opfert der Saarforst skrupellos den Staatswald. Für bare Münze schreckt man in Saarbrücken vor nichts mehr zurück und kein Baum ist mehr heilig. Aktuell fällt ein besonders negatives Schlaglicht auf das Naherholungsgebiet um die Hauser Mühle zwischen Saarwellingen und Schwarzenholz, wo großflächig und rücksichtslos Wegebau-Maßnahmen durchgeführt wurden und wo man massiv Erschließungsstraßen samt Entwässerungsgräben bis zu einer Breite von 5 Metern in den Wald schob und in die Böschung trieb. In der Sprache des Saarforstes nennt sich so was schlicht und einfach " Revier 05 SFL" (für Saarforst Landesbetrieb). Aber es kommt noch dicker. Denn statt das man diese Zerstörungen in die Ruhephase der Vegetation legte, führte man sie bedenkenlos im Juni 2017 durch und schlug die einen Hektar große Bresche mitten in der Brutzeit. Dieser Monat ist für die gesamte Tier- und Pflanzenwelt unserer Heimat von besonderer Bedeutung. Im Juni kommen viele Jungtiere zur Welt und die Vegetation explodiert. Aber der für seine "ökologische Behutsamkeit" obendrein noch zertifizierte Saarforst ist sogar noch steigerungsfähig. Man verteilte nämlich die Massen des Wegeausbaus rigoros über den gewachsenen Waldboden. Ameisen, Käfer, Blindschleichen, Eidechsen kurz gesagt, alles was den Waldboden besiedelt, wurde unter einer dicken Erdschicht abgetötet. Brombeerhecken, Himbeeren, Farne, Stauden, Naturverjüngung im Altersklassenwald etc. spielen für den Saarforst keine Rolle. Aber die Maßnahme zeugt leider auch vom fehlendem Sachverstand der Verantwortlichen. Man schreckte nämlich noch nicht einmal davor zurück wichtige, den Wald prägende Randbäume zu fällen und öffnete das geschlossene Kronendach, in dem man es Aufriss und damit den Restwald besonders anfällig gegen Sturmschäden macht und zudem gesundes Wurzelwerk untergrub. All das nimmt der Saarforst billigend in Kauf, damit kurzsichtig betrachtet die Kasse stimmt. Hier fand ein eklatanter Verstoß gegen das Rodungsverbot innerhalb der gesetzlichen Brut-und Aufzuchtzeiten statt und zusätzlich ein Vergehen gegen die Vorgaben zum Schutz des belebten Oberbodens. Wir haben es aufgegeben die Frage nach den Verantwortlichen zu stellen. Denn hier verstößt der Saarforst katastrophal gegen Regelungen, die er sich selbst auferlegt hat. Und dies hat mit ordnungsgemäßer Forstwirtschaft oder erst recht einer "naturgemäßen ökologischen Waldwirtschaft" nichts mehr zu tun. Der Saarforst wäre gut beraten seine diesbezüglichen Auszeichnungen schnell wieder zurück zu geben, denn er hat sie sich leider nicht verdient.
Fotos: NABU Saarlouis/Dillingen
gefällte Randbäume mit Kennzeichnung, "moderner" Waldbau und keine neue Bundesstraße sowie erhebliche Randzerstörungen.  

Quelle: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1445727588815858&id=609993279055964 

nach NABU Saarlouis/Dillingen

NABU Saarlouis/Dillingen | Facebook

Der dem Umweltministerium unterstehende Saarforst Landesbetrieb scheint von allen guten Geistern verlassen. Der hemmungslose Eingriff in den...

Erste kritische Anmerkung zum Text

Am 13. August hatte ich eine erste Anmerkung zum Text auf Facebook gepostet. Der Text kann nachfolgend gelesen werden: 

Liebe NABU Saarlouis/Dillingen. Ich bin einigermaßen entsetzt über diesen Bericht und darf dem Saarforst hier auch aus Naturschutzsicht ein wenig zur Seite springen. Jeder, der sich eingehender mit der Biodiversitätsstrategie des SFL beschäftigt, wird in den dargestellten Bildern noch kein Fehlverhalten feststellen - teils sogar im Gegenteil. Das will ich auch erklären. Vorab schon mal: Ich arbeite nicht im Forst, beschäftige mich aus Naturschutz-Sicht heraus aber intensiver mit dem Thema. 

Es ist leider immer noch so, dass das Fällen eines Baumes in der Öffentlichkeit als der größte anzunehmende Frevel gilt, während das gleichzeitige Mähen im Offenland und allen Gärten (für die Biodiversität ein schreckliches Drama!) kaum negativ besetzt ist. 

Schauen wir auf die Waldbewohner, so stellen wir fest, dass es nicht nur Bewohner der Bereiche mit geschlossenem Kronendach gibt, sondern sehr viele mehr, die auf die verschiedenen Sukzessionsstadien angewiesen sind (gerade auch die von Ihnen zitierten Arten!). Jene sind in der Evolution nicht vom Himmel gefallen und verdanken ihre Existenz der Koevolution mit großen Pflanzenfressern, welche für lichte Strukturen im Wald sorgten. Schauen wir auf die Gefährdungslage der verschiedenen Waldbewohner, so stellen wir weiter fest, dass gerade jene, die auf lichte Strukturen und verschiedene Sukzessionsstadien angewiesen sind, am allermeisten gefährdet sind. Der Silberfleck-Perlmuttfalter ist im Saarland 2014 ausgestorben und der Braune Eichenzipfelfalter wird ihm vermutlich bald folgen. Nachtschwalbe und Haselhuhn sind weitere Beispiele. 

Die Forstwirtschaft hat lange Zeit die Lebensräume der Lichtwaldarten imitiert, indem sie die Waldwirtschaft sehr intensiv und ausräuberisch betrieben hat. Diese Bewirtschaftung wurde von der sogenannten „naturnahen" Waldwirtschaft abgelöst, bei der Einzelbaumentnahme sowie das durchgehend geschlossene Kronendach charakteristisch sind. Zur erforderlichen Sukzession, kommt es nicht mehr in ausreichendem Maß, wenn verheerende Stürme oder Schädlingsbefall ausfallen bzw. durch menschliches Handeln gedämpft werden. In einem wirklichen Urwald mit ausreichender Größe gibt es genügend solcher dynamischen Prozesse, dass auch die Lichtwaldarten überleben können. Aber solch große Wälder gibt es bei uns leider schon lange nicht mehr. Die relevanten Großsäuger hat man ausgerottet und Waldweide wird kaum noch betrieben. Aus diesem Grund heraus hat der SFL in Zusammenarbeit mit den relevanten Stellen eine Biodiversitätsstrategie erarbeitet, die diese Aspekte berücksichtigt (Nachzulesen hier: https://www.saarland.de/223819.htm).

Auf den Bildern des Berichtes erkenne ich folgendes: Einen geöffneten Weg - hier werden sich in Kürze wertvolle Strukturen für Lichtwaldarten zeigen. Diese sind nicht von Dauer und es müssen solche oder ähnliche Stellen an immer wieder anderen Orten entstehen. Ein Veilchen, das hier über 6h Sonne abbekommt, wird so zum Larvalhabitat für verschiedene Waldschmetterlinge wie z.B. den Silberfleck-Perlmuttfalter. Junge Eichenschösslinge im Randbereich, die ebenfalls gut besonnt werden, dienen dem Braunen Eichenzipfelfalter als Wirtspflanze. Die Polter und Rohbodenbereiche und die geräumten Wegekreuze werden sich ebenfalls zu wertvollen Lebensräumen entwickeln. Wir reden hier von sogenannten Sonderstandorten, an denen Ersatzlebensräume für hochgradig gefährdete Waldarten geschaffen wurden. Diese Arten können nur hier und nicht im Offenland überleben. 

Bitte nehmt euch doch mehr Zeit für Recherche und berichtet weniger emotional - ich bin ein treuer Leser und Fan eurer Beiträge!  

Hier noch ein Auszug aus der Kommentar-Jauchegrube zu dem Beitrag auf Facebook. Das hat mich letztendlich dazu gebracht, diese Zeilen zu schreiben! Lesen und wirken lassen. Da ist Stand heute mindestens ein Beitrag dabei, den man löschen müsste ("aufhängen"). Ich hoffe zukünftig auf konstruktivere Beiträge, wenn es um Naturschutz geht. Und nicht zuletzt hoffe ich darauf, dass Wissen und Recherche sich auf Dauer gegen primitive Pöbeleien und Gepolter ohne Sachkenntnis im Netz durchsetzen werden. 

Letzte bissige Anmerkung zum Schluss: Die Profilbilder und Namen habe ich rot übermalt, da ich nicht möchte, dass solche Dinge mit Namen im Internet dauerhaft ausgestellt werden. Aber ich darf euch verraten, dass mehr als die Hälfte der Profilbilder nicht die Person selbst zeigen, sondern ihren Vierbeiner. Zufall? Ich fürchte, nein. Die Eutrophierung der Waldwegränder durch Hundekot und die daraus entstehende artenarme Vegetation wäre eine eigene Abhandlung wert. Man könnte an einigen extremen Stellen gar eine ganz eigene Pflanzengesellschaft, die sogenannte "Frolikgesellschaft" beschreiben.  

Stellungnahme des Saarforst Landesbetriebes

Hallo Herr Strätling,

hier wird eine Wegesanierungsmaßnahme zum Super-GAU stilisiert. Solche Wegesanierungen sehen unmittelbar nach Umsetzung meist nicht besonders ästhetisch aus, sind aber aus naturschutzfachl. Sicht unproblematisch, weil sich alles im Bereich der Wegetrasse abspielt, die durch den Weg eh bereits gestört ist (Wasserhaushalt, Bodenauf- und abtrag,…). Meist ist nach 1-2 Vegetationsperioden der unästhetische Eindruck wieder verschwunden.

Ich finde es schade, dass sich bestimmte Personen aus der ehrenamtlichen Naturschutzszene mit Vergnügen auf jeden noch so unbedeutenden, aber vermeintlichen Naturfrevel stürzen und diesen versuchen als „Ende des Naturschutzes bei SFL" aufzublähen.

Wir arbeiten mit vielen ehrenamtl. Naturschutzfachleuten konstruktiv zusammen; ob das Ihr Input zum Thema Lichtwaldarten / Falter im Warndt ist, das Input von Gabi Stein zum Thema Amphibien oder Sandra Kraus zu den Ameisen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wir sind immer froh, wenn externes Fachwissen zugespielt wird, das wir in unser „Waldmanagement" einbauen können.

Bei solchen Kooperationen kommt sehr viel Positives für den Naturschutz raus. Wir Förster sind zwingend auf das Fachwissen von Artenschutzexperten angewiesen, das wir dann in „Försterdeutsch" übersetzen und in unsere „Waldmanagement" einbauen können.

Ich biete aus diesem Grund auch immer wieder Excursionen und Fachvorträge zu unseren integrativen Naturschutzkonzepten an, oft in Kooperation mit NABU und BUND. Dort wird offen und kontrovers diskutiert, um unsere Naturschutz-Strategien kontinuierlich weiter zu entwickeln. Wir scheuen da auch keine Diskussion und korrigieren Fehlentwicklungen, wenn es notwendig ist.

Genau die Leute, die jetzt wieder diese „Hetze" lostreten (um bei Ihren treffenden Worten zu bleiben) nehmen diese Info- und Diskussionsangebote aber nicht wahr. Die entsprechenden Personen glänzen fast immer durch Abwesenheit. Dort könnte man ja einmal offen und fair über „Waldmanagement" und die notwendigen Kompromisse zwischen Nutzen und Schützen diskutieren.

Auch sind sie offensichtlich nicht einmal in der Lage oder Willens einfach zum Telefonhörer zu greifen und sich beim zuständigen Revierleiter einfach einmal über einen vermeintlichen Naturfrevel zu informieren.

Förster sind auch nur Menschen. Und wo Menschen agieren passieren Fehler. Diese Fehler soll und muss man ansprechen, um daraus für das nächste Mal zu lernen. Aber wo kein Fehler passiert ist, darf man auch keinen konstruieren.

Aber vielleicht will man dieses Gespräch auch gar nicht, vielleicht ist es ja einfacher immer wieder den Schmutzkübel auszuleeren.

Das Problem ist aber, dass diese Personengruppe mit ihren Diffamierungen und Skandalisierungen auf Bild-Zeitungsniveau unsere Kollegen demotiviert: „Der Naturschutz" hat dann mal wieder unsachlich Dreck ausgeschüttet. „Der Naturschutz" wird von den Kollegen zunehmend mit dieser Personengruppe gleichgesetzt.

„Der Naturschutz" wird dann wieder zunehmend zum Feind, von dem man sich distanziert, mit dem man nicht mehr kooperieren will.

Wenn wir aber den Waldnaturschutz weiterentwickeln wollen, dürfen wir uns nicht auseinander dividieren lassen und sollten versuchen die positive Zusammenarbeit zwischen Forstbetrieb und allen kooperationswilligen und kooperationsfähigen Naturschutzinteressierten fortzusetzen.

Gerade Ihr Engagement im Warndt ist das beste Beispiel dafür, wie Kooperation aussehen kann. Das Fachwissen, das bei Ihnen und Ihren Kollegen zum Thema Falter vorhanden ist, hat niemand von uns Förstern. Aber wir können versuchen es in unsere Bewirtschaftung zu integrieren.

Und aus dieser Kooperation erwächst dann positive Naturschutzarbeit.

Von daher ein Dankeschön an Sie für die Unterstützung und mein Appell, weiter zusammenzuarbeiten und den Diskussions- und Kooperationsunwilligen das Modell der Kooperation und der positiven Beispiele entgegenzustellen.

Vielleicht müssen wir auch in den Naturschutzverbänden viel stärker und häufiger die positiven Ergebnisse vorstellen, um die Gruppe der Kooperationsunwilligen zu isolieren.

Viele Grüße

    Roland Wirtz 

Besichtigung am 27.08.2017 und Bewertung

Gleich am Eingang zum Wald auf diesem "Parkplatz", der zwar keiner ist, gerne aber als solcher von den Waldbesuchern genutzt wird, befindet sich dieser wunderschöne Totholzstamm. Manch unaufgeklärter Zeitgenosse sieht auch darin bereits einen Waldfrevel.

Ich hatte mir vorgenommen, den diskutierten "Waldfrevel" persönlich in Augenschein zu nehmen. Hierzu habe ich am 27. August - etwa zwei Monate nach Durchführung der Maßnahme einen Begang durchgeführt. Das was ich dort festgestellt habe, zwingt mich leider, eindeutig Stellung zu beziehen. Der erste Eindruck der von NABU Saarlouis/Dillingen geteilten Bilder hatte bereits den Eindruck vermittelt, dass die Vorwürfe unbegründet und auf naturschutzfachlich völlig falschen Vorstellungen beruhen. Während der Begehung konnte ich feststellen, dass hier nicht im Mindesten ein Fehlverhalten des SFL vorlag. Ich hätte gehofft, tatsächlich problematische Verstöße und Vorgehensweisen im Bezug auf den Naturschutz feststellen zu können, um einen konstruktiven Dialog zwischen den Beteiligten initiieren zu können. Allerdings komme ich hier zu einem eindeutigen und klaren Resultat. 

Zugegeben - das hier sieht nicht schön aus und wirkt wie Zerstörung, was es im Endeffekt ja auch ist. Dennoch - hier ist ein wertvoller Lebensraum entstanden und im nächsten Jahr finden sich hier vielleicht schon tatsächlich Waldameisen und Waldeidechsen.

Die durchgeführten Maßnahmen dienen der Instandhaltung eines von Wanderern und Fahrradfahrern vielgenutzten Weges. Von einem Vorgehen, der die Formulierung "Der hemmungslose Eingriff in den Saarwellinger Forst ist praktizierter Waldfrevel" rechtfertig oder auch nur nachvollziehbar macht, ist keine Spur. Es handelt sich um ein Sandgebiet. Das bedeutet, dass ungeschotterte Wege ihren Zweck für die Waldwirtschaft und zur Nutzung für die Naherholung nicht erfüllen können. Also müssen solche Wege von Zeit zu Zeit instandgesetzt werden. Hierzu werden die Wege abgeschoben und planiert und am Rand Grabenstrukturen gezogen, damit bei starken Regenfällen die Wege nicht gleich wieder zerstört werden. Ein neu angelegter Weg hat zusammen mit den Randgräben leicht die Breite von 5 Metern. Das sieht im ersten Jahr ästhetisch nicht sehr schön aus, wird aber bereits im Folgejahr nicht mehr auffallen. 

Die Aussage "... führte man sie bedenkenlos im Juni 2017 durch und schlug die einen Hektar große Bresche mitten in der Brutzeit." verfälscht die tatsächliche Situation eklatant. Es wurde keine Bresche von einem Hektar gezogen, denn der Weg existierte schließlich bereits und musste erneuert werden. Eine Holzernte über den bestehenden Weg hätte eine einzige unpassierbare Matschspur statt eines Wanderweges zurückgelassen. Im Randbereich wurden tatsächlich einige Bäume gefällt - es sind dies sowohl schwache Stämme von Buche, Kirsche, Fichte, als auch eine Hand voll stärkere Stämme von Eiche, Fichte und Buche. Das wurde vermutlich aus einer Reihe von Gründen getan. Zum einen ist die Destabilisierung der Wurzelwerke im Randbereich und die Verkehrssicherung ein Grund. Zum Anderen erkennt der Fachmann hier die Anwendung einer Biodiversitätsstrategie zu der sich der Saarforst verpflichtet hat. Es geht hier um die Schaffung von Lichtwaldstandorten an sogenannten Sonderstandorten, die eh schon einem gewissen Störregime ausgesetzt sind. Hier handelt es sich um eben diesen Weg, Wegekreuze und Polterflächen zur Lagerung von Stammholz. Das mag dem Laien in einer naiven Betrachtung als Frevel erscheinen, ist aber in einem so kleinen Wald, der kein Urwald sein kann und in dem sonstige natürliche dynamische Prozesse fehlen, im Sinne der Biodiversität sinnvoll und zu begrüßen. 

Auf den Polterflächen wachsen nun bereits - statt des Adlerfarnes - diese unscheinbaren Veilchen in großer Zahl. Hieran leben beispielsweise der Kaisermantel oder der Silberfleck-Perlmuttfalter, der in unseren Wäldern inzwischen leider ausgestorben ist - ein Ergebnis der Tatsache, dass es viel zu wenig besonnt stehende Veilchen in unseren Kulturwäldern gibt.

​Bei meinem Begang konnte ich die Polterflächen begutachten - hier gelangt nun Licht auf den Boden, wo er noch nicht mit Adlerfarn vollständig bedeckt ist. Hier können sich nun wieder Waldameisen ansiedeln, die vor der Maßnahme hier keinen Lebensraum fanden. Hier wachsen nun auch sonnenexponiert Veilchen - Wirtspflanzen einer ganzen Reihe von Waldschmetterlingen, die genau auf diese angewiesen sind. Blindschleiche und Waldeidechse finden neue Lebensräume, denn auch sie können im dichten Dunkel eines geschlossenen Kronendachs nicht überleben. Die Liste könne man recht lang fortführen. Es sei an dieser Stelle auf die zahlreichen Publikationen verwiesen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Natürliche dynamische Prozesse sind Stürme, das Wirken großer Pflanzenfresser, (Lawinen), Schädlingskalamitäten oder ähnliches, die durch das Wirken des Menschen gedämpft werden und in den kleinen Wirtschaftswäldern zu selten sind, als dass ein wirklich naturnaher Naturwald entstehen könnte, der allen Lebensgemeinschaften des Waldes ein Zuhause bietet. Die sogenannte Lichtwaldbiozönose ist nicht rein zufällig eine der gefährdetsten Lebensgemeinschaften! Insofern sind Maßnahmen an solchen Sonderstandorten nicht nur als Wald- und Forstwirtschaftsmaßnahme notwendig, sondern erfüllen auch eine wichtige Aufgabe zur Erhaltung einer gesunden Biodiversität. 

"Man verteilte nämlich die Massen des Wegeausbaus rigoros über den gewachsenen Waldboden. Ameisen, Käfer, Blindschleichen, Eidechsen kurz gesagt, alles was den Waldboden besiedelt, wurde unter einer dicken Erdschicht abgetötet." 

nach Ulrich Leyhe
Die Aufgabe der Naturschutzverbände ist unter Anderem das Einsetzen für den Natuschutz einschließlich Bildung und Forschung. Der Bericht des NABU Saarlouis/Dillingen macht hier leider nur Stimmung ohne Berücksichtigung des Forschungsstandes und naturschutzfachlicher Erfordernisse. Die untersuchten Wegstrecken boten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor der Maßnahme keiner Waldameise einen Lebensraum - dazu war es zu dunkel, denn sie benötigen Licht und Wärme für ihren Bau. Für Eidechsen gilt das Gleiche. Blindschleichen werden ebenfalls erst munter, wenn sie sich vorher irgendwo aufwärmen durften. Naturschutzfachlich ist es sicher weniger gewagt, zu behaupten, dass es an den besprochenen Stellen vorher keine Ameisen, Blindschleichen und Waldameisen gab, als dass die hier aufgestellte Behauptung einen Wahrheitsgehalt hätte. Die Massen des Wegeausbaus wurden im übrigen nicht großflächig verteilt - bitte schaut euch die Bilder in der Fotogalerie an. 

Zweck des Naturschutzbund Deutschland e.V. sind die Förderung des Naturschutzes, der Landschaftspflege, des Tierschutzes unter besonderer Berücksichtigung der freilebenden Vogelwelt und das Eintreten für die Belange des Umweltschutzes einschließlich der Bildungs- und Forschungsarbeit in den genannten Bereichen. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. betreibt seine Aufgaben auf wissenschaftlicher Grundlage.

nach NABU-Bundessatzung § 1

Bei der Begehung begegnete ich einer Reihe von Wanderern und Radfahrern. Den Radfahrern hat der neue, nun geschotterte, Weg offenkundig gefallen. Hier kann man geteilter Ansicht sein, aber so sieht es die Aufgabe des SFL eben vor. Nutznießer der Maßnahme sind Wanderer und Radfahrer nicht zu letzt - dabei darf man nicht vergessen, dass ohne die Forstwirtschaft gemäß heutiger Zieldefinitionen überhaupt keine Wege durch den Wald führen würden. Jeder, der schon mal versucht hat, einen Waldweg über Jahre selbst freizuhalten, wird verstehen, wovon ich rede.

Im Randbereich und auf den Poltern entdeckte ich bereits jetzt viele Veilchen als Primärvegetation. An vielen Stellen wurde der Biodiversitätskiller Adlerfarn in einem schmalen Streifen zurückgedrängt, ebenso hat es einen Bestand des großen Bärenklaus getroffen. Kritisiert wird auch der Zeitpunkt, an dem die Maßnahme durchgeführt wurde. Es verbietet sich natürlich, Wege zu sanieren, während der Boden sehr feucht ist und keinesfalls sollte das außerhalb der Vegetationsperiode erfolgen - das geht zwar während trockener Perioden, trifft aber dann mit Sicherheit die meisten Lebewesen, die dort leben. Denn diese sind dann immobil. Während die Schmetterlinge fliegen und die Waldeidechsen jagen, werden sie - sofern sie überhaupt dort vorkamen - auch flüchten können. Daher ist es gute Praxis, Wege während des warmen und trockenen Sommers zu sanieren. 

Diese Wegabzweigung wurde "geöffnet" und wird für die nächsten Jahre einen schönen Ersatzlebensraum für Lichtwaldarten bilden. Das Braunauge liebt solche Stellen und findet im Regenschutz an den Böschungen und unter liegenden Stämmen sogar sein Larvalhabitat. Hier werden im zeitigen Frühjahr sicher zu allererst die Blindschleichen beim Sonnenbad zu beobachten sein!

Zusammenfassend finde ich es schade, dass im Namen eines der renommiertesten Naturschutzverbände solch unreflektierten Beiträge in die Öffentlichkeit getragen werden. Ich erwarte mir vielmehr, dass die Öffentlichkeit mehr aufgeklärt und informiert wird, als - wie hier geschehen - falsch verstandene, naive Naturschutzvorstellungen zu befeuern und eine Diskussion von fast unsäglichem Niveau auf Facebook zu erzeugen. Inzwischen sind wohl einige Kommentare gelöscht worden - einen davon hatte ich selbst an Facebook gemeldet. Zudem finde ich es sehr schade, dass die Biozönose der Lichtwaldarten inzwischen nicht nur Opfer der Tatenlosigkeit wird, sondern bereits aktiv - mangels Sachkenntnis - bekämpft wird. Ich hoffe hier auf mehr Aufklärung und Information und weniger Polarisation à la Trump. Jetzt bin ich mit meinem emotionalen Statement aber auch zu einem Ende gelangt. Man sehe mir die Emotionalität bei dem Thema nach und sollte sich jemand durch meine Ausführungen verletzt fühlen, so bin ich gerne bereit, die entsprechenden Stellen zu ändern und den Dialog zu suchen. 

Stellungnahme von Ulrich Leyhe

Lieber Ronny, 

schön, dass Du Dir allerdings erst nach unserem langen Telefongespräch die Zeit genommen hast, Dich mal mit der Sache "Saarwellingen" näher zu beschäftigen. Wir vertreten hier in der Tat konträre Positionen, über die man sich sicherlich austauschen kann. Wenn man allerdings wie ich pro Jahr ein dutzend Anrufe verärgerter Bürger in Empfang nehmen muss, die wohl am SFL vorbei gehen, insbesondere aus der Region Rehlingen – Siersburg und die sich über die Methoden des Saarforstes bei mir ausschütten, da sich sonst kein Ansprechpartner finden lässt, schwindet mit der Zeit Verständnis und Kooperationswille sich mit einem am Gewinn orientierten Wirtschaftsbetrieb über Natur- und Artenschutz zu unterhalten. Sicherlich schafft nicht nur der Braunkohletagebau wie auch der SFL in einigen Jahrzehnten hervorragende Sekundärstandorte für seltene Pionierarten. Ich möchte hier auch nur am Rande an die unsägliche Waldrodung und Bodenzerstörung im Interesse der Windkraftindustrie erinnern, die zahlreiche Forstleute auch aus unserer Region an den Rand der Verzweiflung treibt, die aber die grundsätzliche Einstellung des SFL zum Schutzgut Wald offenbart. Förster, die sich allerdings allesamt nicht öffentlich äußern können bzw. dürfen. Diese Stimmen vertritt in unserer Region der NABU Saarlouis/Dillingen. Alles vor dem Hintergrund, die Natur hilft sich irgendwann von alleine zu sehen, es kommt nur auf die Jahrzehnte etc. an, die man ihr dafür Zeit lässt, ist natürlich ein passendes Argument. Aber die menschliche Lebenszeit ist endlich und jeder sieht nur eine Momentaufnahme in der Natur. Viele Mitmenschen sehen aber sehr wohl die Zerstörung vor ihrer Haustür und bei ihren Spaziergängen und das vor allem mitten im Juni in der von uns kritisierten Vegetationszeit, die sich auch nicht schön reden lässt. Ich könnte Dir jetzt ein abendfüllendes Programm über die Auswüchse der Forstwirtschaft nicht nur im Saarland präsentieren und habe zur Kenntnis genommen, dass Du Dich hier offensichtlich als Sprachrohr des SFL betätigst. Es steht Dir frei an unserer Darstellung Kritik zu üben, ich darf Dich aber auch darüber in Kenntnis setzen, dass sich der hiesige NABU diese Kritik auch nicht aus den Fingern gesogen hat, sondern das sie uns von ausgebildeten und erfahrenen Wald- und Forstexperten aber auch von betroffenen Anwohnern zugetragen wurde. Wir können nicht überall sein, und wir stehen da auch nicht allein auf weiter Flur. Deinen Zeilen sind allerdings derart häufig Feststellungen und Bemerkungen zu entnehmen, die ein schlechtes Gewissen signalisieren und somit mit unserer Kritik deckungsgleich sind und sie bestätigen, sodass ich ich im Resümee festhalten darf, dass Du in weiten Teilen auch unsere Ansichten vertrittst. Der NABU verdient mit Holz kein Geld, er erntet nicht den Wald. Ich schließe mich da gerne den Worten von Herrn Wirtz an, der da in einem Teilsatz schreibt " Vielleicht müssen wir auch in den Naturschutzverbänden viel stärker und häufiger die positiven Ergebnisse vorstellen". Man ist geneigt zu antworten, wenn es sie denn gibt, aber hier wird auch ein vom SFL erkanntes Defizit an Bevölkerungsinformation deutlich, dass sich aber mit noch so viel Erklärungen nicht aus der Welt schaffen lässt, denn der Wald muss eben Geld verdienen und irgendwann danach kommt auch mal die Natur. Und über das Thema "Brennholzkultur" haben wir auch noch nicht gesprochen. Wir haben in der Tat keinen Natur – sondern einen Wirtschaftswald und der Bedarf nach Holz vor allem in Asien wächst mit der Bevölkerungszunahme rasant. Wie alt darf bei uns in der Zukunft ein Baum noch werden Ronny ? Diesem Missverhältnis mit verstärktem Holzeinschlag nicht nur in Rumänien sondern auch in Deutschland zu begegnen, kann nicht unser aller Ziel sein und kann von keinem Naturschutzverband ernsthaft begrüßt werden. 

Halt Dich munter

Gruß

Ulrich Leyhe 

Sieht schrecklich aus - im Moment. Das hier ist aber ein ausgesprochen guter Lebensraum für Waldameisen, Waldeidechsen und vielleicht bald schon den Braunen Eichenzipfelfalter, wenn sich hier im Licht junge Eichenschösslinge entwickeln. Durch das Licht werden sich schon im nächsten Jahr Blütenpflanzen eingefunden haben, die der Stelle ein wesentlich attraktiveres Erscheinungsbild bescheren wird.
Sieht auch nicht schön aus - noch nicht. Hier wurde Wegmaterial durch starke Regenfälle weggeschwemmt in diesen genau dafür vorgesehenen Bereich. Der Rohbodenaspekt wird bald verschwunden sein und mit etwas Glück siedeln sich hier nicht Brennnessel und Adlerfarn oder Riesenbärenklau an, sondern Baldrian und Wasserdost. Der Kleine Eisvogel wird im hinteren Bereich sein Larvalhabitat vorfinden und hier genügend Nektar und Möglichkeiten zur Aufnahme von Mineralien vorfinden.
Offenbar diente die Maßnahme auch dazu, den Riesenbärenklau zurückzudrängen. Diesem Exemplar jedenfalls macht man am Besten auch den Garaus! Das will kein Mensch - beim Pilzesuchen in Kontakt mit dieser Pflanze geraten. Ähnlich ist das Zurückdrängen des Adlerfarnes zu bewerten.

Stellungnahme von Ulrich Leyhe

Nachfolgend findet ihr die Stellungnahme von Ulrich Leyhe zum Offenen Brief an den NABU Saarland . Herzlichen Dank Ulrich, dass Du trotz unserer kontroversen Ansicht das Thema konstruktiv aufgreifst!  Liebe Grüße, Ronny Lieber Ronny,   schön, dass Du Dir allerdings erst nach unserem langen Telefongespräch die Zeit genommen hast,...
https://www.schmetterlingsforum.de/eb/entry/Berichte/stellungnahme-von-ulrich-leyhe.html

Bestandsmonitoring von Boloria euphrosyne

Bestandsmonitoring von Boloria euphrosyne ( Linnaeus , 1758), Silberfleck-Perlmuttfalter (Lepidoptera: Nymphalidae), mittels Fang-/Wiederfang im deutschen Teil des Warndts (Saarland). Die Publikation wird gerade erst erstellt. Diese Online-Vorabversion ist noch als Draft zu sehen. Feedback ist sehr willkommen. Der Silberfleck-Perlmuttfalter Boloria euphrosyne kommt von Nordportugal, Irland und Norwegen durch fast ganz Europa bis zum Nordkap und durch Sibirien bis zum Pazifischen Ozean vor. In Südeurop...
https://www.schmetterlingsforum.de/eb/entry/Berichte/bestandsmonitoring-von-boloria-euphrosyne.html

Diskussion: Lichtwaldarten als Teil der regionalen Biodiversitätsstrategie

In der Broschüre Regionale Biodiversitätsstrategie (Hrsg. SaarForst Landesbetrieb, Text Roland Wirtz) wird für den Teilbereich Subatlantische Buchenwälder im Kapitel 6 auf Lichtwaldarten eingegangen. Wir wollen die im Einzelnen vorgeschlagenen Maßnahmen diskutieren und im Hinblick auf unsere Lichtwaldarten konkretisieren.
https://www.schmetterlingsforum.de/eb/entry/Berichte/diskussion-lichtwaldarten-als-teil-der-regionalen-biodiversitaetsstrategie.html

Bestandserfassung von Satyrium ilicis

Bestandserfassung von Satyrium ilicis (ESPER, 1779), Brauner Eichen-Zipfelfalter (Lepidoptera: Lycaenidae), im deutschen Teil des Warndts (Saarland) durch systematische Eisuche Kurzfassung: Der in Mitteleuropa bestandsbedrohte Braune Eichen-Zipfelfalter (Satyrium ilicis) leidet wie viele Lichtwaldfalter unter der zunehmenden Verdunklung unserer Wälder und der deutlich schlechter gewordenen Vernetzung seiner Habitate. Im Saarland bewohnt S. ilicis breite Waldwege, Lichtungen und Waldränder größerer Wal...
https://www.schmetterlingsforum.de/eb/entry/Berichte/bestandserfassung-von-satyrium-ilicis.html
Leute geht in den Wald!

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Kommentare

Gäste - Sandra Kraus am Mittwoch, 30. August 2017 20:39

Sehr geehrter Herr Strätling,
ich bin aktives Mitglied der Deutschen Ameisenschutzwarte. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Ameisenhegerin arbeite ich oft mit Saarforst zusammen, die Kooperation hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Man arbeitet als Verbindungsglied zwischen Natur und Wirtschaft und versucht, zwischen menschlichen Interessen und geschützten Arten zu vermitteln und den Tieren ein Überleben zu erleichtern. Meine namentliche Erwähnung veranlasst mich zu dieser Wortmeldung.

Ich kenne die örtlichen Verhältnisse, um die es hier geht, leider nicht, mein Wirkungsbereich liegt im Ost-Saarland. Nachdem ich den bisherigen Schriftverkehr gelesen habe, ist für mich die Kernfrage der ganzen Geschichte aber nach wie vor nicht ausreichend beantwortet.

Weshalb wurden die Maßnahmen mitten in der Vegetationsperiode durchgeführt? Ihre Einschätzung, dass dies die beste Zeit des Jahres ist, teile ich nicht. Weder bei den Erdbewegungen, noch bei den Fällungen, so auch diese in der Brutzeit durchgeführt wurden. Man kann von unten definitiv nicht erkennen, ob sich in einer Baumkrone ein Nest befindet und verursacht mit Fällungen innerhalb der Brutzeit vermeidbares Leid.
Es mag sein, dass Eidechsen vor einem Bagger weglaufen und Falter wegfliegen können, aber für Ameisen, Käfer, Raupen, Spinnen und allerlei sonstige Kleintiere gilt dies nicht, sie zählen nicht zu den Sprintern im Tierreich und sind für Bagger, Radlader und Mulcher zu langsam. Betrachte ich es im Bezug auf die Waldameisen, hätte sich das Winterhalbjahr als beste Zeit für die Baumaßnahme angeboten. Die Ameisen befinden sich dann tief unter der Erde, Ameisenstrassen sind verlassen und Futterbäume verwaist. Auch der FSC-Waldstandard schreibt zum Thema Wegebau, dass das Mähen der Randstreifen erst nach dem Abblühen des Bewuchses und nach dem Flüggewerden der Bodenbrüter zu erfolgen hat. Und hier wurde ja nicht nur gemäht. Ich persönlich finde auch den FSC-konformen Zeitpunkt noch zu früh, gerade im Sommer findet man an den Pflanzen der Waldwege sehr viele Raupen und Spinnen, für die Instandhaltungsaktivitäten zu dieser Zeit den sicheren Tod bedeuten. Es mag sein, dass die Tiere im Winterhalbjahr aufgrund der Winterruhe nicht fliehen können, aber als möglichen Ruhestandort haben sie den kompletten Waldboden zur Verfügung, während sie sich im Sommer vermehrt an den besonnten Futterpflanzen am Wegesrand aufhalten. Wir haben somit insbesondere im Sommer eine Konzentration auf begrenzter Fläche. Angesichts des Insektensterbens sollte eine generelle Überarbeitung im Bezug auf Mähen, Mulchen und Baumaßnahmen erfolgen. Es wird zu viel gemulcht, in den Wäldern glücklicherweise eher selten aber viel zu oft beim Landesamt für Strassenbau.

Den rüden Umgangton und fehlende Umgangsformen im Bericht, insbesondere in den Kommentaren, lehne ich ab und sie stimmen mich traurig. Aber genauso lehne ich es ab, einzelne Naturschutzkollegen öffentlich an den Pranger zu stellen. Wir alle kämpfen mit viel Herzblut für die Natur.

Hier noch einige interessante Informationen zum Thema Mulchmäher, die mir vom Bayrischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zugesandt wurden. Mangels Internetauftritt und durch das vollständige Fehlen einer Kommunikationsabteilung unseres eigenen LUA, beziehe ich viele Informationen vom bayrischen Pendant. Auch hiernach ist der Einsatz im Sommer abzulehnen, ist bei Baumaßnahmen aber üblich. Die negativen Folgen für die Tiere sind die Gleichen.

Nachstehend einige Informationen zum Thema Mulchmähereinsatz:

Aus naturschutzfachlicher Sicht ist unbestritten, dass vom großflächigen Einsatz des Mulchens in der Landschaftspflege abgeraten werden muss:
So können sich vielfältige Nachteile für den zu pflegenden Lebensraum ergeben (z. B. kein ausreichender Nährstoffentzug aus der Fläche; Bilden einer Streuschicht, die das Aufkommen von Kräutern erschwert).
Am gravierendsten ist allerdings der negative Einfluss auf die Wiesenfauna (insbes. Insekten und Spinnen). Während bei einer Mahd das Mähgut vielfach zunächst auf der Fläche liegen bleibt und sich Kleintiere noch daraus zurückziehen können, werden Tiere beim Mulchvorgang unmittelbar in den Boden eingegraben. Aus diesen Gründen ist das Mulchen im Vertragsnaturschutzprogramm bei Grünlandmaßnahmen für den 1. Schnitt generell verboten. Im Folgenden sind einige Arbeiten aufgelistet, die die negativen Folgen des Mulchens auf die Fauna belegen, vom Mulchen in der Landschaftspflege abraten bzw. Alternativen aufzeigen (Stehenlassen von Brachestreifen, Liegenlassen des nicht zerkleinerten Mahdgutes):

• Auf Streuwiesen ist vom Mulchen abzuraten: „Mulchen ist auf Streuwiesen weder sinnvoll, noch erlaubt. Es führt zu einer Anreicherung von Nährstoffen und schädigt die Tier- und Pflanzenwelt.“, vgl. http://www.lfu.bayern.de/natur/streuwiesen/doc/mb_streuwiesen.pdf (Bayerisches Landesamt für Umwelt - LfU).
• Auf nahezu allen (Ausnahme Magerstandorte mit Ertrag 30 dt/ha Trockenmasse) Untersuchungsflächen in einer vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) beauftragten Studie führte ein 1maliges jährliches Mulchen zu einer Abnahme der Biodiversität (insbes. Insektenfauna). Ein großflächiges komplettes Mulchen verhindert also Ansiedlung und Entwicklung einer vielfältigen Insekten- und Spinnenfauna. Allerdings wurden keine Nachteile des Mulchens auf die die meisten Vogelarten beobachtet. Verbesserung für Insekten bringt das Stehenlassen rotierender Brachestreifen (Zunahme von Artenzahlen von Schmetterlingen und Heuschrecken). http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/landwirtschaft/GAP-CC-Agrarpolitik_DE-juli2009.pdf (Ergebnisse eines BfN-Forschungsprojektes zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik).
• Auch andere Bundesländer sehen das Mulchen in der naturschutzkonformen Landschaftspflege kritisch: siehe "Hinweise zur Landschaftspflege – Materialien zu Naturschutz- und Landschaftspflege 2005“; Hrsg. Freistaat Sachsen. Dort heißt es: „Aufgrund der überwiegend nachteiligen Wirkungen des Mulchens sollte dieses Verfahren in der Landschaftspflege nur sehr eingeschränkt Anwendung finden. Generell zu verzichten ist auf das Mulchen von Feuchtwiesen, da es hier sehr bald zur Ausbildung einer starken Streuauflage kommt.
• Für bayerische Daueruntersuchungsflächen auf artenreichem Dauergrünland (diverse Berichte von B. Quinger im Auftrag des LfU, z. B. „Versuche zur Wiederherstellung und Pflege von Magerrasen und artenreichem Magergrünland im mittleren bayerischen Alpenvorland mit Darstellung des gesamten Versuchszeitraum seit den Startjahren 1989 und 1990 bis zum Jahr 2010“) bewährte sich das Liegenlassen des Schnittgutes (ohne Zerkleinerung) als Alternative zum Mulchen als kostensparende Pflegemaßnahme im Wechsel mit der Mahd, allerdings nur für bestimmte Vegetationstypen.

Schöne Grüße
Ihr Online-Kommunikations-Team




Mit den besten Grüßen,
Sandra Kraus

Sehr geehrter Herr Strätling, ich bin aktives Mitglied der Deutschen Ameisenschutzwarte. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Ameisenhegerin arbeite ich oft mit Saarforst zusammen, die Kooperation hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Man arbeitet als Verbindungsglied zwischen Natur und Wirtschaft und versucht, zwischen menschlichen Interessen und geschützten Arten zu vermitteln und den Tieren ein Überleben zu erleichtern. Meine namentliche Erwähnung veranlasst mich zu dieser Wortmeldung. Ich kenne die örtlichen Verhältnisse, um die es hier geht, leider nicht, mein Wirkungsbereich liegt im Ost-Saarland. Nachdem ich den bisherigen Schriftverkehr gelesen habe, ist für mich die Kernfrage der ganzen Geschichte aber nach wie vor nicht ausreichend beantwortet. Weshalb wurden die Maßnahmen mitten in der Vegetationsperiode durchgeführt? Ihre Einschätzung, dass dies die beste Zeit des Jahres ist, teile ich nicht. Weder bei den Erdbewegungen, noch bei den Fällungen, so auch diese in der Brutzeit durchgeführt wurden. Man kann von unten definitiv nicht erkennen, ob sich in einer Baumkrone ein Nest befindet und verursacht mit Fällungen innerhalb der Brutzeit vermeidbares Leid. Es mag sein, dass Eidechsen vor einem Bagger weglaufen und Falter wegfliegen können, aber für Ameisen, Käfer, Raupen, Spinnen und allerlei sonstige Kleintiere gilt dies nicht, sie zählen nicht zu den Sprintern im Tierreich und sind für Bagger, Radlader und Mulcher zu langsam. Betrachte ich es im Bezug auf die Waldameisen, hätte sich das Winterhalbjahr als beste Zeit für die Baumaßnahme angeboten. Die Ameisen befinden sich dann tief unter der Erde, Ameisenstrassen sind verlassen und Futterbäume verwaist. Auch der FSC-Waldstandard schreibt zum Thema Wegebau, dass das Mähen der Randstreifen erst nach dem Abblühen des Bewuchses und nach dem Flüggewerden der Bodenbrüter zu erfolgen hat. Und hier wurde ja nicht nur gemäht. Ich persönlich finde auch den FSC-konformen Zeitpunkt noch zu früh, gerade im Sommer findet man an den Pflanzen der Waldwege sehr viele Raupen und Spinnen, für die Instandhaltungsaktivitäten zu dieser Zeit den sicheren Tod bedeuten. Es mag sein, dass die Tiere im Winterhalbjahr aufgrund der Winterruhe nicht fliehen können, aber als möglichen Ruhestandort haben sie den kompletten Waldboden zur Verfügung, während sie sich im Sommer vermehrt an den besonnten Futterpflanzen am Wegesrand aufhalten. Wir haben somit insbesondere im Sommer eine Konzentration auf begrenzter Fläche. Angesichts des Insektensterbens sollte eine generelle Überarbeitung im Bezug auf Mähen, Mulchen und Baumaßnahmen erfolgen. Es wird zu viel gemulcht, in den Wäldern glücklicherweise eher selten aber viel zu oft beim Landesamt für Strassenbau. Den rüden Umgangton und fehlende Umgangsformen im Bericht, insbesondere in den Kommentaren, lehne ich ab und sie stimmen mich traurig. Aber genauso lehne ich es ab, einzelne Naturschutzkollegen öffentlich an den Pranger zu stellen. Wir alle kämpfen mit viel Herzblut für die Natur. Hier noch einige interessante Informationen zum Thema Mulchmäher, die mir vom Bayrischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zugesandt wurden. Mangels Internetauftritt und durch das vollständige Fehlen einer Kommunikationsabteilung unseres eigenen LUA, beziehe ich viele Informationen vom bayrischen Pendant. Auch hiernach ist der Einsatz im Sommer abzulehnen, ist bei Baumaßnahmen aber üblich. Die negativen Folgen für die Tiere sind die Gleichen. [quote][/quote][i]Nachstehend einige Informationen zum Thema Mulchmähereinsatz: Aus naturschutzfachlicher Sicht ist unbestritten, dass vom großflächigen Einsatz des Mulchens in der Landschaftspflege abgeraten werden muss: So können sich vielfältige Nachteile für den zu pflegenden Lebensraum ergeben (z. B. kein ausreichender Nährstoffentzug aus der Fläche; Bilden einer Streuschicht, die das Aufkommen von Kräutern erschwert). Am gravierendsten ist allerdings der negative Einfluss auf die Wiesenfauna (insbes. Insekten und Spinnen). Während bei einer Mahd das Mähgut vielfach zunächst auf der Fläche liegen bleibt und sich Kleintiere noch daraus zurückziehen können, werden Tiere beim Mulchvorgang unmittelbar in den Boden eingegraben. Aus diesen Gründen ist das Mulchen im Vertragsnaturschutzprogramm bei Grünlandmaßnahmen für den 1. Schnitt generell verboten. Im Folgenden sind einige Arbeiten aufgelistet, die die negativen Folgen des Mulchens auf die Fauna belegen, vom Mulchen in der Landschaftspflege abraten bzw. Alternativen aufzeigen (Stehenlassen von Brachestreifen, Liegenlassen des nicht zerkleinerten Mahdgutes): • Auf Streuwiesen ist vom Mulchen abzuraten: „Mulchen ist auf Streuwiesen weder sinnvoll, noch erlaubt. Es führt zu einer Anreicherung von Nährstoffen und schädigt die Tier- und Pflanzenwelt.“, vgl. http://www.lfu.bayern.de/natur/streuwiesen/doc/mb_streuwiesen.pdf (Bayerisches Landesamt für Umwelt - LfU). • Auf nahezu allen (Ausnahme Magerstandorte mit Ertrag 30 dt/ha Trockenmasse) Untersuchungsflächen in einer vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) beauftragten Studie führte ein 1maliges jährliches Mulchen zu einer Abnahme der Biodiversität (insbes. Insektenfauna). Ein großflächiges komplettes Mulchen verhindert also Ansiedlung und Entwicklung einer vielfältigen Insekten- und Spinnenfauna. Allerdings wurden keine Nachteile des Mulchens auf die die meisten Vogelarten beobachtet. Verbesserung für Insekten bringt das Stehenlassen rotierender Brachestreifen (Zunahme von Artenzahlen von Schmetterlingen und Heuschrecken). http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/landwirtschaft/GAP-CC-Agrarpolitik_DE-juli2009.pdf (Ergebnisse eines BfN-Forschungsprojektes zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik). • Auch andere Bundesländer sehen das Mulchen in der naturschutzkonformen Landschaftspflege kritisch: siehe "Hinweise zur Landschaftspflege – Materialien zu Naturschutz- und Landschaftspflege 2005“; Hrsg. Freistaat Sachsen. Dort heißt es: „Aufgrund der überwiegend nachteiligen Wirkungen des Mulchens sollte dieses Verfahren in der Landschaftspflege nur sehr eingeschränkt Anwendung finden. Generell zu verzichten ist auf das Mulchen von Feuchtwiesen, da es hier sehr bald zur Ausbildung einer starken Streuauflage kommt. • Für bayerische Daueruntersuchungsflächen auf artenreichem Dauergrünland (diverse Berichte von B. Quinger im Auftrag des LfU, z. B. „Versuche zur Wiederherstellung und Pflege von Magerrasen und artenreichem Magergrünland im mittleren bayerischen Alpenvorland mit Darstellung des gesamten Versuchszeitraum seit den Startjahren 1989 und 1990 bis zum Jahr 2010“) bewährte sich das Liegenlassen des Schnittgutes (ohne Zerkleinerung) als Alternative zum Mulchen als kostensparende Pflegemaßnahme im Wechsel mit der Mahd, allerdings nur für bestimmte Vegetationstypen. Schöne Grüße Ihr Online-Kommunikations-Team[quote][/quote][/i] Mit den besten Grüßen, Sandra Kraus
Ronny Strätling am Samstag, 02. September 2017 08:16

Sehr geehrte Frau Kraus,

vielen Dank für die ausführlichen Einlassungen - insbesondere zu den Ameisen.
Für Schmetterlinge ist es leider genau anders herum - im Winterhalbjahr würde man genau 100% erwischen (alle Überwinterungsstadien) - aus Faltersicht ist daher der Juni tatsächlich der beste Monat. Das trifft insbesondere auf die geschützten und vom Aussterben bedrohten Lichtwaldarten zu. Die Frage ist aber auch, ob im Bereich des Weges und an den Böschungen bei dem ehemals geschlossenen Kronendach überhaupt Ameisen siedelten bzw. welche besonders geschützten Organismen dort vorkommen und durch die Maßnahme gestört, vertrieben oder getötet werden. Haben Sie den Weg gesehen? - der wurde lediglich erneuert und teilweise geöffnet, so dass nun mehr Licht auf den Boden kommt. Die Restvegetation lässt auf die Bedingungen vor der Maßnahme schließen. Anmerkung: es wurde nicht gemulcht.

Das mit dem "Pranger" sehe ich nicht so. Das trifft wohl eher für den SFL im ursprünglichen Bericht zu. Jeder mag seine Thesen meinetwegen auch mit viel Herzblut im Netz verbreiten - aber im Namen des NABU sollte das in einer solchen Form nicht geschehen, zumal - und darum ging es mir hier - die These durchaus auch unter Naturschutzfachleuten kontrovers gesehen werden. Eine zielgerichtete Diskussion rund um richtig gewählte Mahdzeitpunkte (immer Standortbezogen und auf die Schutzziele gerichtet) oder sonstiger Maßnahmen würde ich begrüßen. Der NABU hat diesbezüglich m.E. die Aufgabe, auf wissenschaftlicher Basis zu informieren und zu agieren.

In meinem recht großen Garten mache ich seit Jahren selbst Erfahrungen bzgl. Mähzeitpunkten und anderer Pflegemaßnahmen (selbstverständlich mulche ich nicht und setze auf Balkenmäher und Ziege ;-)) auf die Entwicklung der dort vorkommenden Tagfalter und Reptilien. Inzwischen habe ich dort 64 Tagfalterarten nachweisen können und fast in jedem Jahr ist die Zahl derer, für die ich auch Reproduktionsnachweise erbringen konnte, gestiegen. Das wesentliche Ergebnis hier ist: ein Abmähen der gesamten Fläche nach dem Abblühen wäre eine Katastrophe vergleichbar mit einem großflächigen Kahlschlag. Ein sehr kleinflächiges Management - Mähen zu unterschiedlichsten Zeitpunkten im Jahr (Mai, Juni ... Oktober) und Teilflächen als Brachen über den Winter stehen zu lassen, bringt die besten Ergebnisse. Natürlich hätte ich kurzfristig im ersten Jahr die besten Ergebnisse, würde ich gar nicht mähen. Jedoch wäre dann der Lebensraum im nächsten Jahr schon wieder ein ganz anderer und viele Arten würden wieder verschwinden. Mit der Vorgehensweise imitiere ich das "Chaos" unserer früheren noch nicht flurbereinigten extensiven Landwirtschaft, die ein Mosaik von Lebensräumen bot. Ähnlich verhält es sich auch im Wald. Dort ist das Mulchen der Wegränder ohne Nährstoffaustrag leider immer noch Praxis. Aber diese Katastrophe wäre eine noch viel größere, würde man es erreichen, dass alle Wege gleichzeitig nach dem Abblühen im späten September gemulcht würden. Man erreicht damit zwar für einige Organismen einen positiven Effekt, hat aber bei anderen flächendeckend einen "Kahlschlag" organisiert der vielen anderen zum Verhängnis wird. Leider haben teilweise auch Managementmaßnahmen in Naturschutzgebieten schon zur Ausrottung von Arten geführt (teils genau jene die geschützt werden sollten), weil die Maßnahmen entweder falsch definiert oder falsch durchgeführt wurden.

Insofern sollten wir auch diese Wegesanierung einmal mit etwas Abstand und nicht nur aus der Sicht einzelner Organismengruppen bewerten und schon gar nicht zu einem Waldfrevel aus Gewinnsucht aufblähen.

Liebe Grüße
Ronny Strätling

Sehr geehrte Frau Kraus, vielen Dank für die ausführlichen Einlassungen - insbesondere zu den Ameisen. Für Schmetterlinge ist es leider genau anders herum - im Winterhalbjahr würde man genau 100% erwischen (alle Überwinterungsstadien) - aus Faltersicht ist daher der Juni tatsächlich der beste Monat. Das trifft insbesondere auf die geschützten und vom Aussterben bedrohten Lichtwaldarten zu. Die Frage ist aber auch, ob im Bereich des Weges und an den Böschungen bei dem ehemals geschlossenen Kronendach überhaupt Ameisen siedelten bzw. welche besonders geschützten Organismen dort vorkommen und durch die Maßnahme gestört, vertrieben oder getötet werden. Haben Sie den Weg gesehen? - der wurde lediglich erneuert und teilweise geöffnet, so dass nun mehr Licht auf den Boden kommt. Die Restvegetation lässt auf die Bedingungen vor der Maßnahme schließen. Anmerkung: es wurde nicht gemulcht. Das mit dem "Pranger" sehe ich nicht so. Das trifft wohl eher für den SFL im ursprünglichen Bericht zu. Jeder mag seine Thesen meinetwegen auch mit viel Herzblut im Netz verbreiten - aber im Namen des NABU sollte das in einer solchen Form nicht geschehen, zumal - und darum ging es mir hier - die These durchaus auch unter Naturschutzfachleuten kontrovers gesehen werden. Eine zielgerichtete Diskussion rund um richtig gewählte Mahdzeitpunkte (immer Standortbezogen und auf die Schutzziele gerichtet) oder sonstiger Maßnahmen würde ich begrüßen. Der NABU hat diesbezüglich m.E. die Aufgabe, auf wissenschaftlicher Basis zu informieren und zu agieren. In meinem recht großen Garten mache ich seit Jahren selbst Erfahrungen bzgl. Mähzeitpunkten und anderer Pflegemaßnahmen (selbstverständlich mulche ich nicht und setze auf Balkenmäher und Ziege ;-)) auf die Entwicklung der dort vorkommenden Tagfalter und Reptilien. Inzwischen habe ich dort 64 Tagfalterarten nachweisen können und fast in jedem Jahr ist die Zahl derer, für die ich auch Reproduktionsnachweise erbringen konnte, gestiegen. Das wesentliche Ergebnis hier ist: ein Abmähen der gesamten Fläche nach dem Abblühen wäre eine Katastrophe vergleichbar mit einem großflächigen Kahlschlag. Ein sehr kleinflächiges Management - Mähen zu unterschiedlichsten Zeitpunkten im Jahr (Mai, Juni ... Oktober) und Teilflächen als Brachen über den Winter stehen zu lassen, bringt die besten Ergebnisse. Natürlich hätte ich kurzfristig im ersten Jahr die besten Ergebnisse, würde ich gar nicht mähen. Jedoch wäre dann der Lebensraum im nächsten Jahr schon wieder ein ganz anderer und viele Arten würden wieder verschwinden. Mit der Vorgehensweise imitiere ich das "Chaos" unserer früheren noch nicht flurbereinigten extensiven Landwirtschaft, die ein Mosaik von Lebensräumen bot. Ähnlich verhält es sich auch im Wald. Dort ist das Mulchen der Wegränder ohne Nährstoffaustrag leider immer noch Praxis. Aber diese Katastrophe wäre eine noch viel größere, würde man es erreichen, dass alle Wege gleichzeitig nach dem Abblühen im späten September gemulcht würden. Man erreicht damit zwar für einige Organismen einen positiven Effekt, hat aber bei anderen flächendeckend einen "Kahlschlag" organisiert der vielen anderen zum Verhängnis wird. Leider haben teilweise auch Managementmaßnahmen in Naturschutzgebieten schon zur Ausrottung von Arten geführt (teils genau jene die geschützt werden sollten), weil die Maßnahmen entweder falsch definiert oder falsch durchgeführt wurden. Insofern sollten wir auch diese Wegesanierung einmal mit etwas Abstand und nicht nur aus der Sicht einzelner Organismengruppen bewerten und schon gar nicht zu einem Waldfrevel aus Gewinnsucht aufblähen. Liebe Grüße Ronny Strätling
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