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Leute geht in den Wald!

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Wer dieser Tage im Warndtwald spazieren geht, der wird gleich in mehrerlei Hinsicht positiv überrascht. Zunächst muss man feststellen, dass es dieses Jahr durchaus möglich ist, mit kurzer Hose und kurzem Hemd den Wald zu betreten, denn Stechmücken und Bremsen sind erfreulich wenige unterwegs. Als nächsten wird man sehen, dass recht viele Schmetterlinge beobachtet werden können - allen voran der Kaisermantel, der ein außergewöhnlich starkes Jahr hat. Generell erscheint 2017 ein eher sehr gutes Schmetterlingsjahr, was aber leider kein Langfristtrend sondern die Ausnahme ist, denn nach wie vor gehen Arten- und Individuenzahlen - mittel- und langfristig gesehen - stark zurück. Dennoch sollten wir uns einmal ganz bewusst an den nun zahlreich fliegenden Schmetterlingen freuen! Wer weiß, wann es das nächste mal wieder so viele geben wird.

Ein ganz typisches Bild in der zweiten Juli-Hälfte im Warndtwald. Augen auf! Die sieht man schon, wenn man danach schaut. Man kann sie in Ruhe an den Disteln oder am Wasserdost beobachten, denn sie sind im Moment kaum scheu und beißen tun sie auch nicht.

An lichten Waldwegen und Lichtungen, an denen nun der Wasserdost blüht, ist im Warndtwald aktuell ordentlich was los. Auf einem Begang kann man ohne weiteres mehrere Hundert Kaisermäntel (Argynnis paphia) zählen! Darunter finden sich vereinzelt auch der Feurige Perlmuttfalter (Argynnis adippe) und der Große Perlmuttfalter (Argynnis aglaja), sowie die letzten schon recht abgeflogenen Brombeer-Perlmuttfalter (Brenthis daphne). Auch nicht selten ist das Rotbraune Ochsenauge (Pyronia tithonus) auf dem Dost zu finden, obschon dieser offeneren Bereiche bevorzugt. Es scheint fast, als seinen gar nicht genug Blütenpflanzen vorhanden, denn die Falter streiten sich richtiggehend um die vorhandenen Nektarressourcen. Weniger scharf auf Nektar sind die letzten umherfliegenden Schillerfalter (nun meist Weibchen), die am Boden Mineralien aufnehmen und das teils an sehr unappetitlichen Stellen. Ein Haufen Fuchskot ist so etwa das beste, was sich ein Schillerfalterweibchen nun vorstellen kann! 

Der Feurige Perlmuttfalter ist ein eher seltener Gesell geworden. Er benötigt zur Entwicklung halbsonnig bis sonnig stehende Veilchen im Wald. Umso erfreulicher ist es, dass er in diesem Jahr wieder in guter Anzahl anzutreffen ist. Trotzdem wird man im Moment etwa 100 mal mehr Kaisermäntel sehen als Feurige Perlmuttfalter oder auch nur den Großen Perlmuttfalter, der ebenso im Moment zu finden ist - Augen auf! Der abgebildete Falter muss hier seinen "Teller" mit zwei Rüsselkäfern teilen, die das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden - wie romantisch...

Immer wieder aber begegne ich Leuten, die zwar nicht physisch mit Blindheit geschlagen sind, dennoch aber die ganzen Falter gar nicht wahrnehmen! Wie kann das sein? Ein Kaisermantel ist nicht gerade klein und wenn sie zu Hunderten fliegen, sollte man schon mal bewusst einen davon wahrnehmen! Es liegt an der Wahrnehmung. Viele sind inzwischen so blind für die Schönheiten der Natur, dass man sich fragt, warum sie überhaupt in ihr herumlaufen. Der Grund ist aber meist schnell gefunden, hat vier Beine und kackt gerade auf den Weg. Des Schillerfalters Freud, mein Leid. Ich kann nicht sagen, ob die Eutrophierung durch Hunde sich wirklich schon negativ auf die Wegrandvegetation auswirkt, oder ob die tatsächlich immer schlechter werdenden Wegränder einzig über den Stickstoffeintrag aus der Luft zu erklären sind. Einerlei - reintreten in die Kacke will ich jedenfalls auch nicht und es wäre schön, wenn die Leute, die in der Natur herumlaufen, nur damit der Hund sich erleichtern kann, eben auch ein Auge für die Natur um sie herum hätten. 

Der Russische Bär ist gerade im Moment im Warndtwald sehr häufig. Im Flug wirkt er hell-orange. Ist er nicht schön? Er ist zwar nicht ganz so groß wie der Kaisermantel, aber trotzdem gut zu finden. Augen auf und anschauen! Sie sind eifrige Nektartrinker.
Das Rotbraune Ochsenauge ist dieser Tage sehr häufig. Sicher finden Sie ihn auch in ihrem Garten, wenn dieser nur halbwegs naturnah ist. Er ist einfach herrlich zu sehen, wenn auf einem Thymianpolster oder einem Dost Dutzende der schönen kleinen Falter saugen. Hier müsst ihr aber schon die Augen noch ein kleines Stückchen mehr aufmachen - sie sind nur etwa halb so groß wie ein Tagpfauenauge.
Bei all der Freude, die man beim Beobachten von Faltern beim Blütenbesuch hat, darf man nicht vergessen, dass diese nur die erwachsenen Tiere sind und eine vergleichsweise kurze Lebensspanne haben. Ihre meist sehr viel längere Kindheit verbringen die Falter, wie diese Tagpfauenaugen (Aglais io) hier, als Ei, Raupe, Puppe. Nur dort, wo die schönen Schmetterlinge auch ihre "Kindheit" überstehen, können sie leben. Das ist wie bei uns Menschen auch - die Kneipe, in der man sich volllaufen lassen kann, lockt viele erwachsene an; lebenswichtig ist sie aber nicht und reproduzieren tun wir und dort (im Regelfall) auch nicht. Also: die Buddleja im Garten ist nicht genug!

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